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Im Gemeinschaftsgarten Kaltreis wird mehr als nur gegärtnert
Lokales 3 3 Min. 04.06.2021

Im Gemeinschaftsgarten Kaltreis wird mehr als nur gegärtnert

Seit 2013 gibt es den Gemeinschaftsgarten auf Kaltreis in Bonneweg. Bis zu 20 Einwohner des Stadtviertels gärtnern hier mindestens einmal die Woche.

Im Gemeinschaftsgarten Kaltreis wird mehr als nur gegärtnert

Seit 2013 gibt es den Gemeinschaftsgarten auf Kaltreis in Bonneweg. Bis zu 20 Einwohner des Stadtviertels gärtnern hier mindestens einmal die Woche.
© Laurent Blum
Lokales 3 3 Min. 04.06.2021

Im Gemeinschaftsgarten Kaltreis wird mehr als nur gegärtnert

Nora WEIS
Nora WEIS
Sonntags treffen sich die Bonneweger zum gemeinsamen Gärtnern. Das Projekt soll die Einwohner des Viertels wieder näher zusammenbringen.

Im Freizeitpark in Bonneweg-Kaltreis ist an einem sonnigen Wochenende morgens bereits viel los: der Box Club trifft sich hier zum Training, nebenan spielt eine Gruppe Fußball, Jogger rennen vorbei, Kinder hüpfen durch die Wasseranlage, Hundebesitzer gehen Gassi, andere dösen ganz entspannt in der Sonne.

Auch im Gemeinschaftsgarten Kaltreis tut sich was: „Jeden Sonntag treffen wir uns zwischen 10 und 13 Uhr, um gemeinsam zu gärtnern“, erzählen Claudine Zahlen und Philippe Fettes. Als Paar und Eltern von zwei Kindern leben sie seit Jahren in Bonneweg und waren von Anfang an dabei. Als Lehrerin betreut Claudine Zahlen einen Schulgarten. Ihr gemeinsames Haus verfügt über einen kleinen Garten. „Es geht uns aber gar nicht bloß ums Gärtnern, sondern auch darum, die Einwohner des Viertels in einem gemeinsamen Projekt zusammenzubringen, sich kennenzulernen und sich auszutauschen“, erzählt Claudine Zahlen.


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Diversität und Interaktion

Die Interaktion zwischen verschiedenen Altersklassen sowie Menschen mit unterschiedlichem sozialem und kulturellem Hintergrund liegt dem Projekt zu Grunde. Es können 20 Freizeitgärtner von jung bis alt, von arm bis reich und aus aller Welt gleichzeitig mitmachen. Das einzige Kriterium ist, dass die Teilnehmer in Bonneweg als Einwohner gemeldet sein müssen und mindestens einmal in der Woche Zeit haben, ein paar Stunden mit Gartenarbeit zu verbringen. „Wir haben fast so viele Nationalitäten und Sprachen wie Teilnehmer,“ erzählt Philippe Fettes. Das Ergebnis, wie viel Gemüse später geerntet wird, sei nicht ausschlaggebend, sondern vielmehr, was man gemeinsam alles lernen kann über Bodenbeschaffung, Pflanzen und Insekten.

„Am Anfang gab es hier nur ein Gartenhäuschen und ein paar Baumstämme, um die Parzellen zu gliedern“, erzählt ein Gartenmitglied. Angebaut wird nach dem Rotationsprinzip, damit nicht jede Saison die gleichen Pflanzen an der gleichen Stelle dieselben Nährstoffe aus dem Boden ziehen. Auf den 20 Ar, die die Stadt Luxemburg zur Verfügung stellt, werden keine Pestizide eingesetzt und es soll auf natürliche Weise gearbeitet werden. Ein Drittel der Samen erzeugen sie selbst aus den Ernten der Vorjahre und es gibt auch einen eigenen Komposthaufen zum Düngen.

Gemeinsam entscheiden

Es kommt hinzu, dass die Entscheidungsfindung nicht immer einfach ist: „Es gibt keinen Hauptverantwortlichen und keine hierarchischen Strukturen, wie in einem Unternehmen. Die Umsetzung kann ganz schön kompliziert sein und ist auch nicht immer besonders erfolgreich“, lacht Philippe Fettes.


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Aber darum gehe es ja, um gemeinsames Organisieren, Austausch und Diversität. Außerdem erlaube das Projekt es auch, verschiedene Dinge auszuprobieren: „Wenn etwas nicht funktioniert hat in einem Jahr, dann machen wir es im Nächsten anders“, erklärt Philippe Fettes. Probieren geht über Studieren, wobei die Stadt Luxemburg für die Teilnehmer auch Weiterbildungen zum Thema Gärtnern anbietet.

Den Großteil der Gartenutensilien hätten sie bei einem Aufruf von Privatpersonen gespendet bekommen, der Rest wurde entweder von der Stadt Luxemburg zur Verfügung gestellt oder mit dem Geld des jährlichen Mitgliederbeitrags gekauft.

Kalte Temperaturen

Dieses Jahr habe die Saison aber nicht sehr erfreulich begonnen. Nach dem Vorziehen zu Hause wurde pünktlich nach den Eisheiligen Mitte Mai eingepflanzt. Wegen der niedrigen Temperaturen habe jedoch fast keine der Zucchini-Pflanzen überlebt, bedauert Claudine Zahlen. Im Gegenzug gebe es zumindest keine Insektenplage derzeit, klingt es optimistisch von Seiten eines anderen Gartenkollegen.


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Gabriel ist zehn Jahre alt und hilft seit vier Jahren im Garten mit. „Es war Glück, dass unsere Bewerbung zurückbehalten wurde und wir hier mitmachen können“, freut sich sein Vater Pietro. Er arbeitet als Informatiker und der Garten sei ein schöner Ausgleich zum Bürojob.

Die wirkliche Arbeit komme aber erst noch mit den Sommermonaten, wo jeden Tag gegossen und nach und nach geerntet werden muss.

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