Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Jeder handelte auf eigene Faust"
Lokales 2 Min. 03.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Prozess um nigerianisches Dealernetzwerk

"Jeder handelte auf eigene Faust"

Im Oktober 2015 hatte die Polizei in Wasserbillig zugegriffen.
Prozess um nigerianisches Dealernetzwerk

"Jeder handelte auf eigene Faust"

Im Oktober 2015 hatte die Polizei in Wasserbillig zugegriffen.
Foto: Chris Karaba/LW-Archiv
Lokales 2 Min. 03.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Prozess um nigerianisches Dealernetzwerk

"Jeder handelte auf eigene Faust"

Sophie HERMES
Sophie HERMES
In der dritten Woche im Prozess gegen einen nigerianischen Drogenring kamen die Anwälte der Angeklagten zu Wort. Diese forderten einen Freispruch für die Hauptbeschuldigten Joseph E. und Becky T.

(SH) - In der dritten Woche im Prozess gegen einen nigerianischen Drogenring kamen die Anwälte der Angeklagten zu Wort. Nachdem die Hauptbeschuldigten Joseph E., der als "Pate" des Dealerrings gilt, und Becky T., Geliebte von Joseph E. und mutmaßliche Verwalterin des Hauses mit dem Codenamen "G33" in Wasserbillig, zuvor jegliche Vorwürfe abgestritten hatten, wundert es kaum, dass ihre Anwälte einen Freispruch forderten.

Joseph E. und Becky T. müssen sich gemeinsam mit dem mutmaßlichen Drogenimporteur Victor N. alias "Paul Henry" sowie 18 Straßenhändlern vor Gericht verantworten, nachdem ein Sondereinsatzkommando der Polizei am 27. Oktober 2015 im Haus in Wasserbillig zugeschlagen hatte. Den Ermittlern zufolge soll das nigerianische Drogennetzwerk vom Quartier in Wasserbillig aus jahrelang einen florierenden Handel im Bahnhofsviertel organisiert haben.

Unmoralisches Vorgehen, aber kein Drogenhandel

Sein Mandant habe sich lediglich in das Haus in Wasserbillig begeben, um seine Geliebte zu sehen, erklärte Maître Stéphane Pelzer, Anwalt von Joseph E.. Er habe von der Mittellosigkeit anderer Personen profitiert und das Haus in Wasserbillig so eingerichtet, dass so viele Menschen wie möglich dort schlafen können. Dies sei sicherlich unmoralisch und strafbar. Aber es habe nichts mit einem organisierten Drogenhandel zu tun.

Als Beweis hierfür führte er an, dass den Ermittlern zufolge bis zu 100 Menschen pro Nacht im Haus in Wasserbillig unterkamen. Auf der Anklagebank würden deren jedoch nur 21 sitzen. Wäre der Drogenhandel von dort aus organisiert worden, hätte er wohl kaum 80 Personen dort schlafen lassen, die mit Drogen nicht zu tun hatten. Denn das Risiko, dass diese Wind davon bekommen hätten und den Ring verraten hätten, wäre viel zu hoch gewesen. Deshalb sei sein Mandant freizusprechen.

Gleiches forderte der Anwalt von Becky T., der anführte, dass konkrete Beweise gegen seine Mandantin fehlten. Vielmehr hätten sie und Joseph E. die Polizei mehrmals nach Wasserbillig gerufen, nachdem sie mitbekommen hätten, dass Drogen im Umlauf waren.

Keine kriminelle Vereinigung

Der mutmaßliche Importeur Victor N. sei immerhin vom Tatbestand der kriminellen Vereinigung freizusprechen. Sein Mandant habe den Verkauf von Drogen nicht abgestritten, erklärte Maître Tom Hansen, auch wenn er betonte, dass die Quantitäten von den Ermittlern falsch berechnet worden seien. Es sei jedoch zu keinem Moment bewiesen worden, dass er telefonischen Kontakt zu Joseph E. hatte. "Jeder handelte auf seine eigene Faust", teilte Maître Tom Hansen die Meinung der Anwälte der Straßenverkäufer.

