Industriebrache Schifflingen

Jetzt kann geplant werden

Das frühere Produktionsgelände erstreckt sich auf 54 Hektare. Acht weitere sind im Besitz des "Fonds du Rail".
Das frühere Produktionsgelände erstreckt sich auf 54 Hektare. Acht weitere sind im Besitz des "Fonds du Rail".
Foto: Agora

(na) - Eins gleich vorneweg: Einen Vergnügungspark, wie vom "Luxemburger Wort" in seiner Ausgabe vom 1. April ausgedacht, wird es auf der früheren Industriebrache zwischen Esch/Alzette und Schifflingen wohl nicht geben.

Fehler des "Ban de Gasperich" vermeiden

Dafür sollen Wohnformen, Büroflächen und öffentliche Einrichtungen auf der 62 Hektar großen Fläche entstehen. Wie viele und in welcher Form, das sei derzeit noch unmöglich zu sagen: "Wir wollen das Pferd nicht von hinten aufzäumen", sagte Nachhaltigkeitsminister François Bausch am Mittwoch. Dabei verwies er auf den "Ban de Gasperich", dessen Fehler nicht wiederholt werden sollen.

In Schifflingen sollen erst einmal die technischen Möglichkeiten des Standortes erkundet werden und erst danach entschieden werden, was gebaut werden kann.

Werksgelände wird zu "Schweizer Käse"

Die Bestandsaufnahme wurde in sechs Monate erarbeitet.
Die Bestandsaufnahme wurde in sechs Monate erarbeitet.
Foto: Agora

Eine erste Etappe dieser Vorarbeit wurde jetzt abgeschlossen. Rund 100 Experten, in acht Arbeitsgruppen verteilt, haben eine Bestandsaufnahme des Standortes erarbeitet.  "Es wurden über 200 Bohrungen durchgeführt", erzählt Agora-Präsident Frank Vansteenkiste und spricht von "Schweizer Käse".

Wie den Resultaten zu entnehmen sei, gebe es nach fast 140-jähriger industrieller Tätigkeit "keine blockierende Elemente" die gegen eine Neuentwicklung sprechen würden, so Vansteenkiste.

Steuerzahler soll nicht für Sanierung aufkommen

Auch stellte er klar, dass nicht der Steuerzahler für die Sanierung des Geländes aufkommen werde. Wohl werden die Gelände, wie in Belval, zum Eigentum von Agora (eine Gesellschaft die zu 50 Prozent aus  Staat und 50 Prozent aus ArcelorMittal besteht). Doch werde der Staat kein neues Eigenkapital in die Gesellschaft fließen lassen.

Auch unterstrich er, dass die Umweltbelastung geringer als in Belval sei, weil es hier keine große Deponien gegeben habe. Außerdem habe ArcelorMittal bereits in Eigenregie eine Reihe von Sanierungsarbeiten durchgeführt.

In einer zweiten Etappe, sollen jetzt die neue Funktionen für das frühere Produktionsgelände definiert werden. Erste Pisten liefert bereits die Bestandsaufnahme, weil neben den Bodenanalysen auch Fragen nachgegangen wurde, wie die der sozial-wirtschaftlichen Lage der Region.

Größere Häuser als in Esch

Der Burgoard, im Vordergrund, grenzt ans Escher Zentrum. So dass die Anbindung, aus Escher Sicht, weniger problematisch als in Belval werden dürfte.
Der Burgoard, im Vordergrund, grenzt ans Escher Zentrum. So dass die Anbindung, aus Escher Sicht, weniger problematisch als in Belval werden dürfte.
Foto: Agora

Daraus geht zum Beispiel hervor, dass vor allem in Esch, aber auch zum Teil in Schifflingen, die Wohnungen im Durchschnitt deutlich kleiner und älter sind, als sonst im  Land. Doch Beispiele wie die Escher "Nonnewisen" oder die Schifflinger Siedlung "Op Hudelen" würden zeigen, dass mit größeren Wohnungen, auch verstärkt junge Familien angezogen werden können und eine Dynamik entstehen kann.

