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In der eigenen Wohnung
Lokales 4 Min. 28.01.2019 Aus unserem online-Archiv

In der eigenen Wohnung

In der eigenen Wohnung

Foto: Lex Kleren
Lokales 4 Min. 28.01.2019 Aus unserem online-Archiv

In der eigenen Wohnung

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Eine Haftstrafe von 23 Jahren ohne Bewährung hat die Staatsanwaltschaft gegen einen Mann gefordert, der beschuldigt wird, seine Lebensgefährtin wiederholt vergewaltigt und misshandelt zu haben.

„Es gibt nur wenige Gründe, beim Strafmaß unter der vorgesehenen Maximalstrafe von 25 Jahren Gefängnis zu bleiben“, betonte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zum Abschluss ihrer Anklagerede. Sie beantragte am Freitag dann auch eine Gefängnisstrafe von 23 Jahren ohne Bewährung.

Sieben Prozesstage lang – seit Anfang November – war zuvor über die Tatvorwürfe gegen den heute 37-jährigen Iraker verhandelt worden. Odai A. wird beschuldigt, zwischen Dezember 2016 und Mai 2017 seine damalige Partnerin mehrfach geschlagen, gewürgt, eingesperrt und vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Wie aus dem Prozessverlauf hervorgeht, war die neun Monate andauernde gemeinsame Episode des Paares offenbar von Konflikten geprägt. Die Beziehung soll zunächst sehr innig gewesen sein. Dazu trug wohl auch bei, dass sich beide, als sie sich in einem Wartesaal beim Sozialamt kennenlernten, in einer prekären Situation befanden. Er war Asylbewerber, sie die wohnungslose alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter.

„Possessiv, eifersüchtig und aggressiv“

Doch bereits nach kurzer Zeit soll das gemeinsame Leben der beiden frisch Verliebten eine Wendung genommen haben und zwar, als der Mann zunehmend über das Leben der Frau bestimmen wollte: Sie sollte sich anders kleiden, sich nicht mehr schminken und auch das Haus nicht mehr alleine verlassen. „Er war possessiv, eifersüchtig und aggressiv“, hatte es der leitende Ermittler zusammengefasst.

Als die Beziehung im November 2016 ein erstes Mal zu zerbrechen droht, will die Frau zunächst alleine in die Ukraine reisen. Doch es kommt anders. Das Paar reist gemeinsam. Hier soll es dann zu ersten ernsthafteren Drohungen und Übergriffen gekommen sein.


Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
Das Chamäleon
„Du bist so schön, wenn du weinst“, soll Odai A. seiner damaligen Lebensgefährtin nach der letzten von mehreren Vergewaltigungen gesagt haben. Nun riskiert der 36-Jährige eine sehr lange Haftstrafe.

An Weihnachten 2016 ist es die erwachsene Tochter der Frau, die nicht mehr bei der Mutter lebt, die wegen einer Auseinandersetzung zwischen dem Paar und aus Angst vor Odai A. die Polizei verständigt. 14 Tage später ruft der Angeklagte die Sicherheitskräfte, weil er von der Frau angegriffen worden sei. Beide bleiben in der gemeinsamen Wohnung – in getrennten Schlafzimmern.

Am 10. Januar 2017, so die Aussage der Klägerin, habe sich Odai A. zunächst bei ihr für sein bisheriges gewalttätiges Verhalten entschuldigt. Dann sei es aber erneut zum Streit gekommen. Odai A. habe sie beim Hals gepackt und sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Später habe er sie vergewaltigt. Am Morgen danach, sei es der Frau dann gelungen, mitsamt ihrer Tochter zu fliehen.

Zwei Tage später findet sie Zuflucht in einer Wohnstruktur von Femmes en détresse. Der Mann stellt ihr aber nach und verfolgt sie offenbar – etwa nachdem sie in einem Cent-Buttek Einkäufe erledigt.

Neue Adresse an mutmaßlichen Peiniger geschickt

Im März 2017 unterhält sie trotz allem wieder Kontakt zum Mann. Einmal soll es zu einvernehmlichem Sex gekommen sein. Doch mit dem Einvernehmen soll es dann bald wieder vorbei gewesen sein. Nachdem der Fonds de Logement der Frau fälschlicherweise einen Mietvertrag an ihre frühere gemeinsame Adresse schickt, kennt der Mann ihren neuen Wohnort. Anfang April soll er sich dann Zugang zum Gebäude verschafft und die Frau in ihrer neuen Wohnung bedrängt haben.

Sie erstattet am 27. April Anzeige wegen der Vergewaltigung im Januar. Am 11. und 12. Mai soll Odai A. ihr dann erneut aufgelauert und sie an beiden Tagen in ihrer eigenen Wohnung vergewaltigt und bedroht haben, so die Klägerin. Erst nach diesen Vorfällen schreitet die Kriminalpolizei ein.

Im Prozess ließ der Angeklagte keine Gelegenheit aus, seine Ex-Partnerin schlecht zu machen. Sie sei eine ehemalige Prostituierte, die nur Geld wolle. Die Vorwürfe seien erlogen. Ihre Aussagen und ihr Verhalten seien voller Widersprüche. So habe sie es nicht einmal für nötig befunden, nach der angeblichen Vergewaltigung einen Frauenarzt aufzusuchen, betonte er. Und wenn er tatsächlich ein brutaler Vergewaltiger sei, hätte die Frau sich wohl kaum erneut mit ihm eingelassen.

Er sei das eigentliche Opfer einer eifersüchtigen und gewalttätigen Alkoholikerin, die unter Stimmungsschwankungen leide, so die Darstellung von Odai A. Er habe sich lediglich gewehrt.

Anklägerin: Keinen Zweifel an der Aussage des Opfers

Die Vertreterin der Anklage hielt dem in ihrem Strafantrag entgegen, dass sie keinen Zweifel an den Aussagen des Opfers habe. Das Ermittlungsdossier biete ein ganzes Arsenal an Elementen, die diese Angaben unterstützen würden. Dass der Angeklagte nun versuche, sich als das eigentliche Opfer darzustellen, sei – mit Verlaub – nicht die beste Verteidigungsstrategie, insbesondere da er nichts vorbringe, um das zu belegen.

Zu den im Prozess offenkundig gewordenen Persönlichkeitszügen von Odai A. würde zudem auch passen, dass er zwei Tage vor einer Urteilsverkündung in Finnland unter falschem Namen und mit falscher Lebensgeschichte in Luxemburg einen Asylantrag gestellt habe.

Bei dem Prozess in Finnland war er wegen eines körperlichen Angriffs zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Insgesamt habe es in Finnland zwölf Urteile wegen ganz verschiedener Straftaten gegen Odai A. gegeben. Dazu zählt auch eine rechtskräftige Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Vergewaltigung.

Das Urteil der hauptstädtischen Kriminalkammer ergeht am 14. Februar.


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