Der Prozess wird am Dienstagmorgen fortgesetzt. Dann hat die Vertreterin der Staatsanwaltschaft das Wort.




Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Prozess um nigerianisches Dealernetzwerk
Behält das Gericht den strafverschärfenden Tatbestand der kriminellen Vereinigung zurück, sind Haftstrafen von 15 bis 20 Jahren möglich.
Das nigerianische Netzwerk ist noch nicht zerschlagen. Die Bande hat allerdings ihre Vorgehensweise geändert und ihre Aktivitäten verlagert.
Prozess um nigerianisches Drogennetzwerk
Rund um die Uhr betrieb das nigerianische Drogennetzwerk jahrelang einen florierenden Handel im Bahnhofsviertel und das in aller Öffentlichkeit. Da die Bande ihr Aktionsgebiet quasi hermetisch abgeschirmt hatte, legte sich die Polizei mit der Videokamera auf die Lauer.
18.11.Gare /  rue Joseph Junck / Fokus Drogenhandel Foto:Guy Jallay
Prozess um nigerianisches Drogennetzwerk
Joseph E. habe als Hintermann des Drogenhauses "G33" in Wasserbillig eine verschworene Gemeinschaft geschaffen, die von seiner Geliebten Bekky T. nach strengen Regeln kontrolliert wurde. Das sagten Ermittler am Freitag vor der Strafkammer aus.
Die Hygienebedingungen im Haus "G33" werden von den Ermittlern als katastrophal geschildert.
Prozess um nigerianisches Drogennetzwerk
Kontrollpunkte im Bahnhofsviertel, menschenunwürdige Lebensbedingungen im Drogenhaus, strikte Regeln und sehr viel Geld: Am dritten Verhandlungstag offenbaren Ermittler das Innenleben des Wasserbilliger Drogenbunkers.
Zwölf der 18 angeklagten Dealer sind bereits in anderen europäischen Ländern wegen Drogenhandels veruteilt worden.
Prozess um nigerianisches Rauschgiftnetzwerk
Sie haben nur allesamt sehr wenig Drogen verkauft, kennen ihre Zwischenhändler nicht und über den Drogenhandel in Luxemburg wissen die Angeklagten auch nichts. Das war der Grundtenor des zweiten Verhandlungstags um das nigerianische Dealernetzwerk.
Beim Untersuchungsrichter gesprächiger: Am Mittwoch wollte kaum jemand etwas mehr zu den Aktivitäten im Drogenhaus „G33“ sagen.
Prozess um Wasserbilliger Drogenhaus
Er ist ein geschäftstüchtiger Wohltäter, sie handelte aus Liebe und wusste von nichts. Beim Prozessauftakt um das Drogenhaus in Wasserbillig standen am Dienstag der mutmaßliche "Pate" des Dealerrings und seine Geliebte im Fokus.
Die 21 Angeklagten werden im Gerichtssaal und auf der Fahrt von und nach Schrassig von zwei Mannschaften von jeweils rund 20 Polizisten bewacht.
Serie: Brennpunkt Bahnhofsviertel
Im Prozess um das nigerianische Drogennetzwerk im hauptstädtischen Bahnhofsviertel, der am Dienstagvormittag beginnt, sticht ein Angeklagter besonders hervor.
18.11.Gare / Cafe 2000 an Cafe Nice rue Joseph Junck an rue Strasbourg / Fokus Drogenhandel Foto:Guy Jallay
Brennpunkt Wasserbillig
Kommende Woche wird 21 mutmaßlichen Mitgliedern des bedeutendsten Drogennetzwerks aus dem hauptstädtischen Bahnhofsviertel der Prozess gemacht. Die Bande hatte ein regelrechtes Operationszentrum in Wasserbillig betrieben.
Opération coup de poing par la Police ainsi que la Douane à Wasserbillig, le 27 Octobre 2015. Photo: Chris Karaba