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Jakobs-Kreuzkraut: Gelb und giftig
Lokales 4 Min. 16.08.2016 Aus unserem online-Archiv

Jakobs-Kreuzkraut: Gelb und giftig

Das Jakobs-Kreuzkraut: ernsthafte Bedrohung oder überschätzte Gefahr?

Jakobs-Kreuzkraut: Gelb und giftig

Das Jakobs-Kreuzkraut: ernsthafte Bedrohung oder überschätzte Gefahr?
Foto: LW-Archiv
Lokales 4 Min. 16.08.2016 Aus unserem online-Archiv

Jakobs-Kreuzkraut: Gelb und giftig

Michel THIEL
Michel THIEL
Jakobs-Kreuzkraut gilt als Gefahr für Weidetiere und ist auch für den Menschen gefährlich. Trotzdem ist die Pflanze, die sich derzeit stark ausbreitet, ein wichtiges Element unserer natürlichen Biotope.

(mth) -  Immer häufiger sieht man sie an Straßenrändern: eine krautige, bis zu einen Meter hohe Pflanze mit auffälligen hellgelben Blüten, rötlich-grünen Stängeln und gefiederten Blättern, die oft in mehr oder weniger großen Beständen an Wegrändern sowie auf Wiesen und Weiden zu finden ist.

Es handelt sich dabei um das Jakobs-Kreuzkraut (Senecio Jacobaea), auch bekannt als Jakobs-Greiskraut, auf Luxemburgisch „Jakobsstaf“ oder „Jakobsblumm“. Zum Problem kann das anspruchslose und eigentlich nicht unschöne Unkraut, das meist zwischen Juli und Oktober blüht, dann werden, wenn es von Weidetieren gefressen wird oder über Umwege in die menschliche Nahrungskette gelangt.

Hochgiftig und potenziell krebserregend

Denn das Jakobs-Kreuzkraut sowie einige ihrer engen Verwandten enthalten Dutzende sogenannter Pyrrolizidinalkaloide, chemische Substanzen, die in der Leber der meisten Säugetiere zu hochgefährlichen Stoffwechselprodukten umgewandelt werden. Diese können in hohen Dosierungen entweder akut toxisch wirken und den Tod durch Leberversagen hervorrufen oder in geringeren Mengen schwere chronische Leberschäden hervorrufen.

Manche der Giftstoffe können zudem die DNS schädigen und Krebs hervorrufen. Die tödliche Dosis liegt bei 40 bis 80 Gramm Pflanzenmaterial je Kilogramm Körpergewicht, wobei die Blüten besonders hohe Konzentrationen an Giftstoffen aufweisen. Pferde und Rinder sind am empfindlichsten auf das giftige Kraut, doch auch Ziegen und Schafe können der Pflanze zum Opfer fallen. Kaninchen dagegen sind immun gegen die Alkaloide, möglicherweise, weil sie im Verdauungstrakt abgebaut werden, bevor sie in die Leber gelangen können.

Vergiftungen selten

Da das widerlich riechende und bitter schmeckende Kraut vom Vieh normalerweise gemieden wird, sind Vergiftungen jedoch selten – normalerweise werden nur gemähte und getrocknete Pflanzen, die aus Unachtsamkeit mit dem Heu vermischt wurden, aufgenommen, da diese ihre Bitterstoffe verlieren, aber trotzdem giftig bleiben. Selbst geringe Mengen an Pflanzenmaterial können jedoch auf Dauer zu chronischen Leberschäden führen – auch beim Menschen.

Untersuchungen im Ausland haben zudem ergeben, dass in manchen Kräutertees oder Honigsorten geringe, aber messbare Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden vorkommen können. Auch gab es Fälle, in denen sich aus Unachtsamkeit einzelne Blätter des Jakobs-Kreuzkrauts in fertig verpackten Salatmischungen wiederfand. Unter normalen Umständen stellt dies kaum ein Problem dar, aber der Konsum sehr großer Mengen derart kontaminierter Lebensmittel kann durchaus zu gesundheitlichen Problemen führen.

