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Jugend kreuzt auf: Oh Gott - eine Jugendkolumne!
Lokales 4 Min. 25.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Jugend kreuzt auf: Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Nicolas dachte bereitwillig mit und brachte so das Gespräch voran.

Jugend kreuzt auf: Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Nicolas dachte bereitwillig mit und brachte so das Gespräch voran.
Lokales 4 Min. 25.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Jugend kreuzt auf: Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Kurz nach den Fastnachtsferien, also schon zu Beginn der Fastenzeit, waren die Jugendlichen unserer Pfarrverbände zum sogenannten Jugendkreuzweg eingeladen. Ein Dutzend Jugendliche waren der Einladung tatsächlich gefolgt und standen trotz herrlichen Wetters pünktlich im Pfarrsaal der Kirche. Ich war beeindruckt.

Kurz nach den Fastnachtsferien, also schon zu Beginn der Fastenzeit, waren die Jugendlichen unserer Pfarrverbände zum sogenannten Jugendkreuzweg eingeladen. An den letzten schweren Gang Jesu, seinen Weg in den Tod vor rund 2000 Jahren, wollten wir erinnern und nach Vergleichen in unserem Leben suchen.

Ein Dutzend Jugendliche waren der Einladung tatsächlich gefolgt und standen trotz herrlichen Wetters pünktlich im Pfarrsaal der Kirche. Ich war beeindruckt. Hatte ich doch selbst an diesem Tag die größte Mühe, mich für das angekündigte Thema zu begeistern.

Schnell änderten wir unsere Pläne – anstatt uns in die vergleichsweise kalte Kirche vor eine Powerpoint-Präsentation zu setzen, um eine moderne Interpretation des Kreuzweges Jesu zu versuchen, beschlossen wir, den Weg im nahen Waldgebiet zu nutzen und die Stationen des Leidensweges Jesu in der Natur und an der frischen Luft zu überdenken. Schnell waren die TeilnehmerInnen abgezählt, Lied- und Textblätter verteilt, die Eltern informiert und los ging's zu Fuß in den Wald.

Warum lief Jesus nicht einfach weg ?

Mit den ersten Schritten, dem Sonnenuntergang entgegen, hellte sich die Laune der Jugendlichen merklich auf. Selbst Andrea, die auf ihren Krücken zur Kirche gehumpelt war, hüpfte nun fröhlich neben den anderen her. Auch meine Motivation stieg schlagartig – ich nutzte die wenigen Meter bis zum Waldrand, um mir eine neue Strategie, einen stimmigen Einstieg und den weiteren Verlauf zurechtzulegen.

Beim ersten Halt diente ein gefällter Baum als Sammelpunkt. Wir waren angekommen – im Wald, aber noch längst nicht bei Jesus Christus vor 2000 Jahren. Eine kurze Zusammenfassung der damaligen Verhältnisse tat not. Welche Konflikte brodelten derzeit im Heiligen Land? Welche Rolle spielte Pontius Pilatus bei der Verurteilung Jesu? Und warum wollten die Menschen lieber Barrabas als Jesus befreit sehen?

Die schöne Vorbereitung unter dem Arm blieb zusammengefaltet und wir erarbeiteten uns im Gespräch mit den Jugendlichen den Einstieg in die Situation Jesu vor 2000 Jahren. Mit welchem Gottesbild schockierte er die frommen und gelehrten Juden seiner Zeit? Warum lief er nicht einfach weg und ließ sich vom Schwert des Petrus den Rücken frei halten?

Nicolas dachte bereitwillig mit und brachte so das Gespräch voran. Immer abwechselnd versuchten René, unser Diakon, und ich, die Etappen des Leidensweges Jesu von Palmsonntag bis Karfreitag historisch zu beleuchten.

Christine Busshardt
Christine Busshardt
Foto: Gerry Huberty

Und ich muss sagen, nach anfänglichen Bedenken war dies wohl der schönste Kreuzweg, den ich seit langem mit Jugendlichen erlebt habe.











Auf einmal entstand ein lebendiges Bild: Jesus – verraten und verkauft. Die Geschichte des Judas war den Jugendlichen in Erinnerung geblieben. Wer war dieser Jünger, der den Wehrlosen verriet und gegen Geld an seine Henker auslieferte? War er ein falscher Freund oder ein enttäuschter Anhänger, der Jesus endlich zum Aufstand provozieren wollte? Hier waren die Jugendlichen bei ihren Gefühlen angekommen und erzählten von ihren Erfahrungen und Beobachtungen. Mobbing, Provokationen, fehlende Solidarität, sich verlassen fühlen – das kennen sie aus verschiedenen Situationen in ihrem Leben und vor allem aus der Schule.

Wir legten wieder eine Pause ein. Diesmal an einer Stelle im Wald, wo reichlich Äste am Boden lagen. Schnell hatte ich zu Hause noch eine Schere und Schnur eingepackt, so konnte sich nun jeder sein eigenes Kreuz basteln. Jérôme fand es gar nicht so einfach, den richtigen Knoten zu machen, damit die beiden Äste in stabiler Kreuzform verbunden blieben. Den letzten Rest des Weges legten wir schweigend zurück. „Waren dies wirklich nur zwei Kilometer?“, erkundigte sich Nathalie und zwinkerte mir zu. Rund um das Bodenmosaik mit einem Omegazeichen, das den Besucher des Howalder Friedhofs empfängt, versammelten wir uns zum Abschluss, jeder mit seinem Kreuz in der Hand. „Ein komisches Bild für jemanden, der unverhofft vorbeikommt!“, fuhr es mir durch den Kopf.

René riss mich aus meinen Gedanken, als er spontan auf den Glauben an die Auferstehung zu sprechen kam. „Damals muss etwas passiert sein!“, konstatierte er. Selbst wenn wir ja nicht genau wissen könnten was, so stehe dennoch fest, dass bei den Jüngern Jesu nach einiger Zeit eine Veränderung eingesetzt habe. Diejenigen, die sich zuvor aus dem Staub gemacht hätten, seien zurückgekehrt und hätten trotz Todesgefahr jedem, der es hören wollte, von dem erzählt, was sie mit Jesus erlebt hätten. An Ostern sei ja dann doch wohl was dran. Damit verabschiedeten wir die kleine Gruppe.

Und ich muss sagen, nach anfänglichen Bedenken war dies wohl der schönste Kreuzweg, den ich seit langem mit Jugendlichen erlebt habe.


Christine Busshardt, Pastoralreferentin, Pfarrverbände „Bettembourg-Huncherange“, „Fréiseng“, „Hesper“, „Réiserbann“ und „Weiler-la-Tour“. Die Autorin ist über E-Mail: glaube@wort.lu sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und eben zu erreichen

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