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Josy Schlang verstorben
Lokales 3 Min. 28.11.2013

Josy Schlang verstorben

Josy Schlang war Häftling Nummer 141 556

Josy Schlang verstorben

Josy Schlang war Häftling Nummer 141 556
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 28.11.2013

Josy Schlang verstorben

Josy Schlang, der letzte noch lebende Luxemburger Zeitzeuge von Auschwitz, ist am vergangenen Sonntag verstorben. Schlang war viereinhalb Jahre in dem KZ interniert.

(LW) - Josy Schlang wurde im Alter von 17 Jahren von den Nazis verschleppt. Er kam ins Konzentrationslager und war viereinhalb Jahre in der „Hölle“ von Auschwitz. Der letzte noch lebende Luxemburger Zeitzeuge ist am Sonntag verstorben.

Familie Schlang, bestehend aus Josy Schlang, geboren am 5. Juni 1924, seiner Schwester und seinen Eltern, wurde im Oktober 1941 per Brief von den Besatzern mitgeteilt, sich am Bahnhof Hollerich einzufinden: Sie wurden ins Ghetto Litzmannstadt deportiert.

In einem früheren Interview mit dem Luxemburger Wort, sprach Schlang über den Grund für die Verschleppung der gesamten Escher Familie: „Ich war ein Stänkerer und wurde wohl von Nazi-freundlichen Luxemburgern verpfiffen“. Auch sein Vater ließ keine Gelegenheit aus, um sich gegen die Besatzungsmacht zu äußern. Und er hörte britisches Radio.

Chronologie eines Leidenswegs

Am 10. Mai 1940 lebte Josy Schlang mit seinen Eltern und seiner Schwester Sophie in Esch/Alzette. Am Tag der deutschen Invasion wurden Schlangs nach Frankreich evakuiert.

Nach der französischen Kapitulation kehrte die Familie nach Esch zurück – ein Fehler, wie sich schnell herausstellt, denn die Eltern wurden schon kurz nach der Rückkehr aufgrund einer Denunziation von der Gestapo verhaftet und kamen für 14 Tage in Gefängnis.

Da Josy Schlang in Widerstandskreisen tätig war und einem deutschfreundlichen Nachbarn die Hakenkreuzflagge herunterriß, wurde er im August 1941 verhaftet.

„Zuerst war ich in der Villa Pauly, dem Gestapo-Hauptquartier in Luxemburg, während zwei Wochen verhört, geschlagen und gedemütigt worden“, erinnerte sich Josy Schlang.

Von Hollerich ging es dann unter unmenschlichen Bedingungen im Viehwagen über Hinzert nach Lodz in Polen. Am 16. Oktober wurde Josy Schlang mit seinen Eltern ins Ghetto Litzmannstadt deportiert.

Schon nach kurzer Zeit wurde die Familie auseinander gerissen und Josy Schlang kam in das bei Posen gelegene Arbeitslager Zabikowo, wo er bis 1943 schlimmste Misshandlungen und Entbehrungen erleiden musste.

Unter Tränen erinnerte sich der vom Leben gezeichnete Josy Schlang an die Zugfahrt unter unmenschlichen Bedingungen – ein Blecheimer diente als sanitäre Einrichtung für etwa 65 Leute pro Waggon – und an die Ankunft irgendwo in Polen, wo er seine Mutter, seinen Vater und seine Schwester zum letzten Mal sah.

Als Häftling Nr. 141556 kam er nach Auschwitz, wo er als jüdischer Zwangsarbeiter u. a. in Monowitz und Sosnowitz eingesetzt wurde.

„Raus ihr Schweine!“, hallte es den Gefangenen entgegen, so der verstorbene Zeitzeuge in einem Interview Mit dem "Luxemburger Wort" aus dem Jahre 2006: „Ein Mann in einem weißen Kittel schickte uns nach rechts oder nach links. Ich musste nach rechts. Die anderen, die nach links gingen, habe ich nie wiedergesehen“, zwang  sich Josy Schlang zu erzählen.

Er sprach von der Selektion an der Rampe: "Die einen kamen sofort in die Gaskammer, die anderen wurden als Arbeiter eingesetzt oder für medizinische Versuche genutzt. Wir waren keine Menschen mehr. Zusammengepfercht wie Tiere schliefen wir in den Baracken zu zweit auf den höchstens 80 Zentimeter breiten Holzpritschen, von denen jeweils drei übereinander gestapelt waren. Jeder Häftling hatte nur einen Strohsack und eine dünne Decke. Und unsere Kleidung wurde nie gewaschen. Alles hatte man uns genommen. Wir konnten lediglich zwischen Tag und Nacht, zwischen Sommer und Winter unterscheiden. Dann waren es nämlich bis zu 25 Grad Celsius unter Null!“

Er überlebte Hunger, unmenschliche Behandlung und Selektionen und wurde von der SS vor der anrückenden sowjetischen Armee im Januar 1945 mit tausenden anderer Häftlinge evakuiert.

Der so genannte „Todesmarsch“ dauerte für Josy zwei Tage und Nächte. Auf offenen Eisenbahnwaggons kam er ins Konzentrationslager Mauthausen, wo er Anfang Mai die Befreiung erlebte.

Körperlich stark geschwächt – er wog nur noch 35 kg – konnte Josy Schlang erst im Juli 1945 nach Luxemburg zurückkehren. Von seiner Familie hatte keiner überlebt: Vermutlich im Jahre 1942 wurden Theo, Anna und Sophie Schlang in einem der zahlreichen Vernichtungslager ermordet.

„Ich könnte jeden Tag weinen, wenn ich daran denke, was die Nazis meinen Eltern und meiner lieben kleinen Schwester Sophie angetan haben“, so beschrieb Josy Schlang stets schmerzvoll den Verlust seiner Familie.

Wer den Verstorbenen kannte, wusste seine joviale und menschenfreundliche Art zu schätzen.