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Jahresbilanz der Atomzentrale Cattenom: Kein Ende der Laufzeit in Sicht
Lokales 2 Min. 10.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Jahresbilanz der Atomzentrale Cattenom: Kein Ende der Laufzeit in Sicht

Die EDF will Cattenom auch nach 40 Jahren weiter betreiben.

Jahresbilanz der Atomzentrale Cattenom: Kein Ende der Laufzeit in Sicht

Die EDF will Cattenom auch nach 40 Jahren weiter betreiben.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 10.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Jahresbilanz der Atomzentrale Cattenom: Kein Ende der Laufzeit in Sicht

Jacques GANSER
Jacques GANSER
31,2 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden 2016 in der Atomzentrale in Cattenom produziert. Der Betreiber EDF investiert zurzeit enorme Summen in die Laufzeitverlängerung des Kraftwerkes.

Von Jacques Ganser

Bilanzpressekonferenzen in Cattenom folgen meist einer ganz speziellen Choreografie: französische Journalisten fragen nach Ausbildungsmöglichkeiten für Studenten und nach regionalen Investitionsplänen. Bei den luxemburgischen und deutschen Presseleuten wird der Ton dann eindeutig unfreundlicher: Wie steht es mit der Sicherheit? Was hält man von den Forderungen der Nachbarländern, die Zentrale sofort zu schliessen? Was hat es mit den vielen Bränden auf sich?

Deutlicher könnten kulturelle Unterschiede in Sachen Atomenergie kaum hervortreten. „Hören Sie, ich bin Direktor einer Atomzentrale und nicht Politiker“, antwortet Thierry Rosso dann etwas gequält freundlich. „Dieses Land hat sich für Atomenergie entschieden, andere Länder haben andere Entscheidungen getroffen, unsere Aufgabe ist es, Strom herzustellen und dabei die höchsten Sicherheitsstandards einzuhalten.“

Fotokopierer in Flammen

Da nervt es natürlich besonders, dass die gesamte geladene Presse an den verkohlten Überresten des Bürokomplexes vorbeifahren muss. Am 31. Januar wurde die lokale Feuerwehr alarmiert, drei Stunden lang kämpfte sie gegen die Flammen. Mit dem nuklearen Teil hat dieser Containerkomplex zwar überhaupt nichts zu tun, trotzdem gab es nachher Kritik wegen mangelnder Brandschutzkultur. Und die sollte auf dem gesamten Betriebsgelände eigentlich groß geschrieben werden.

„Ein Fotokopierer“, so Rosso in lakonischem Unterton. “Es war ersten Untersuchungen zufolge ein Fotokopierer, der nachts in den Büroräumen überhitzte und den Brand auslöste. So ewas kann überall passieren.“

Viel Geld für die Zukunft

Beruhigen müssen solche Infos trotzdem nicht. Offiziell gemeldete Zwischenfälle gab es in Cattenom im Lauf des Jahres 2016 übrigens insgesamt 63. Die meisten davon waren nur leichte Abweichungen der untersten von insgesamt sieben Kategorien, sechs entsprachen der ersten Stufe und fallen in die Kategorie Anomalie. Aber die Betreiber der Atomzentrale haben nicht nur für schlechte Nachrichten gesorgt, sie haben 2016 auch ordentlich Strom produziert.

31,2 Milliarden Kilowattstunden waren es insgesamt, das sind 75 Prozent des Gesamtverbrauchs der Region „Grand Est“. 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden dabei im Vergleich zu herkömmlicher Stromproduktion eingespart. Zugleich arbeiten 1379 Angestellte in der Zentrale, hinzu gesellen sich 500 Angestellte von externen Dienstleistern. In der strukturschwachen Randregion Frankreichs ist die EDF deshalb ein ebenso einflussreicher wie auch beliebter Wirtschaftsfaktor.

Seit der Ankündigung des Betreibers EDF im Dezember 2016, die Laufzeit auf mehr als 40 Jahre zu verlängern, stehen in Cattenom größere Investitionen an. Letztes Jahr erst wurde die 10-Jahresinspektion des 30 Jahre alten Reaktors Nummer eins abgeschlossen.

Mehr als 40 Jahre

Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN hat die Genehmigung gegeben, ihn weiter zu betreiben. Die Behörde räumte zwar ein, dass die Zahl der Pannen im Atomkraftwerk im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist und forderte Nachbesserungen bei der Sicherheit, allgemein sei der Zustand des Kraftwerks aber zufriedenstellend. „Electricité de France“ hat 100 Millionen Euro in die Modernisierung des Reaktors investiert.

Auch die anderen drei Reaktoren sollen modernisiert werden. 2018 ist die komplette Überarbeitung des Reaktors Nummer zwei in Planung. Weitere Investitionen betreffen die Umsetzung der Empfehlungen infolge des Fukushima-Unfalls sowie die Installation der neuen Notstromaggregate, welche in sämtlichen 58 französischen Kernkraftwerken nachgerüstet werden.


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Kernkraftwerk Cattenom - Photo : Pierre Matgé