Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Internationale Schule in Differdingen: Die Kunst der Mehrsprachigkeit
Das neue Lyzeumsgebäude der internationalen Schule in Differdingen soll 2020 fertiggestellt sein.

Internationale Schule in Differdingen: Die Kunst der Mehrsprachigkeit

Grafik: Bruck und Weckerle Architectes
Das neue Lyzeumsgebäude der internationalen Schule in Differdingen soll 2020 fertiggestellt sein.
Lokales 3 Min. 18.01.2016

Internationale Schule in Differdingen: Die Kunst der Mehrsprachigkeit

Wenn die Internationale Schule im September für 140 Schüler öffnet wird, soll zum ersten Mal portugiesisch in einer luxemburgischen öffentlichen Schule gelernt werden.

(na) - Bisher sei man zu sehr darauf fokussiert gewesen, das eine, ideale Bildungsmodell für Luxemburg zu finden, erklärte am Montag Bildungsminister Claude Meisch. Seiner Ansicht nach, solle man das Angebot diversifizieren, sprich verschiedene Schulmodelle anbieten.

In dieser Philosophie, und angesichts einer Rate von heute 60 Prozent Kindern, die nicht Luxemburgisch als erste Sprache haben, reiht sich das Projekt der internationalen Schule in Differdingen ein. Dabei handelt es sich im Kern um eine Grundschule und eine Sekundärschule (Lyzeum).

Keine Gebühr

Sie wird auf dem Modell der europäischen Schulen, wie es sie bereits in Kirchberg und Mamer gibt, aufgebaut. Da es sich hier aber um eine öffentliche Schule handeln wird, wird keine Studiengebühr verlangt. Dementsprechend ist sie für jeden interessierten Schüler zugänglich.

Die Qual der Sprachwahl

Anfangs muss der Schüler die Sprache wählen, in der er, mit Ausnahme der Sprachkurse, unterrichtet wird. Zur Wahl stehen Englisch und Französisch. Im Klartext, wer Englisch wählt, wird seine Mathematikübungen auf englisch durchführen müssen.

Portugiesisch im Angebot

Ab September werden die Lyzeumsklassen in der früheren "Léierbud" untergebracht. Für September 2017 soll für sie eine provisorische Struktur auf dem "Plateau du Funiculaire" errichtet werden. Ab 2020 soll dann das definitive Schulgebäude fertiggestellt sein (siehe Grafik).
Ab September werden die Lyzeumsklassen in der früheren "Léierbud" untergebracht. Für September 2017 soll für sie eine provisorische Struktur auf dem "Plateau du Funiculaire" errichtet werden. Ab 2020 soll dann das definitive Schulgebäude fertiggestellt sein (siehe Grafik).
Foto: Claude Piscitelli

Als nächstes muss sich der Schüler dann für eine erste Sprache entscheiden. Diese wird wie seine Muttersprache unterrichtet. Zur Wahl stehen neben Englisch, Französisch und Deutsch auch Portugiesisch.

"Ziel ist es, dass zum Beispiel Kinder die daheim portugiesisch sprechen, auch portugiesisch korrekt schreiben lernen und bis hin zur portugiesischen Literatur kennenlernen", erklärte Claude Meisch. Bisher seien deren Kompetenzen im portugiesischen im luxemburgischen Schulsystem nie anerkannt worden.

Man will neben den Sprachkursen aber keine anderen Fächer auf portugiesisch anbieten, erklärte Claude Meisch, denn Ziel der Schule sei auch immer die Integration in die Luxemburgische Gesellschaft.

Noch eine zweite und dritte Sprache

In der „aal Haushaltungsschoul“ sollen die Grundschulklassen provisorisch untergebracht werden. Später sollen diese eine eigene Struktur am Standort der aktuellen Hall Chiers erhalten.
In der „aal Haushaltungsschoul“ sollen die Grundschulklassen provisorisch untergebracht werden. Später sollen diese eine eigene Struktur am Standort der aktuellen Hall Chiers erhalten.
Foto: Claude Piscitelli

Nach der Wahl der ersten Sprache, muss der Schüler eine zweite, diesmal Fremdsprache aussuchen. Zur Auswahl stehen hier Englisch, Französisch und Deutsch.

Später, im Lyzeum steht dann noch eine dritte Sprache zur Auswahl: Englisch, Französisch, Deutsch oder Portugiesisch.

Und das Luxemburgische?

Luxemburgisch ist für alle, vom ersten Grundschuljahr bis zum dritten Lyzeumsjahr obligatorisch, erklärt Gérard Zens, Leiter der Abbteilung "Politique d'éducation et de la formation des adultes" im Bildungsministerium.

Außerdem wird auch je ein Kurs, wie zum Beispiel die Kunstkurse ("éducation artisitique") auf luxemburgisch unterrichtet.

Zielpopulation: alle!

Zielpopulation der internationalen Schule sind Kinder von Ausländern, die in Luxemburg arbeiten, und ein englischsprachiges Angebot suchen, wie zum Beispiel Forscher der Universität. Der Campus Belval wird übrigens nur sieben respektive zwölf Minuten Zug von der internationalen Schule liegen.

Aber auch Kinder von Immigranten mit italienischen oder portugiesischem Hintergrund dürften sich für die Struktur interessieren.

Es wird keine Quoten geben. Sollte die Nachfrage größer als das Angebot sein, wird die Schule selber entscheiden können, wen sie aufnimmt, so Meisch.

Ein "Baccalauréat européen" zum Abschluss

Wer die fünf Jahre Grundschule und sieben Jahre Lyzeum besteht, erhält ein "Baccalauréat européen", der europaweit anerkannt wird und mit einer "Première" oder "Treizième" gleichzusetzen ist.

Auch Schüler, die eine übliche Grundschule besucht haben, können in das Lyzeum. Dafür sind maximal drei Jahre "voie préparatoire" vorgesehen. Außerdem wird für Erstankömmlinge im Land eine "classe d'accueil" bestehen.

Einschreibungen im März

Im September sollen bereits neun Klassen für 140 Schüler angeboten werden. 18 Lehrkräfte sollen bis dorthin eingestellt werden. Einschreiben wird man sich zwischen dem 4. März und dem 15. März können. Mehr Informationen dazu auf der Internetseite der Schule.

Laut Claude Meisch sei die Nachfrage bereits groß. Jeden Tag klingele das Telefon im Ministerium um Informationen zum Projekt nachzufragen. Langfristig sollen 1400 Kinder die internationale Schule in Differdingen besuchen.

Erst muss das entsprechende Gesetz aber noch am Mittwoch grünes Licht von der Abgeordnetenkammer erhalten.





 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Differdingen: Differdingen hat sein Lyzeum
Am Montagmorgen haben 142 Schüler ihren Schulbeginn in der "Ecole internationale de Differdange" gemacht. Eine Schule die nicht besser, aber anders ist, so Bildungsminister Claude Meisch.
ouverture Ecole Internationale de Differdange - Differdange - 12.09.2016 © claude piscitelli
Privatschulen in Luxemburg: Öffentliche Schulen unter Zugzwang
Immer mehr Eltern melden ihre Kinder in Privatschulen an. Sie erhoffen sich eine bessere Betreuung und gute Abschlüsse. Oft ist das Sprachenangebot ausschlaggebend. Im Zuge der Internationalisierung der Schülerschaft müssen die öffentlichen Schulen sich ebenfalls neu aufstellen.
Das Angebot an internationalen Schulen hat sich in den vergangenen zehn Jahren enorm erweitert.