Ähnlich könnte demnach auch auf der früheren Brache Wohnungen größerer Kategorie errichtet werden, um zu einer besseren Mixität innerhalb der beiden Gemeinden zu führen.

Eine neue Shoppingmall soll dagegen nicht entstehen. Deren gebe es bereits genug. Dafür soll aber auf Einzelhandel gesetzt werden. In puncto wirtschaftliche Entwicklung sei es nicht sinnvoll auf großräumige Büroflächen zu setzen und damit in Konkurrenz zu Belval zu stehen, ist weiter in der Bestandsaufnahme nachzulesen. Dafür soll eher auf Nischenprodukte wie Start-ups oder kleinere Handwerksbetriebe gesetzt werden sowie auf Räumlichkeiten für Selbstständige, erklärte Vansteenkiste.

Ein "Boulevard urbain"

Zur Mobilität erklärte Frank Vansteenkiste, dass es wahrscheinlich eine Straßenachse geben wird, die in etwa das Lallinger Portal mit dem Burgoard verbinden wird. Allerdings soll dieser "Boulevard urbain" nicht zu groß werden, um nicht als Transitweg Richtung "Kayler poteau" genutzt zu werden. Langfristig soll die "Liaison de Micheville" die Umfahrt von Esch und Schifflingen ermöglichen.

Zum Transport im allgemeinen werde es "keine Tabus" geben, so François Bausch. So ist in der Bestandsaufnahme nachzulesen, dass der CR 170 (Boulevard Aloyse Meyer) der heute Lallingen mit Schifflingen verbindet, geschlossen werden könnte. Auch soll darüber nachgedacht werden, die CFL-Strecke zwischen Schifflingen und Beles neu zu organisieren, da es hier bereits sechs Haltestellen gibt. Schließlich soll auch die Möglichkeit eines Anschlusses am angedachten Superbusnetz ("Bus à haut niveau de service") studiert werden.

Weniger rigide als in Belval

Die Kühlweiher sollen in das Projekt integriert werden. Auch könnte die Alzette aus ihrem Betonbett befreit werden.
Die Kühlweiher sollen in das Projekt integriert werden. Auch könnte die Alzette aus ihrem Betonbett befreit werden.
Foto: Agora

Die Resultate dieser zweiten Phase der Analyse sollen 2018 geliefert werden. Dann wird ein Urbanistenwettbewerb organisiert werden. Innenminister Dan Kersch unterstrich in diesem Zusammenhang, dass der Masterplan  weniger "rigide" als der in Belval werden soll. "Wir geben den Gemeinden ihre Flexibilität zurück", sagte er. Anders als in Belval, sollen die beiden Gemeinden  ihren Pfefferkern dazu geben können. Das sei für ihn "von extremster Wichtigkeit".

Auch erklärte er, dass die neuen Flächennutzungspläne der beiden Gemeinden im Vorfeld abgestimmt sein müssen. Als Stichdatum vor die Erneuerung der Flächennutzungspläne aller Gemeinden gilt der 8.8.2018.

"Esch wird sich öffnen"

Die Bürgermeister aus Esch/Alzette und Schifflingen, Vera Spautz und Roland Schreiner, unterstrichen beide, wie wichtig das Projekt für ihre jeweiligen Gemeinden ist. Denn beide Gemeinden waren ans Limit ihrer Baufläche angelangt.

"Esch wird sich öffnen", so Vera Spautz. Bisher war die Stadt u.a. zwischen den Werken von Belval und Schifflingen eingekesselt. Auch unterstrich sie, dass auf Bürgerbeteiligung und Transparenz gesetzt werden soll. Die Anbindung des neues Viertels gestalte sich auch viel einfacher als im Fall von Belval, weil der Burgoard am Stadtzentrum grenzt.