Aus diesem Grund kontrollieren manche Länder wie etwa Großbritannien die Ausbreitung der Pflanze im Umfeld landwirtschaftlicher Nutzflächen sehr streng. Luxemburger Landwirte sind im Rahmen der sogenannten „Cross Compliance“-Bestimmungen, die in der Landwirtschaft die Einhaltung bestimmter Umweltstandards sicherstellen sollen, dazu verpflichtet, das Jakobs-Kreuzkraut auf Weiden und anderen Nutzflächen zu bekämpfen.

Ausreißen und fachgerecht entsorgen

Dies darf allerdings nicht mit Herbiziden, sondern nur mit rein mechanischen Methoden passieren, also durch Mähen, Mulchen oder Ausreißen. Da die Pflanze sich aus dem verbleibenden Wurzelstock vegetativ erneuern kann, ist letztere Methode am nachhaltigsten, allerdings auch am arbeitsaufwendigsten.

In einer Broschüre der Natur- und Forstverwaltung zum Jakobs-Kreuzkraut, die an Landwirte verteilt wird, wird die anschließende Verbrennung der ausgerissenen Pflanze empfohlen, um eine Verteilung der Samen zu vermeiden – eine Praxis, die seit vergangenem Februar allerdings mit einer Geldstrafe geahndet wird, wie Jan Herr von der Naturverwaltung bestätigt: „Die Broschüre wurde vor dem Verbot ausgearbeitet. Wir empfehlen mittlerweile, das Pflanzenmaterial an einer dafür vorgesehenen Annahmestelle für Grünschnitt zu entsorgen oder zu einer geeigneten Biogasanlage zu bringen“.

Sowohl die Naturverwaltung als auch die Umweltorganisation „Natur & Emwelt“ weisen jedoch auch darauf hin, dass eine undifferenzierte Bekämpfung des Jakobs-Kreuzkrauts außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen nicht nur überflüssig, sondern auch ökologisch höchst schädlich wäre.

Eine wichtige ökologischer Nische

Im Gegensatz zum berüchtigten Riesenbärenklau handelt es sich bei der „Jakobsblumm“ nicht um einen schädlichen Neophyten, sondern um eine einheimische Pflanze, die seit jeher in unserer Gegend vorkommt und eine wichtige Rolle im Ökosystem besitzt: Rund 170 Insektenarten nutzen die Giftpflanze als Futter und Pollenquelle oder besuchen diese zur Fortpflanzung.

Einige davon, wie die Raupe des Jakobs-Kreuzbärs, eines Schmetterlings, oder die Kreuzkraut-Saatfliege, ernähren sich sogar ausschließlich vom „Jakobsstaf“. Dass sich die umstrittene Pflanze in den vergangenen Jahren in Luxemburg stärker ausgebreitet hat als zuvor, weiß man auch bei der Natur- und Forstverwaltung: „Die Pflanze kommt aufgrund zahlreicher Faktoren heute häufiger vor als früher. Wir nehmen an, dass dies mit dem Klimawandel und der extensiven Nutzung von Weideland zusammenhängt“.

Dass die fortschreitende Verbreitung des Jakobs-Kreuzkrauts mit der Spätmahd („Fauchage tardif“) zusammenhängen könnte, wie mancherorts vermutet wird, hält Herr für unzutreffend: „Im Prinzip werden bei einer richtig durchgeführten Spätmahd die Pflanzen gemäht, bevor sie Samen produzieren können“.

Ein weiterer Aspekt, der im Rahmen der gefühlten „Invasion“ des Jakobs-Kreuzkrauts nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist, dass die Pflanze oft mit ähnlichen Pflanzen verwechselt wird, die in Luxemburg ebenfalls sehr verbreitet sind. So besitzen das Johanniskraut, der Rainfarn, der Wiesenbocksbart und der Wiesen-Pippau alle gelbe Blüten und eine vergleichbare Gestalt wie die Giftpflanze, doch sind sie völlig harmlos. Dabei ist das Kraut leicht an seinen Blüten erkennbar, die in der Regel 13 Blütenblätter besitzen.