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Jousefshaus Remich: Warten auf Besserung
Lokales 2 Min. 15.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Jousefshaus Remich: Warten auf Besserung

Ein Beratungsunternehmen soll Vorschläge machen, wie sich das Altenheim in Zukunft selbst tragen kann.

Jousefshaus Remich: Warten auf Besserung

Ein Beratungsunternehmen soll Vorschläge machen, wie sich das Altenheim in Zukunft selbst tragen kann.
Foto: Volker Bingenheimer
Lokales 2 Min. 15.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Jousefshaus Remich: Warten auf Besserung

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
In diesem und im kommenden Jahr wird das Remicher Altenheim voraussichtlich ein dickes Defizit einfahren - zu tragen von der Gemeinde.

Gleich zwei Mal sperrten die Zuhörer im Gemeinderat Remich Augen und Ohren auf, als die Sprache auf das dauerhafte Sorgenkind Jousefshaus kam. Zum einen erfuhren sie, dass der halbe Verwaltungsrat samt Präsident Charles Wagener seinen Rücktritt eingereicht hatte, zum anderen wurde die Finanzplanung für 2020 öffentlich vorgestellt.

Bürgermeister Sitz hatte in den letzten Monaten von einer verbesserten Finanzlage des Altenheims gesprochen und in Aussicht gestellt, dass es sich in den kommenden Jahren selbst tragen könne. Danach sieht es nun nicht mehr aus. Trotz wesentlich optimistischer Schätzungen bleibt es für 2019 bei einem Defizit von 1,1 Millionen Euro. Da das Jousefshaus die Rechtsform des Zivilhospizes hat, muss die Gemeinde Remich für das Defizit aufkommen.

Auch für das kommende Jahr ist hier kein Morgenrot am Horizont zu erkennen. Die von Noch-Präsident Charles Wagener vorgestellte Finanzplanung für 2020 sieht wiederum ein von der Gemeinde zu tragendes Defizit von einer Million Euro vor.


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Mit spitzem Bleistift

Da ein vor drei Wochen beauftragtes Beratungsunternehmen sowohl die Erstattungen der CNS als auch die Personalkosten mit spitzem Bleistift berechnet hat, werden die tatsächlichen Einnahmen im kommenden Jahr wohl nur geringfügig von den Planungen abweichen.

Auf der Einnahmenseite macht sich nach wie vor die veränderte Altersstruktur der Bewohner bemerkbar. Sie führt dazu, dass Pflegeleistungen nicht in dem Umfang benötigt werden, wie sie das Personal leisten könnte. Die Gehälter werden im kommenden Jahr durch die bevorstehende Indextranche und vertraglich festgehaltene Erhöhungen weiter steigen. „Die Schere zwischen Pensionseinnahmen und Personalkosten geht immer weiter auseinander“, lautete die ernüchternde Bilanz des scheidenden Verwaltungsratspräsidenten.

Groß war die Enttäuschung bei den Ratsmitgliedern. Gaston Thiel (CSV) sagte: „Wir haben immer wieder vom blauen Himmel über dem Jousefshaus erzählt bekommen. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen.“

Vorwürfe gegen Direktion

Jean-Paul Kieffer (DP) meinte: „Ich stelle mit Erschrecken fest, dass der Beitrag der Gemeinde immer noch über eine Million Euro hoch ist.“ Der Direktion des Altenheims warf er Tatenlosigkeit vor. „Ich habe den Bericht der Wirtschaftsprüfer gesehen. Selbst ein Laie konnte da herauslesen, dass die Direktion in den letzten vier Jahren nicht die nötigen Schritte veranlasst hat.“


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Einen Ausweg aus der jetzigen Situation soll das Beratungsunternehmen aufzeigen, das vor drei Wochen die Arbeit aufgenommen hat. Für Schöffe Mike Greiveldinger ist klar, dass es ohne Personaleinsparungen nicht gehen wird. Dabei will die Gemeinde aber nicht zu Kündigungen übergehen. Vielmehr will man frei werdende Stellen nicht neu besetzen und Pflegepersonal soweit wie möglich an andere Altenheime vermitteln.

Im neuen Verwaltungsrat übernimmt Mike Greiveldinger kommissarisch den Vorsitz, bis ein neuer Präsident gefunden ist. Der zurückgetretene Präsident Charles Wagner wird durch Jean-Paul Kieffer ersetzt, Albert Hoffmann durch Pierre Singer. Jean-Paul Meyers wurde wiedergewählt. Christian Weber aus dem Gemeindesekretariat ersetzt den ebenfalls zurückgetretenen Jean Bohler.




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