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In weiß und ohne Maske
Lokales 20 4 Min. 16.10.2021
Marche blanche et silencieuse

In weiß und ohne Maske

3.000 bis 4.000 Menschen nahmen an der Marche blanche teil.
Marche blanche et silencieuse

In weiß und ohne Maske

3.000 bis 4.000 Menschen nahmen an der Marche blanche teil.
Fotos: Guy Jallay
Lokales 20 4 Min. 16.10.2021
Marche blanche et silencieuse

In weiß und ohne Maske

Jean-Philippe SCHMIT
Jean-Philippe SCHMIT
3.000 bis 4.000 Menschen haben am Freitag an der dritten Ausgabe der Marche blanche et silencieuse teilgenommen.

Große Teile der Bevölkerung erwarten sich Lockerungen bei den Coronabestimmungen. Währenddessen geht die Regierung in die entgegengesetzte Richtung und erhöht den Druck, sich gegen Covid impfen zu lassen. 

Mit dieser Politik stoßen die Gesundheitsbehörden auf zunehmenden Widerstand. Die Zahl der Teilnehmer an der sogenannten Marche blanche hat sich seit der zweiten Ausgabe mehr als verdoppelt. 


14.05.2021, Bayern, Ebersberg: Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum Ebersberg zeigt bei einem Pressetermin auf seinem Smartphone sein gültiges Covid-19 Impfzertifikat in der Oberfläche des digitalen Impfasskonzepts "aLive Digital Health Pass". Im Rahmen des Besuchs informiert sich der Minister über die Erfahrungen des Impfzentrums mit dem digitalen Impfpasskonzept "aLive Digital Health Pass". Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Eigentlich verbietet der dritte Artikel aus dem Covid-Gesetz vom 15. September 2021 jede Versammlung von Gruppen über 300 Personen. Es gibt jedoch Ausnahmen. „Die Marche blanche wurde bei der Gemeindeverwaltung angemeldet und durch diese genehmigt“, heißt es vonseiten der Polizei. Das Covid-Gesetz sieht nur eine Einschränkung vor: „Das Tragen der Maske ist obligatorisch.“ 

Diese Vorschrift wurde am Freitag tausendfach gebrochen. Sehr viele Besucher der Marche blanche kamen in Weiß und nur sehr wenige mit Maske. „Die Polizei ist für die allgemeine Sicherheit und die Wahrung der öffentlichen Ordnung zuständig“, heißt es knapp von der Pressestelle der Polizei. Das Maskengebot wurde nicht kontrolliert. 

 Verstoß gegen die Maskenpflicht 

„Die Sterblichkeitsrate der Impfung liegt über der Sterblichkeitsrate der Coviderkrankung“, behauptet der umstrittene Arzt Dr. Benoit Ochs in einem Interview mit Expressis Verbis, einer alternativen Nachrichtenseite. Die Impfung habe 40 Millionen Menschenleben gekostet. Wegen solcher und ähnlicher Aussagen steht der Mediziner aus Junglinster in der Kritik. Über ihn wurde ein einjähriges Berufsverbot verhängt. 

Mit seinen Ansichten ist Benoit Ochs aber nicht alleine. Auf den Kanälen der alternativen Medien wird er als Held gefeiert. Hier zirkulieren die krudesten Verschwörungstheorien zu dem Virus und der Impfung und hier verabredeten sich die Menschen für die Teilnahme an der Marche Blanche. 

Es waren jedoch nicht nur Querdenker und Coronaleugner, die am Freitag auf die Straße gingen. Mittlerweile gehören auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft zu den Protestteilnehmern. 

  „Ich bin nicht geimpft“  

„Ich bin nicht geimpft“, erklärt die 73-Jährige Maggie ihre Teilnahme an der Marche blanche. Der Impfstoff sei nicht ausreichend getestet worden. „Ich habe kein Vertrauen in die Impfung“. Mit der Maskenpflicht und dem CovidCheck-System kann die Dame gut leben. „Ich lasse mich testen, kein Problem“, meint Maggie. 

Lex, 52, hat die Krankheit bereits durchgestanden. „Die ganze Familie war betroffen“, sagt er. Eine Coviderkrankung sei nicht harmlos. „Es war schon heftig, aber auch nicht dramatisch.“ 

Der Grund, weshalb er und die weiteren Personen in seiner Gruppe an der Marche blanche teilnahmen, sei die Tatsache, dass sie nun, trotz Antikörpern im Blut, beim CovidCheck nicht als genesen gelten. 

Dominique, 45, ist in der gleichen Situation. „Mein Mann wurde positiv getestet“, erläutert sie. Eines ihrer Kinder erkrankte ebenfalls am Virus. „Ich selbst hatte während drei Tagen den Geruchssinn verloren“, sagt sie. Der PCR-Test sei aber negativ gewesen. 

Forderung nach 4G 

Mittlerweile sind acht Monate vergangen und Dominique hat sich auf Antikörper im Blut testen lassen. „Ich habe mehr Antikörper als eine geimpfte Person“, erklärt sie. Eine Impfung komme für sie deswegen nicht infrage. Laut CovidCheck gilt sie aber nicht als genesen und muss sich testen lassen. „Wir brauchen ein 4G“, fordert sie. „Wer nachweislich genügend Antikörper im Blut hat, sollte die gleichen Rechte haben wie eine geimpfte Person.“ 

„Das Ziel der Politik war es, dass die Betten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser frei bleiben“, sagt Philippe, 38. Da mittlerweile die älteren Mitbürger und Risikopatienten geimpft seien, sei die Zahl der Coronatoten gesunken – und damit das Ziel der Politik erreicht. „Die Maßnahmen müssten eigentlich gelockert werden“, schlussfolgert der 38-jährige Banker. 

„Ich sehe unsere Demokratie in Gefahr“, meint Nilton, 40 Jahre alt. Die Regierung setze Bestimmungen um, „ohne uns oder das Parlament zu fragen“. Er befürchtet nun, dass es zu einer Spaltung der Gesellschaft kommt. Zwischen Geimpften und Ungeimpften öffne sich ein tiefer Graben. „Diese Spaltung kann dazu führen, dass einige Bürger sich in kruden Theorien verlieren, weil sie kein Vertrauen mehr in die Regierung haben“, so Philippe. 

Protest gegen Impfpflicht

„Ich sagte schon in den 1990er-Jahren, als ich noch bei der Arbed arbeitete, dass die Globalisierung uns zum Verhängnis wird“, meinte ein weiterer Teilnehmer. Er sieht sich nun bestätigt. „Als die Blase der New Economy platzte, gab es viele BSE-Fälle. Als die Lehmanbank pleite ging, wurde das Schweinegrippe-Virus entdeckt. Bei der Eurokrise war es das H1N1-Virus und nun haben wir das Coronavirus“, erklärt der Demonstrant. „Für mich gibt es da einen eindeutigen Zusammenhang.“ 

Aussagen, die zeigen, wie unterschiedlich die Teilnehmer sind und wie weit ihre Meinungen auseinander gehen. In einem Punkt waren sich die Besucher allerdings einig: Zu einer allgemeinen Impfpflicht darf es nicht kommen. Viele Teilnehmer erklärten sich bereit, dafür ein weiteres Mal auf die Straße zu gehen.


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