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Im Geheimdienst Ihrer Majestät
Das "Lëtzebuerger Land" veröffentlichte am Freitag das Gespräch, das beim Geheimdienst offenbar unauffindbar war.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Foto: wort.lu
Das "Lëtzebuerger Land" veröffentlichte am Freitag das Gespräch, das beim Geheimdienst offenbar unauffindbar war.
Lokales 2 Min. 30.11.2012

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Hat sich der großherzogliche Hof eine Geheimarmee aufgebaut? Was hat der Großherzog mit dem britischen Geheimdienst am Hut? Warum braucht der Hof Abhörmaterialien? Und vor allem, wen will der Hof bespitzeln? Das sind Fragen, die sich nach den neuesten Enthüllungen im Dossier Bommeleeër stellen.

(str) - Hat sich der Großherzogliche Hof eine Geheimarmee aufgebaut? Was hat der Großherzog mit dem britischen Geheimdienst am Hut? Warum braucht der Hof Abhörmaterialien? Und vor allem, wen will der Hof bespitzeln? Das sind Fragen, die sich nach den neuesten Enthüllungen im Dossier Bommeleeër stellen.

Zwei illegal aufgezeichnete Gespräche aus dem Jahr 2007 und 2008 sind seit einer Woche in aller Munde. Zum einen ist da eine CD, auf der sich offenbar eine Unterhaltung zwischen Großherzog Henri und Premierminister Juncker befindet. Zum anderen gibt es eine Aufnahme von einem Gespräch zwischen dem Staatsminister und dem damaligen Geheimdienstchef Marco Mille. Der SREL-Chef hat dieses Gespräch heimlich mit einer präparierten Uhr aufgenommen. Die Wochenzeitung „d'Lëtzebuerger Land“ hat am Freitag Auszüge aus diesem „gestohlenen Gespräch“ veröffentlicht.

Und die haben es in sich:

  • Der Großherzog persönlich, wie auch Mitarbeiter des Hofes, halten engen Kontakt mit einem britischen Geheimdienst. Als Juncker das erfährt, fragt er „Weess en, datt dee vum engleschen Dingscht ass?“ Mille antwortet: „Ech ginn en net froen. Ech huelen un, datt en dat wees.“
  • Der Geheimdienst hat aus sicherer Quelle erfahren, dass der großherzogliche Hof versucht hat, sich in Luxemburg Abhörmaterial zu verschaffen – aber zunächst ohne Erfolg. Marco Mille meint, dass die Briten dem Hof „ohne Weiteres alles liefern, was die brauchen“. Es gebe zudem Hinweise darauf, dass die verschlüsselte CD mit einem System erstellt wurde, das britische Dienste in Ex-Jugoslawien einsetzten.
  • Zum Zeitpunkt des Gesprächs versuchte der Geheimdienst bereits seit 15 Monaten, die Daten-CD zu entschlüsseln.
  • Juncker sagt, die Gespräche mit dem Großherzog zur Bommeleeër-Affäre seien nicht „extrem spannend“ und der Inhalt kaum „schädlich“ gewesen. „Ech passen op, wat ech zu him soen, fir en net nervös ze man“, sagt Juncker zu seiner Unterhaltung mit Großherzog Henri.
  • Brisant ist - und da sind Mille und Juncker sich einig - vor allem die Tatsache, dass das Gespräch zwischen dem Staatschef und dem Staatsminister abgehört wurde, weniger der Inhalt.
  • Der großherzogliche Hof hat Marco Mille zufolge eine Sicherheitsmannschaft, der sowohl der Geheimdienst als auch die Polizeidirektion misstrauen. „Et ass esou eng eege Privatarméi, déi ass jo net kontrolléiert, déi mache, wat se wëllen.“
  • Der damalige Geheimdienstchef Mille hatte eine Theorie entwickelt, derzufolge Stay Behind, Gladio und World Anti-Communist League hinter den Bombenattentaten stecken könnten.
  • Juncker und Mille sind sich einig, dass der Luxemburger Geheimdienst SREL zwar eine lange Geschichte, aber kein Gedächtnis hat.
  • Gerüchten zufolge war das Büro von Milles Vorgänger Charles Hoffmann abgehört worden, mit dem Ziel, diesen zu kompromittieren.
  • Unter Staatsminister Pierre Werner wurde Juncker zufolge „sougenannte politesch Spionage“ betrieben. Dabei wurden insbesondere die kommunistische Partei, sowie zur deren Gründerzeiten auch die Grünen bespitzelt.
  • Als Mille sein Amt als Geheimdienstchef antrat, verfügte der SREL über 300.000 Karteikarten, darunter auch zu Personen, die heute politische Mandate innehaben.


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