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Impfgegner in Luxemburg: Gefährliche Desinformation
Angesichts der zunehmenden Aktivitäten von Impfgegnern im Internet bleibt das luxemburgische Gesundheitsamt wachsam.

Impfgegner in Luxemburg: Gefährliche Desinformation

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Angesichts der zunehmenden Aktivitäten von Impfgegnern im Internet bleibt das luxemburgische Gesundheitsamt wachsam.
Lokales 3 Min. 09.03.2015

Impfgegner in Luxemburg: Gefährliche Desinformation

Seit vergangenem Herbst grassieren in Berlin und in anderen deutschen Großstädten die Masern. Die meisten Infizierten sind nicht geimpft – aus Ignoranz, Nachlässigkeit oder aufgrund ideologischer Verblendung durch Impfgegner.

(mth) - Seit vergangenem Herbst grassieren in Berlin und in anderen deutschen Großstädten die Masern. Eine Infektionswelle von lange nicht mehr gekannten Ausmaßen, die bereits das Leben eines Kleinkinds kostete und droht, aufgrund von Spätfolgen weitere Opfer zu fordern. Die meisten Infizierten sind nicht geimpft – aus Ignoranz, Nachlässigkeit oder aufgrund ideologischer Verblendung durch Impfgegner.

Auch in Luxemburg gibt es Menschen, die aus persönlicher Überzeugung Desinformation zum Thema Impfen verbreiten. 1989 wurde der gemeinnützige Verein „Impf-Information“ gegründet, der sich 2004 in „Aktives Eigenes Gesundes Immun-System Luxembourg“ (Aegis Luxembourg) umtaufte und in einem Netzwerk aus ähnlichen Vereinen von Impfkritikern aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland integriert ist. Auf seiner eigenen Webseite und via Facebook verbreitet der Verein die gängige Anti-Impf-Propaganda und beruft sich dabei auf bekannte „Kritiker“ wie den österreichischen Allgemeinmediziner und Homöopathen Johan Loibner, gegen den mehrfach ein Berufsverbot ausgesprochen wurde, oder den deutschen Biologen Stefan Lanka, der die Existenz des HIV-Virus leugnet.

Impfgegner unter massivem öffentlichen Druck

Die alarmierende Masern-Epidemie, die derzeit in Deutschland grassiert, setzt die Impfgegner dort massivem öffentlichen Druck aus. Zu Recht, wenn man die Zahlen nüchtern betrachtet: Seit Beginn der Infektionswelle im Oktober sind laut dem dortigen Landesamt für Gesundheit und Soziales allein in Berlin 724 Menschen an Masern erkrankt – davon 111 in der vergangenen Woche. Der Tod eines 18 Monate alten Jungen Mitte Februar sorgte weltweit für Aufsehen. Doch die Impfgegner-Bewegung reagiert auf Kritik mit Gegenpropaganda – auch in Luxemburg.

Nur wenige Tage nach dem tragischen Zwischenfall in Berlin erreichte eine recht aggressiv formulierte Pressemeldung von „Aegis Luxembourg“ unsere Redaktion, in der die Vorsitzende des Vereins die Veröffentlichung einer „Klarstellung“ fordert und zugleich die Presse an ihre angebliche „gewisse Verpflichtung“ erinnern möchte, diese zu veröffentlichen. Der Inhalt des Dokuments überrascht niemanden, der sich eingehender mit der Impfgegner-Szene beschäftigt hat: Impfen sei sinnlos, ja gefährlich, der Todesfall in Berlin möglicherweise nicht auf Masern zurückzuführen, alternative Heilmethoden seien der „Schulmedizin“ vorzuziehen.

Vorwürfe jenseits jeglicher medizinischer Glaubwürdigkeit also, die von Impfgegnern weltweit entgegen dem allgemeinen wissenschaftlichen Konsens aufrechterhalten werden, mit dem Argument, die Medien verbreiteten nur „die Lügen der Pharma-Mafia“. Eine Problematik, der sich die Behörden in Luxemburg durchaus bewusst sind, wie die beigeordnete Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Elisabeth Heisbourg, auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ erklärt: „Es gibt leider auch hierzulande Personen, die solche Positionen vertreten. Dies ist bedauerlich, aber es ist ja auch so, dass Impfungen in Luxemburg nicht obligatorisch sind. Wir setzen daher eher auf Information und Aufklärung.“

Seit einigen Jahren beobachtet das Gesundheitsamt die Impfsituation im Großherzogtum und fasst die Ergebnisse in einem Bericht zusammen, der zuletzt 2012 veröffentlicht wurde. Dort kommt man zum Schluss, dass 95 Prozent der Kleinkinder zwischen 25 und 30 Monaten gegen die gängigen Erreger, darunter auch die Masern, geimpft sind. Von 739 Kindern, die in der Befragung erfasst wurden, waren nur 25 nicht geimpft. In sechs Fällen gaben die Eltern dieser Kinder die Angst vor Nebenwirkungen als Grund an, in nur vier Fällen untermauerten sie ihre Weigerung mit ideologischen Gründen.

Gesundheitsamt beobachtet Situation

Eine Situation, die vom Gesundheitsamt mit Genugtuung betrachtet wird, zeige sie doch, dass die Aufklärungsstrategie auf fruchtbaren Boden treffe: „An sehr vielen Orten liegt unser Informationsmaterial aus. Zudem ist es in Luxemburg ja so, dass die finanzielle Geburtenzulage an mehrere Pflichtbesuche beim Kinderarzt gebunden ist und die überwiegende Mehrheit der Ärzteschaft in Luxemburg den Wert der Impfung durchaus kennt“, so Heisbourg. Angesichts der zunehmenden Aktivitäten von Impfgegnern im Internet müsse man allerdings wachsam bleiben, meint Heisbourg: „Wir beobachten die Situation, denken aber, dass im Moment kein besonderer Handlungsbedarf besteht“.


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