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Industriezonen unter der Lupe
Lokales 2 Min. 09.06.2020

Industriezonen unter der Lupe

So sah die Korn nach der Verschmutzung durch Löschwasser im Sommer vergangenen Jahres aus.

Industriezonen unter der Lupe

So sah die Korn nach der Verschmutzung durch Löschwasser im Sommer vergangenen Jahres aus.
Guy Wolff
Lokales 2 Min. 09.06.2020

Industriezonen unter der Lupe

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Immer wieder kommt es zu Umweltschäden, weil belastete Abwässer aus Industriezonen in die Gewässer fließen. Nun sollen sämtliche Aktivitätszonen aufwendig überprüft werden.

Gleich mehrere Vorfälle in Echternach, in Gasperich aber auch in der Industriezone Gadderscheier in Sassenheim sorgten in den letzten neun Monaten für teils erhebliche Verschmutzungen des Drosbach, der Alzette und der Korn. In einer parlamentarischen Frage der Abgeordneten François Benoy und Marc Hansen (Déi Gréng) sprechen beide Politiker von insgesamt sechs Verschmutzungen. In allen Fällen waren unzureichend funktionierende Rückhaltebecken oder fehlende Abwassersicherheitssysteme die Ursache. Die beiden Abgeordneten wollen nun von den zuständigen Ministern Carole Dieschbourg (Umwelt), Taina Bofferding (Inneres) und Franz Fayot (Wirtschaft) Erklärungen zum Ist-Zustand und zu den sich aufdrängenden Konsequenzen.

150 Kubikmeter Abwasser in der Korn

Zuletzt wurde die Korn am 10. April dieses Jahres wegen eines aus ungeklärten Gründen geöffneten Schiebers mit rund 150 Kubikmetern Abwässern belastet. Die Brühe aus Holzpartikeln, Formaldehyd, Ammoniumnitrat und anderen flüchtigen Chemikalien entwich aus einem Reinigungsbecken der Firma Kronospan, welche Holzpaletten herstellt. Der DP-Abgeordnete Gusty Graas stellt in einer weiteren parlamentarischen Frage fest, dass es hier bereits im Sommer 2019 zu einer Verschmutzung nach einem Großbrand kam. Damals wurde festgestellt, dass ein Rückhaltebecken undicht war. Trotz der damaligen Reparatur ist das Becken aber weiterhin porös und lässt Wasser absickern. In diesem präzisen Fall verweisen Umwelt- und Wirtschaftsministerium auch auf die Verantwortung des Unternehmens, welche den Schieber am Folgetag wieder schloss, ohne aber die zuständigen Behörden über den Zwischenfall zu informieren.


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Rückhaltebecken und Sicherheitsbecken

Laut beiden Ministerien erfüllt das Rückhaltebecken ohnehin nur den Zweck, sauberes oder leicht belastetes Oberflächenwasser zu sammeln und dann an die Korn weiterzuleiten. Regelrechte Abwässer muss das Unternehmen selbst fachgerecht entsorgen oder aber in speziell dafür vorgesehene Becken lagern. Die Genehmigungsprozedur für das gesetzeskonforme  Ablassen von Abwässern wurde mittlerweile in die Wege geleitet. Zudem will Kronospan durch den Bau eines eigenen Absetzbeckens eine Vorbehandlung der Abwässer. Das Becken soll 2021 fertiggestellt werden.

Nationale Bestandsaufnahme läuft

Beide Ministerien verweisen zudem auf eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes, der Rettungsdienste CGDI und des für die nationalen Industriezonen zuständigen Wirtschaftsministeriums. Diese nimmt landesweit die Abwasser- und  Rückhaltesysteme sämtlicher Aktivitätszonen, ob kommunal oder staatlich, unter die Lupe. Eine komplexe Aufgabe, denn in vielen gewachsenen Industriezonen müssen die Kanalsysteme und die einzelnen Anschlüsse erst einmal kartografiert werden. 

Verschiedene Missstände und Mängel wurden dabei bereits aufgedeckt, so die zuständigen Minister in ihrer Antwort. Oft ist es technisch nicht möglich, zentralisierte Auffangbecken für die gesamte Industriezone anzulegen. Zudem müsse man unterscheiden zwischen reinen Regenüberlaufbecken und Sicherheitsbecken, die im Notfall belastete Flüssigkeiten oder Löschwasser auffangen können. Diese fallen in den Verantwortungsbereich der einzelnen Unternehmen.      

Das CGDIS lieferte dazu Informationen was die Sicherheit und eventuell benötigte Mengen an Löschwasser betrifft. Schließlich kam es immer wieder zu Problemen, wenn solches belastetes Wasser nach Bränden nicht aufgefangen werden konnte und in den nächstbesten Bach floss.

Was die Zuständigkeiten betrifft, so müssen je nach Art der Aktivitätszone das Wirtschaftsministerium, die Gemeinden oder die Abwassersyndikate dafür Sorge tragen, dass die Infrastrukturen bestehen und instand gehalten werden.                 

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