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Flüchtlingsheim: Sorgen, aber keine Ablehnung
Lokales 3 Min. 01.02.2016 Aus unserem online-Archiv
Informationsversammlung in Esch/Alzette

Flüchtlingsheim: Sorgen, aber keine Ablehnung

Georges Weissen, Präsident des Interessenvereins aus dem Neudorf, schlug vor auf kleinere Strukturen zurückzugreifen.
Informationsversammlung in Esch/Alzette

Flüchtlingsheim: Sorgen, aber keine Ablehnung

Georges Weissen, Präsident des Interessenvereins aus dem Neudorf, schlug vor auf kleinere Strukturen zurückzugreifen.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 01.02.2016 Aus unserem online-Archiv
Informationsversammlung in Esch/Alzette

Flüchtlingsheim: Sorgen, aber keine Ablehnung

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Viele Sorgen wurden am Montagabend im Escher Rathaus vorgetragen, richtig abgelehnt wurde das Projekt, ein Flüchtlingsheim am Quai Neudorf zu errichten, aber nicht.

(na) - Das Interesse war groß. Nicht alle der circa 200 Bürger fanden am Montagabend einen Platz im großen Saal des Escher Rathauses, um an der Informationsversammlung zum geplanten Flüchtlingsheim am Quai Neudorf teilzunehmen.

Die Einrichtung soll bis zu 300 Asylbewerber empfangen können, überwiegend Familien. Sie soll voraussichtlich Mitte 2017 eröffnen und aus einem Erdgeschoss sowie aus zwei Stockwerken bestehen.

Wohl wurden während den Stellungnahmen viele Sorgen vorgetragen, die von der Sicherheit bis zum Fassungsvermögen der Kanalisation im Neudorf reichten. Doch gab es auch manche, die sich bereit zeigten, die Flüchtlinge mit offenen Armen zu empfangen. 

Die Struktur soll am Quai Neudorf entstehen. Der Parkplatz soll allerdings bestehen bleiben.
Die Struktur soll am Quai Neudorf entstehen. Der Parkplatz soll allerdings bestehen bleiben.
Foto: Nicolas Anen

Nicht warten bis "es schief geht"

So wie ein Mann, der sich selbst als Sohn von eingereisten Italienern vorstellte und vorschlug, nicht zu warten, bis "es schief geht", sondern eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen, die sich in Kontakt mit den Flüchtlingen setzen könnte, um gemeinsame Aktivitäten zu organisieren.

Die Standortfrage

Die Sorgen, die vorgetragen wurden, hingen oft mit der Größe der Struktur und dem ausgewählten Standort zusammen. 300 Personen könnten nicht im Neudorf einfach so integriert werden, warnte Georges Weissen, Präsident des Interessenvereins aus dem Neudorf. Wohl sei man bereit Flüchtlinge zu empfangen, aber eine Zahl, die dem Viertel angepasst sei.

Dazu antwortete Innenminister Dan Kersch, dass es keine kleineren Strukturen gebe, weil in den vergangenen Jahren verpasst wurde, solche aufzubauen. Und nun habe man es mit einer Flüchtlingswelle zu tun, wie sie es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben habe.

1440 Asylbewerber in den vergangenen drei Monaten

Etwa 200 Personen haben an der Informationsversammlung teilgenommen.
Etwa 200 Personen haben an der Informationsversammlung teilgenommen.
Foto: Pierre Matgé

Alleine im November seien 800 Asylbewerber in Luxemburg angekommen. Im Dezember waren es 400 und im Januar 240. Etwa ein Viertel bis ein Drittel sei in Luxemburg nur auf der Durchreise. Doch die anderen würden hier ihren Antrag stellen. Und viele unter ihnen hätten Recht auf Asyl.

Mehrmals wiederholte Dan Kersch, dass er nichts "schön reden" wolle und dass es eine große Herausforderung für die Stadt Esch und das ganze Land werde.

Die Akzeptanz für eine Struktur liege auch nicht immer an seiner Kapazität. So sei ein Projekt für eine Struktur für 40 Personen, denen der Flüchtlingsstatut anerkannt wurde, in Bridel von Bürgern vor Gericht gestoppt worden. 

Kinder in den Schulalltag einbinden

Bürgermeisterin Vera Spautz unterstrich die Wichtigkeit, die Flüchtlingskinder in einen schulischen Alltag einzubinden.
Bürgermeisterin Vera Spautz unterstrich die Wichtigkeit, die Flüchtlingskinder in einen schulischen Alltag einzubinden.
Foto: Pierre Matgé

Zur Situation der Flüchtlingskinder erklärte Vera Spautz, dass diese direkt an der Neudorfschule unterrichtet werden sollen. Während dem ersten Jahr des Aufenthaltes besuchen die Flüchtlingskinder eigene ihnen angepasste Kurs.

Dies könnte eventuell in einem Modul an der Schule stattfinden. Es sei wichtig, den Kindern wieder einen "normalen Alltag" zu geben, denn viele seien traumatisiert nach dem, was sie erlebt haben.

Mehr Polizisten

Als die Frage nach der Sicherheit aufgeworfen wurde, gab Polizeiregionaldirektor Daniel Reiffers zu bedenken, dass seit etwa zehn Jahren ein Flüchtlingsheim in der Grand Rue bestehe, in dem zwischen 70 und 90 Männer leben. Und in dieser Zeit sei es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen.

Als die Geschehnisse der Silvesternacht in Köln angesprochen wurden, unterstrich Dan Kersch, dass die Regeln für alle gleich sein müssten. Auch unterstrich er, dass die Zahl der Polizeibeamten in den kommenden Jahren aufgestockt und in den "Brennpunkten", darunter Esch/Alzette und Differdingen, verstärkt werde.

"Stolz" auf Esch

Eine Frau erklärte, sie sei "stolz" auf ihre Gemeinde. Dies sei nun die Gelegenheit "etwas zurückzugeben", zum Beispiel dafür, dass einige unserer Vorfahren als Flüchtlinge während des Zweiten Weltkriegs in anderen Teilen der Erde aufgenommen wurden.

Details zur geplanten Struktur gab es nur wenige. Konkrete Pläne sollen während einer weiteren Versammlung, voraussichtlich 2017, veröffentlicht werden.


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