José Vaz do Rio aus Gilsdorf

Er hätte der erste „portugiesische” Bürgermeister werden können

José Vaz do Rio
José Vaz do Rio
Foto: Luxemburger Wort

von Paula Telo Alves und Marc Thill

José Vaz do Rio kam vor 40 Jahren als portugiesischer Immigrant nach Luxemburg. Er hätte als Wahlgewinner in der Gemeinde Bettendorf der erste Bürgermeister Luxemburgs werden können, der neben der luxemburgischen auch die portugiesische Staatsbürgerschaft hat.

Nun wurde aber am Dienstag bekannt, dass José Vaz do Rio sich mit dem Posten des Ersten Schöffen in der Gemeinde begnügen will. Bürgermeisterin wird die Viertgewählte Pascale Hansen, épouse Meyers. Sie wurde mit 546 Stimmen gewählt, 42 weniger als José Vaz do Rio, der auf ein Stimmentotal von 588 kam.

Seit 2011 ist José Vaz do Rio Gemeinderatsmitglied in Bettendorf. Am Wahltag analysierte er seinen Wahlsieg sehr vorsichtig: „Man wird sehen”, sagte er, „die Gewählten werden sich versammeln und hierbei wird über die Postenverteilung entschieden.”

Das Wohl der Einwohner von Bettendorf solle vorgehen.”

José Vaz do Rio hat sich inzwischen auf eigenen Wunsch dazu entschieden, den Posten des Bürgermeisters nicht anzunehmen. Er habe die Schule nur bis in die vierte Klasse besucht und spüre sich nicht wohl dabei, den obersten Posten in der Gemeinde zu bekleiden. Dafür sei die Verantwortung zu groß, und das Wohl der Einwohner von Bettendorf solle vorgehen.

Im gemeinsamen Einvernehmen setzt sich deshalb nun der neue Schöffenrat aus Pascale Hansen (Bürgermeisterin), José Vaz do Rio (erster Schöffe) und Paul Troes (zweiter Schöffe) zusammen.

Wie Radio Latina am Dienstag berichtete, hatte am Montag der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa mit dem Gemeindepolitiker aus Bettendorf telefoniert und ihn für sein gutes Abschneiden bei der Gemeindewahl beglückwünscht. Er hatte ihn auch dazu ermutigt, den Posten des Bürgermeisters anzunehmen, was José Vaz do Rio letztlich aber nicht getan hat.

Ende Oktober wird übrigens José Luís Carneiro, der portugiesische Staatssekretär zuständig für die portugiesischem Emigranten, in Luxemburg vorstellig sein. José Vaz do Rio wird dann den Staatssekretär treffen.

Sechs Jahre lang Luxemburgisch gelernt

José Vaz do Rio wohnt seit 28 Jahren in Gilsdorf, Ortschaft, die zur Gemeinde Bettendorf gehört. Der 61-Jährige ist seit vier Jahren in Rente, hat ehedem beim Reifenhersteller Goodyear in Colmar-Berg gearbeitet, hat drei Kinder und vier Enkelkinder. Er spricht fließend Luxemburgisch. „Ich habe sechs Jahre lang an jedem Montag von 19.30 bis 22 Uhr die Schule in Bettendorf besucht, um Luxemburgisch zu lernen. Ich verstehe die Sprache zu hundert Prozent, spreche sie zu achtzig Prozent.”

Er findet es schon wichtig, dass auch Portugiesen in Luxemburg in der Politik präsent  seien. „Es ist wichtig für die Portugiesen, sie sollten sich mehr auf die Wählerlisten eintragen.”

José Vaz do Rio ist in Vila Pouca de Aguiar geboren. Er ist Präsident von zwei Fußballvereinen: dem FC Gilsdorf, der dem Luxemburger Fußballverband angehört, und auch vom portugiesisch-luxemburgischen Fußballverein Vila Pouca de Aguiar. Dass im letztgenannten Verein nur Portugiesen spielen scheint nur normal. Doch auch im FC Gilsdorf gibt es fast nur Spieler mit portugiesischen Wurzeln.