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John Mühlen, neuer Bürgermeister von Nommern: Noch viele Projekte in der Schublade
John Mühlen wird in den kommenden sechs Jahren die Geschicke der Gemeinde Nommern leiten.

John Mühlen, neuer Bürgermeister von Nommern: Noch viele Projekte in der Schublade

Foto: Pierre Matgé
John Mühlen wird in den kommenden sechs Jahren die Geschicke der Gemeinde Nommern leiten.
Lokales 3 Min. 19.11.2017

John Mühlen, neuer Bürgermeister von Nommern: Noch viele Projekte in der Schublade

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Nommern ist eine kleine, ländliche Gemeinde, die vor allem mit der Natur punktet. Als eine der "Verlierergemeinden" der Gemeindefinanzreform, muss die Kommune jährlich mit bis zu 400.000 Euro weniger auskommen.

Von Rita Ruppert

Nommern ist eine von der Landwirtschaft und der Natur geprägte Gemeinde. Ruhig und friedvoll geht es in den fünf Ortschaften zu. Auch wenn sich die Kommune finanziell keine großen Sprünge erlauben kann, stehen die Genehmigung und Verwirklichung einiger Vorhaben an.

John Mühlen war in der vergangenen Amtsperiode Schöffe unter Bürgermeister Marc Eicher, der bei den Wahlen am 8. Oktober nicht mehr kandidiert hatte. Jetzt ist er als Gemeindeoberhaupt der Ansprechpartner für die kommenden sechs Jahre. „In den ersten Tagen habe ich bereits gemerkt, dass ich jetzt mehr Verantwortung trage. Man ist mehr gefordert, muss Fragen beantworten. Es ist schon ein Unterschied“, sagt der 55-jährige pensionierte Lokführer.

Den Kindern eine gute Schulausbildung, den Erwachsenen so viel Lebensqualität wie möglich zu bieten: Das sind laut John Mühlen die Herausforderungen in der Gemeinde Nommern.
Den Kindern eine gute Schulausbildung, den Erwachsenen so viel Lebensqualität wie möglich zu bieten: Das sind laut John Mühlen die Herausforderungen in der Gemeinde Nommern.
Foto: Pierre Matgé

„Nommern ist eine kleine, ländlich geprägte Gemeinde. Wir versuchen, den Bürgern den bestmöglichen Service zu bieten: Den Kindern eine gute Schulausbildung, den Erwachsenen so viel Lebensqualität wie möglich“, beschreibt Mühlen kurz und knapp die Herausforderungen in der 1.400-Einwohner-Kommune, erwähnt aber auch, dass es auf dem Land Nachteile in puncto Mobilität gibt.

Weniger Zuschüsse nach Gemeindefinanzreform

Eine gewisse Schwierigkeit stellt der Gemeindehaushalt dar. Durch die Finanzreform büßt die Gemeinde Nommern zehn Prozent ihres Budgets ein, das heißt jährlich  300.000 bis 400.000 Euro an staatlichen Zuschüssen fehlen in der Gemeindekasse. Um trotzdem über die Runden zu kommen und den Bürgern den gleichen Service wie bisher anbieten zu können, müssen laut Mühlen neue Geldquellen ausfindig gemacht werden.

Sowohl eine kleine Handwerkerzone als auch eine gemeinsame Aktivitätszone mit der Gemeinde Fischbach waren von den Behörden abgelehnt worden. Mühlen hegt trotzdem die Hoffnung, dass sich noch eine Möglichkeit ergeben könnte. Eine andere Lösung wäre eine noch bessere Organisation der kommunalen Dienststellen.

Die Gemeindeverantwortlichen müssen lernen, mit weniger staatlichen Zuschüssen auszukommen.
Die Gemeindeverantwortlichen müssen lernen, mit weniger staatlichen Zuschüssen auszukommen.
Foto: Pierre Matgé

Große finanzielle Sprünge wird die Gemeinde sich also nicht erlauben können. Dabei liegen etliche Projekte fertig in der Schublade. Was fehlt, ist die Genehmigung durch den neuen Gemeinderat. Zu den Vorhaben zählen unter anderem die Sanierung der Wasserquelle in Glabach und der Bau eines Regenüberlaufbeckens in Schrondweiler.

Sicherheit für Trockenperioden dank Vernetzung

Bei der Verknüpfung der Wassernetze der Gemeinden Fischbach, Fels und Nommern, ist Fischbach federführend. Durch die Umsetzung dieses Vorhabens wird die Versorgungssicherheit erhöht. Laut Mühlen arbeitet die Gemeinde Fischbach derzeit den Ausführungsplan aus: „Damit erhalten wir eine gewisse Sicherheit für trockene Sommer und die Möglichkeit, uns später – bei Bedarf – an die SEBES anzuschließen.

Ein weiteres Vorhaben betrifft den Bau eines neuen Gemeindeateliers. Eine Vereinbarung zwecks Grundstückstausch mit dem Eigentümer ist schon unter-schrieben worden. Liegt die Genehmigung des Umweltministeriums vor, wird der Tauschvertrag unterschrieben. „Ein neues Atelier ist dringend notwendig, die derzeitige Unterbringung in Schrondweiler ist einfach zu klein. Wir haben schon einen Architekten und ein Büro für Landschaftsplanung mit der Planung beauftragt, weil das Grundstück in einer Grünzone liegt und das Gebäude sich bestmöglich in die Umgebung einfügen muss“, erklärt Mühlen.

John Mühlen ist auch als Mediator in seiner Gemeinde gefordert.
John Mühlen ist auch als Mediator in seiner Gemeinde gefordert.
Foto: Pierre Matgé

Apropos Grün: Stolz ist der Bürgermeister darauf, dass in der Gemeinde erneuerbare Energie produziert wird, sogar mehr als sie verbraucht. Mittels einer privaten Biogasanlage, Fotovoltaikanlagen und Hydroelektrik auf der Alzette werden 5,3 Millionen Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Deshalb ist Mühlen überzeugt, dass die Gemeinde in puncto Klimapakt viel Potenzial hat: „Die Gemeinde hat noch immer in diese Richtung hin gearbeitet.“

Stolz weist er in diesem Zusammenhang auch auf die Holzhackschnitzelanlage hin, die das Rathaus, die „Maison relais“, die Schule und die Kirche heizt sowie die gute Isolierung der gemeindeeigenen Gebäude. Wenn die Gemeindebediensteten die Bestandsaufnahme beendet haben, geht es an die Festlegung der Klimapaktziele.

Noch nicht geklärt ist, welcher neuen Bestimmung die Kirche von Schrondweiler eventuell zugeführt wird. „Vielleicht könnte eine Bibliothek dort eingerichtet werden“, meint Mühlen. Und: „Wenn man jetzt in einer Kirche, wo sich viele Menschen treffen, eine Bibliothek einrichten würde, wäre an der ursprünglichen Idee nicht viel geändert.“ Über den neuen Zweck gebe es viele Gerüchte, aber keine konkreten Pläne.

Das Gemeindeoberhaupt als Mediator

Als Bürgermeister sieht sich Mühlen als Mediator zwischen den alteingesessenen Einwohnern und den Neuankömmlingen gefordert: „Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse.“ Und erklärt: „In unserer Gemeinde sind noch viele Landwirte tätig, die rasch mit ihren Arbeitsmaschinen auf den Acker fahren möchten. Die ,Neuen‘ hingegen wollen in Ruhe in der Natur spazieren gehen. Die einen wünschen sich einen Radweg, die anderen haben das Grundstück dazu.“ Mühlens Wunsch ist es, dass die Leute miteinander anstatt übereinander reden.