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„Jeder ist berufen, auf die Liebe Gottes zu antworten“
Lokales 2 Min. 12.07.2014 Aus unserem online-Archiv

„Jeder ist berufen, auf die Liebe Gottes zu antworten“

„Jeder ist berufen, auf die Liebe Gottes zu antworten“

Teddy Jaans
Lokales 2 Min. 12.07.2014 Aus unserem online-Archiv

„Jeder ist berufen, auf die Liebe Gottes zu antworten“

Der in Tours zum Priester geweihte Theologe und Naturwissenschaftler zelebrierte seine erste Eucharistiefeier in Belair

(MJ) - Am vergangenen Sonntag feierte Frère Marc Bellion OP seine Primiz in der Kirche Pius X. Seit vielen Jahren ist der Luxemburger in seiner Heimatpfarrei aktiv. Sein Weg führte ihn von Belair nach Frankreich, wo er dem Predigerorden angehört.

„Jeder ist berufen, auf die Liebe Gottes zu antworten. Diese Antwort geschieht im Dienst am Nächsten. Für mich stellte sich stets die Frage, wie dieser Dienst in meinem Leben aussehen könnte. Deshalb entschied ich mich, in die Gemeinschaft der Dominikaner einzutreten“, so Marc Bellion einen Tag nach seiner Primiz gegenüber unserer Zeitung.

Interessanterweise hat sich der heute 38-jährige Geistliche für einen apostolischen Orden entschieden, der in Luxemburg längst nicht mehr ansässig ist und dennoch einst das Luxemburger Stadtbild prägte – im Dominikanerkonvent auf dem Fischmarkt wurde das Rosenkranzgebet eingeführt. „Ich habe mich im Internet über das Leben und das Wirken des vom heiligen Dominikus am Anfang des 13. Jahrhunderts gegründeten Ordens informiert.

Diese Form der Gemeinschaft hat mich angesprochen“, unterstreicht Marc Bellion, der auch die Lebendigkeit des Predigerordens in Frankreich hervorhebt. Der am 29. Juni in der Kathedrale von Tours zum Priester geweihte Luxemburger erläutert die vier Grundsäulen - Gemeinschaft, Liturgie, Studium und Verkündigung –  des Dominikanerordens, wo die Brüder nicht in Klausur leben.

Die Dominikaner kennen auch nicht die „Stabilitas loci“, die Ortsgebundenheit, und bleiben in der Regel acht Jahre an einem Standort. „Die Hierarchie des Ordens lässt jedem Bruder eine gewisse Freiheit“, betont Marc Bellion.

„Wissenschaftliche Theorie und christlicher Glaube schließen sich nicht aus“

Hinzu kommt, dass die Dominikaner Thomas von Aquin und Albertus Magnus wichtige Orientierungshilfen für den studierten Naturwissenschaftler und Theologen auf seinem Weg zur ewigen Profess waren.  Beim Naturwissenschaftler und Dominikaner Albertus Magnus (um 1200-1280) fühlt Marc Bellion sich überhaupt gut aufgehoben.

„Ich möchte zeigen, dass Naturwissenschaft und Theologie durchaus kompatibel sind. Wissenschaftliche Theorie und christlicher Glaube schließen sich nicht aus, wenn man Observation und Interpretation nicht miteinander vermischt“, so der promovierte Biologe und Chemiker Marc Bellion.

„Man wird nicht schizophren, wenn man Naturwissenschaft und Theologie ausübt“, so der Luxemburger in seinem Zeugnis. Dompropst Georges Hellinghausen sprach in seiner Ansprache anlässlich der Primizfeier von einer „Chance, Naturwissenschaft und Theologie im selben Prisma zu sehen“.

In seinem Plädoyer für das 
Ordensleben bejaht Marc Bellion die Schönheit des apostolischen Dienstes der Dominikaner. Auch spricht der Luxemburger stets vom Orden als seine Familie. Anlässlich eines neunmonatigen Aufenthalts in Peru, wo Marc Bellion Anfang dieses Jahres zum Diakon geweiht wurde, hatte er das Gefühl, zu sich nach Hause zu kommen, als er bei den dort ansässigen Dominikanern weilte. „Der Dominikanerorden ist ein Netzwerk.“

Auf die sozialen Kommunikationsmittel angesprochen, die bei den Dominikanern eine wesentliche Rolle in der Verkündigung spielen, bescheinigt Frère Marc Bellion: „Wir haben eine gewisse Kreativität in diesen Medien, um nicht das Schlusslicht zu bilden.“ Kreativ sind die Dominikaner – immerhin initiierte Frère Aimon-Marie Roguet 1936 die erste wöchentliche im Rundfunk übertragene Krankenmesse aus dem Großherzogtum.

Der Luxemburger Neupriester freut sich auf sein neues Aufgabengebiet in Nancy, wo er u. a. in der Gefängnisseelsorge aktiv sein wird.