Immer mehr Babys kommen per Kaiserschnitt zur Welt

Die "Initiativ Liewensufank" würde von Hebammen geleitete Geburtshilfeangebote begrüßen.
Die "Initiativ Liewensufank" würde von Hebammen geleitete Geburtshilfeangebote begrüßen.
Foto: Marc Wilwert

Die Kaiserschnittraten sind zwischen 2004 und 2010 in allen europäischen Ländern gestiegen. Laut den Autoren des neuen Peristat-Berichts, der die Statistiken des Jahres 2010 aus allen EU-Ländern aus dem Perinatalbereich zusammenführt, belegen die unterschiedlichen Raten auch eine unterschiedliche Herangehensweise an die Geburt in den einzelnen Ländern.

Was die Zahl der vorab geplanten Kaiserschnitte anbelangt, gehört Luxemburg zur Spitzentruppe mit 18 Prozent, nur überrundet von Italien (25 Prozent) und Zypern (39 Prozent). Zypern mit 52 Prozent und Italien mit 38 Prozent sind die Spitzenreiter der Kaiserschnitte, gefolgt von Rumänien und Portugal mit 36 Prozent. Deutschland, Luxemburg und die Schweiz weisen auch Raten über 30 Prozent auf, wogegen in den Niederlanden, in Finnland, Schweden und Norwegen die Kaiserschnittraten unter 20 Prozent liegen.

Auch bei den instrumentellen Geburten gibt es große Unterschiede. Sie liegen bei über zehn Prozent in Belgien, Frankreich, Luxemburg, Schweiz und Portugal. Zählt man beide Geburtsinterventionen zusammen, so erreicht Luxemburg mit 40 Prozent eine Spitzenposition unter den Ländern, wo die meisten Babys nach Eingriffen geboren werden, knapp hinter Italien mit 41 Prozent, der Schweiz mit 44 Prozent, Portugal mit 51 Prozent und Zypern mit 53 Prozent. Mit knapp mehr als zehn Prozent der Mütter, die jünger als 24 Jahre alt sind, steht Luxemburg gut im internationalen Vergleich. Mit 23 Prozent der Mütter, die älter als 35 sind, liegt Luxemburg gleichauf mit Deutschland und knapp hinter der Spitzengruppe mit Italien (34 Prozent), Spanien (29 Prozent), Irland (27 Prozent) und Schweiz (25 Prozent). In Brüssel und Luxemburg sind 66 Prozent der Mütter, die dort gebären, selbst nicht dort geboren worden. Verschiedene Länder bieten, neben den Geburten in den Kliniken, auch Geburten in Geburtshäusern oder in von Hebammen geleiteten Kreißsälen an. 

Geburtshaus und Kreißsaal mit Hebammen

Luxemburg fehlen sowohl ein Geburtshaus wie ein von Hebammen geleiteter Kreißsaal. Auch besteht keine Möglichkeit, sich bei einer normalen Schwangerschaft ausschließlich von einer Hebamme betreuen zu lassen. Die „Initiativ Liewensufank“ findet, dass es an der Zeit wäre, die vom Petitionsausschuss der Abgeordnetenkammer empfohlene Debatte über die Geburtssituation in Luxemburg zu führen.

Dies sei umso dringender, als der sich noch in Ausarbeitung befindende Spitalplan Möglichkeiten bieten könnte, die physiologische Geburt mehr zu fördern, durch zum Beispiel von Hebammen geleitete Geburtshilfeangebote, mit denen eine kontinuierliche und ganzheitliche Betreuung von Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettzeit im stationären und im ambulanten Bereich ermöglicht wird. Die „Initiativ Liewensufank“ würde von Hebammen geleitete Geburtshilfeangebote begrüßen, die sich an gesunde Frauen mit einem geringen Risiko für Komplikationen richten. Die fachliche Betreuung der Frauen und Familien sowie die organisatorische Leitung würden dann unter der Verantwortung von Hebammen liegen.