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In Kansas City bei den Kleinen Schwestern vom Lamm: Ein Reisebericht der besonderen Art
Die Kleinen Schwestern bei der Arbeit.

In Kansas City bei den Kleinen Schwestern vom Lamm: Ein Reisebericht der besonderen Art

Foto: Jacqueline Galles
Die Kleinen Schwestern bei der Arbeit.
Lokales 3 Min. 27.02.2016

In Kansas City bei den Kleinen Schwestern vom Lamm: Ein Reisebericht der besonderen Art

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Auch im säkularisierten Westen gibt es junge Menschen, die bereit sind, ein Leben mit Gott zu wagen, ein Leben ohne Komfort, ganz einfach im Vertrauen auf Gott, und im Dienst ihrer Mitmenschen.

Auch in diesem, wie oft betont, vom Glauben abgefallenen, säkularisierten Westen gibt es noch junge Menschen, die bereit sind, ein Leben mit Gott zu wagen, ein Leben ohne Komfort, ganz einfach im Vertrauen auf Gott, und im Dienst ihrer Mitmenschen.

1983 wurde in Südfrankreich die „Gemeinschaft der kleinen Schwestern vom Lamm“ gegründet, „ein aus dem Stamm des Predigerordens neu hervor wachsender Zweig“. Der Predigerorden feiert 2016 sein 800-jähriges Bestehen. Der hl. Dominikus predigte das Evangelium und durchzog das Land als Bettler, um so zu zeigen, wie Gott um die Liebe der Menschen bettelt. Ursprung der Gründung der Gemeinschaft vom Lamm war der Ruf, zu diesen Anfängen zurückzukehren.

Die kleinen Schwestern führen ein Leben in Gemeinschaft und lernen so, in Nächstenliebe zusammen zu leben. Das tägliche „Schuldenkapitel“ erlaubt ihnen, einander um Vergebung zu bitten und einen neuen Anfang miteinander zu machen. Die Devise der Gemeinschaft vom Lamm heißt: „Auch wenn ich verletzt bin, werde ich nie aufhören zu lieben.“ Eigentlich ist die Gemeinschaft vom Lamm eine kontemplative Gemeinschaft. Das Stundengebet ist sehr ausgedehnt und hat als Schwerpunkt das Tagesevangelium. Im Evangelium begegnen die Schwestern Jesus und lassen ihn zu ihren Herzen reden und ihr Leben umwandeln.

Andererseits sind sie als Dominikanerinnen dazu berufen, das Evangelium zu verkünden. So leben die kleinen Schwestern als Arme mitten unter den Armen. In den gut 30 Jahren ihres Bestehens hat sich die Gemeinschaft ausgebreitet und zählt nun etwa 160 Schwestern in neun verschiedenen Ländern in Europa und Amerika. Drei kleine Schwestern sind gebürtige Luxemburgerinnen. Es entstand auch ein Zweig von Brüdern, die getrennt von den Schwestern dasselbe Leben führen.

Lumen Christi

Wir – eine kleine Gruppe – durften kürzlich die Schwestern in den USA besuchen. In Kansas City KS, genauer gesagt. Dort wohnen in einem sehr armen Viertel mit 60 Prozent mexikanischen, aber auch amerikanischen und 
asiatischen Familien, mit Drogenabhängigen und sogenannten „Gangs“, sieben kleine Schwestern und zwei Postulantinnen in ihrem von Spenden neu erbauten „kleinen Kloster“ mit Namen „Lumen Christi“. „Seit die Schwestern hier wohnen, hat sich das Viertel verändert“, haben uns mehrere Leute gesagt. Die Schwestern öffnen ihre Kapelle für die Liturgien, vom Morgengebet, den Laudes, bis zur Komplet am Abend: Wer teilnehmen will, ist immer willkommen.

Wir trafen Ph., einen jungen Drogenabhängigen aus dem Laos, der über Thailand in die USA kam. Die Schwestern begleiteten Ph. über lange Zeit. In ihrer Kapelle hat er die Liebe Jesu ganz persönlich erfahren. Heute ist er frei von Drogen, hat wieder Arbeit, und kann seine Mutter und seinen Bruder unterstützen. Er bereitet sich jetzt auf die Taufe vor. Eines Abends kam er zur Komplet. Wir wollten uns gerade verabschieden und schlafen gehen. „Nein, nein“, sagte Ph., „jetzt Gebet!“; und er zog uns mit in die Kapelle.

Mission als Arbeit

Die Schwestern gehen keiner bezahlten Arbeit nach. Ihre Arbeit ist die Mission, die Verkündigung des Evangeliums, das Zeugnis für Jesus. Sie leben von dem, was die Leute ihnen bringen oder was sie erbetteln. Oft essen sie auch mit den Armen und Obdachlosen in der Suppenküche. Einmal fragten mich die Schwestern: „Willst du mit uns zum Betteln kommen?“ Wir zogen also zu dritt los: zwei Schwestern und ich. Unterwegs beteten wir beim Gehen Rosenkranz und vertrauten diese Mission der Muttergottes an. Dann begannen wir, an den Haustüren zu klingeln, um um etwas zu essen zu bitten. (Die kleinen Schwestern betteln nicht um Geld.)

Eine der Schwestern erklärte einer Frau auf der Straße, warum wir unterwegs waren, und sie sagte: „Ja, kommt doch zu mir. Ich habe, ich weiß nicht warum, heute Mittag zu viel gekocht, ich werde euch das aufwärmen.“ Beim Kochen schüttete uns die Frau ihr Herz aus, und wir lasen mit ihr das Evangelium des Tages und beteten mit ihr. Ihre Bibel lag griffbereit auf dem Tisch; und sie dankte Gott für unseren Besuch. Am nächsten Tag kam sie vorbei und brachte uns Nahrungsmittel. Dankbarkeit!

Was an den kleinen Schwestern und Brüdern am meisten beeindruckt, ist einerseits die Freude, die sie ausstrahlen, die tief aus ihrem Innern und aus ihrer Verbundenheit mit Gott im Gebet kommt, und andererseits ihre Fähigkeit, zuzuhören und ihrem Gegenüber zu vermitteln, dass er in diesem Augenblick der wichtigste Mensch auf der Erde ist. „Cum Deo vel de Deo“: nur mit Gott oder von Gott sprach er, heißt es vom hl. Dominikus. Und so halten es auch die kleinen Schwestern und Brüder.

Für weitere Informationen: www.communautedelagneau.org

Jacqueline Galles-Simon