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In den Tiefen des Luxemburger Hausmülls
Lokales 6 3 Min. 18.06.2019

In den Tiefen des Luxemburger Hausmülls

Für die Analyse werden zurzeit Stichproben aus dem Hausmüll von 16 auserwählten Gemeinden präzise sortiert.

In den Tiefen des Luxemburger Hausmülls

Für die Analyse werden zurzeit Stichproben aus dem Hausmüll von 16 auserwählten Gemeinden präzise sortiert.
Foto: Anouk Antony
Lokales 6 3 Min. 18.06.2019

In den Tiefen des Luxemburger Hausmülls

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Was landet in der grauen Tonne? Aufschluss darüber soll eine Restabfallanalyse geben, für die aktuell 30 Tonnen Hausmüll analysiert werden.

Eine Zahnbürste, eine Pillenverpackung, dazwischen ein Schuh, ein Getränkekarton, ein paar Energydrink-Dosen und Lebensmittelreste. Es ist dies eine Momentaufnahme dessen, was den sechs Mitarbeitern der Beschäftigungsinitiative ProActif dieser Tage am Sitz der SuperDrecksKëscht in Colmar-Berg zwischen die Finger kommt.

Im Auftrag der Umweltverwaltung und unter der Federführung von Eco-Conseil, einem Beratungsbüro für Abfallwirtschaft und nachhaltige Entwicklung, untersuchen sie zurzeit den Restmüll der Luxemburger Haushalte. Seit 1992 lässt das Umweltamt den Inhalt der grauen Tonnen, sprich den Hausmüll, in regelmäßigen Abständen auf seine Zusammensetzung überprüfen. Die letzten Daten stammen aus den Jahren 2013/2014. Im Hinblick auf die vom Umweltministerium angestrebte „Null Offall“-Nation Luxemburg wird nun erneut ein genauer Blick auf den Inhalt der hiesigen Mülltonnen geworfen.

Proben aus 16 Gemeinden

„Wir führen diese Untersuchung durch um zu ermitteln, was tatsächlich noch in unseren Mülleimern landet, wie sich der Abfall zusammensetzt und, vor allem, um zu erfahren, welche Maßnahmen wir ergreifen können, um den Restabfall zu reduzieren“, erklärt Robert Schmit, Direktor der Umweltverwaltung. Bei der letzten Studie anno 2013/2014 habe sich beispielsweise gezeigt, dass noch verhältnismäßig viele Medikamente über den regulären Hausmüll entsorgt werden. „Daraufhin haben wir die Menschen verstärkt sensibilisiert, sodass in der Folge mehr Medikamente über die SuperDrecksKëscht eingesammelt werden konnten“, so Schmit.

Auch könne auf diese Weise ermittelt werden, ob im Laufe der Jahre womöglich neue Arten von Müll anfallen. „Bei der Analyse 2013/2014 etwa haben wir festgestellt, dass mit den Kaffeekapseln eine neue Fraktion hinzugekommen ist“, berichtet Schmit. Somit ergeben sich stets neue Herausforderungen, die es in der Folge in Angriff zu nehmen gilt.

Um herauszufinden, was denn aktuell noch über die grauen Tonnen entsorgt wird, wird der Restmüll aus ausgewählten Kommunen zurzeit nach Colmar-Berg transportiert und dort manuell sortiert. „Stellvertretend für alle Gemeinden haben wir deren 16 ausgewählt, dies unter Berücksichtigung ihrer abfallwirtschaftlichen Strukturen“, wie Steff Schaeler von Eco-Conseil erklärt. Konkret bedeutet dies, dass jeweils in Betracht gezogen wird, welche Entsorgungsmöglichkeiten es in den auserwählten Gemeinden gibt, ob zum Beispiel eine Biotonne angeboten wird, es einen Recyclingpark gibt und so weiter. Auch die demografischen und geografischen Begebenheiten, etwa, welchem Abfallwirtschaftssyndikat eine Gemeinde angehört, werden berücksichtigt.


Zwar bleibt die Gesamtabfallmenge in Luxemburg trotz Bevölkerungswachstums seit Jahren konstant, doch nimmt der Anteil an Plastikverpackungen im Hausmüll deutlich zu. Sie machen ganze 43,7 Prozent des Gesamtvolumens aus.
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Deutlich mehr Hygieneartikel

Ausgestattet mit einem Schutzanzug, Handschuhen sowie einer Atemmaske mit Aktivkohlefilter, zum Schutz vor dem beißenden Geruch sowie vor giftigen Gasen, machen sich die Sortierer anschließend ans Werk. Sorgfältig trennen sie den Müll per Hand und werfen die Einzelteile in den jeweils passenden Behälter, wobei zwischen elf verschiedenen Abfallfraktionen unterschieden wird – Druckerzeugnisse, Plastiktüten, Garten- oder Grünabfälle, Metalle, Schuhe, Getränkekartons, sonstige Kunststoffe, Körperhygieneartikel, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei wird auch schon mal an den weggeworfenen Gegenständen gezogen und geklopft, dies um zu definieren, um welche Materie es sich denn nun genau handelt.

Die Restabfallanalyse erstreckt sich insgesamt über einen Zeitraum von zweimal vier Wochen. Eine erste Sortierphase wurde bereits im Februar durchgeführt, die aktuelle läuft noch bis zum 21. Juni. Somit ist sowohl Winter- als auch Sommerabfall dabei, wodurch saisonale Einflüsse ebenfalls berücksichtigt werden. Alles in allem werden 30 Tonnen Restmüll auf ihre Bestandteile analysiert. Sind die Stichproben einmal sortiert und die dazugehörigen Daten erfasst, so werden die Abfälle wieder ihren jeweiligen Verwertungs- und Entsorgungswegen zugeführt und fachgerecht entsorgt.  Anhand der Daten, die auf diesem Weg gesammelt werden, wird anschließend ein detaillierter Bericht erstellt – der dabei helfen soll, die richtigen Schlüsse zu ziehen und das hiesige Abfallaufkommen weiter zu reduzieren.

Zwar liegen die abschließenden Ergebnisse der Analyse erst Ende des Jahres vor. Erste Tendenzen könne man aber bereits erkennen, erklärt Steff Schaeler. So stelle man beispielsweise einen Rückgang bei den Druckerzeugnissen fest. Der Anteil an Plastik im Hausmüll scheint ebenfalls leicht zurückzugehen, die Menge an weggeworfenen Körperhygieneartikeln nimmt hingegen zu. „Die Menschen ändern ihren Lebensstil – und das zeigt sich in den Mülleimern“, fasst Steff Schaeler zusammen.


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