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Jugend auf den Spuren der Gallo-Römer
Eine Ferienaktivität der besonderen Art erlebten rund 25 Jugendliche an der Ausgrabungsstelle in Goeblingen.

Jugend auf den Spuren der Gallo-Römer

LW
Eine Ferienaktivität der besonderen Art erlebten rund 25 Jugendliche an der Ausgrabungsstelle in Goeblingen.
Lokales 2 Min. 15.03.2012

Jugend auf den Spuren der Gallo-Römer

Wenn in den Sommermonaten die Aktivitäten der meisten Vereine auf Sparflamme gestellt sind, herrscht Hochbetrieb bei den „Georges Kayser Altertumsfuerscher“. Bereits zum 20. Mal hat der Club Jugendliche zur Römervilla von Goeblingen eingeladen, um dort tatkräftig an der Freilegung des antiken Gutshofes mitzuwirken.

(C.) - Wenn in den Sommermonaten die Aktivitäten der meisten Vereine auf Sparflamme gestellt sind, herrscht Hochbetrieb bei den „Georges Kayser Altertumsfuerscher“. Bereits zum 20. Mal hat der Club Jugendliche zur Römervilla von Goeblingen eingeladen, um dort tatkräftig an der Freilegung des antiken Gutshofes mitzuwirken. Der Abschluss der achttägigen Veranstaltung wurde mit einer Feier begangen, anlässlich der die geladenen Gäste über den Fortgang der Grabungen ins Bild gesetzt wurden.

U. a. waren die Bürgermeister der Gemeinden Koerich, Kehlen und Mamer der Einladung gefolgt und ließen sich den Fortschritt der Arbeiten während des Jugendlagers erläutern. Während acht Tagen haben um die 25 Jugendliche unter Anleitung von ebenso viel erfahrenen Vereinsmitgliedern – teilweise Teilnehmer aus früheren Jugendlagern – nach Überresten in den Ruinen der Göblinger Römervilla gesucht.

Bereits in den 1960er-Jahren hat Pfarrer Georges Kayser die gallo-römische Anlage entdeckt und begonnen sie auszugraben. Schon damals galten die konsolidierten Mauerzüge als Sehenswürdigkeit und zahlreiche Touristen aus dem In- und Ausland fanden den Weg ins kleine Göblinger Wäldchen „am Miecher“.

Erstaunliche neue Erkenntnisse

Die in den letzten Jahren unternommenen Ausgrabungen der „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ haben erstaunliche neue Erkenntnisse über den gallo-römischen Gutshof ans Tageslicht gebracht. Um 30 nach Christus ließ sich einer der Bewohner einen typisch römischen Grabrundbau errichten und brach – für die Gegend sehr früh – mit den keltischen Bestattungstraditionen. Ende des 3. Jahrhunderts durchlief Gallien eine unruhige Phase (verheerende Germaneneinfälle, Räuberbanden).

Da die römische Armee anderweitig gebunden war, mussten die Bewohner selbst für ihre Sicherheit sorgen. So wurde das Herrenhaus zu einem spätantiken Burgus umgebaut. Mehrere Gebäudeteile, unter anderem der Grabrundbau, wurden abgerissen um den Bau dieser umfassenden Verteidigungsanlage zu ermöglichen. Ein vorgelagerter Graben, ein Erdwall sowie eine Holzpalisade schützten fortan das Wohngebäude. Zudem wurde ein Wachturm im Gebäude errichtet. Anfang des 4. Jahrhunderts konnte Kaiser Konstantin der Große die Rheingrenze wieder befestigen.

Diese Sicherheit veranlasste die Bewohner von Goeblingen-Miecher dazu ihre Befestigungsanlage zu schleifen und den Graben zu verfüllen. Während den vergangenen Jugendlagern konnte ein Teil der Palisadenreste sowie des davor liegenden Schutzgrabens freigelegt werden. Außerdem wurden weitere Mauerzüge in östlicher Richtung entdeckt, die das Wohngebäude noch weit aus größer werden ließen.

Eisenmesser, Keramikscherben und eine irdene Götterstatue

Dieses Jahr konzentrierten sich die Arbeiten während des Jugendlagers vornehmlich außerhalb des Schutzgrabens vor dem Hauptwohngebäude. Dabei kamen interessante Strukturen zum Vorschein, die in den nächsten Wochen und Monaten weiter untersucht werden. Auch beim diesjährigen Jugendcamp konnten reichlich Funde geborgen werden, wie zwei gut erhaltene Eisenmesser, Keramikscherben, Glas, Wandmalerei, eine Fibel, mehrere bronzene Kistenbeschläge, Fragmente einer irdenen Götterstatue, und eine Scherbe eines Glasgefäßes mit Schliffdekor.

Nicht nur archäologische Arbeiten standen auf dem Programm, sondern auch Ausflüge zu historischen Stätten wurden unternommen. Daneben wurden Spiele organisiert und der Abend klang beim Lagerfeuer mit Gesang und Gitarrenklang aus. Die alte Römervilla von Goeblingen ist jedenfalls ein Sonntagsspaziergang wert. Besonders die in den letzten Jahren gemachten Entdeckungen, sowie die von Verein und Staat durchgeführten Konsolidierungsarbeiten lassen die Anlage in einem völlig neuen Licht erscheinen. Hier wird Geschichte hautnah erlebt.