Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Im Dunstkreis des Rotlichtmillieus
Lokales 2 Min. 28.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um Mord an Luxemburger in Brasilien

Im Dunstkreis des Rotlichtmillieus

Die Angeklagten bestreiten jegliche Tatbeteiligung.
Prozess um Mord an Luxemburger in Brasilien

Im Dunstkreis des Rotlichtmillieus

Die Angeklagten bestreiten jegliche Tatbeteiligung.
Foto: Steve Remesch
Lokales 2 Min. 28.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um Mord an Luxemburger in Brasilien

Im Dunstkreis des Rotlichtmillieus

Die beiden im Prozess um den Mord an einem 71-jährigen Mann aus Senningerberg beschuldigten Frauen kannten das wohlhabende Opfer Henri Z. offenbar aus einschlägigen Etablissements in der Hauptstadt.

(str) - Die beiden im Prozess um den Mord an einem 71-jährigen Mann aus Senningerberg beschuldigten Frauen kannten das wohlhabende Opfer Henri Z. offenbar aus einschlägigen Etablissements in der Hauptstadt.

Auch am zweiten Verhandlungstag war nur sehr wenig über die Bluttat selbst und die Ermittlungen zu erfahren. Der Grund hierfür, dazu ist man sich unter Prozessbeobachtern einig, dürfte sein, dass die Richter den Zeugen so wenig Ermittlungserkenntnisse wie nur möglich vor ihrer Aussage zugänglich machen wollen. Üblicherweise kommen die Ermittler der Kriminalpolizei nämlich recht früh im Prozessverlauf zu Wort.

Die Staatsanwaltschaft scheint von einem Auftragsmord auszugehen, was dann auch erklären dürfte, warum neben der Ehefrau des Opfers, Brigitte D., deren besten Freundin, Tania M. und dem Sohn der Freundin, Diego M., auch „Unbekannt“ in der Liste der Angeklagten aufgeführt wird. 

Verräterische Telefongespräche?

Es schält sich zudem heraus, dass das Abhören der Telefongespräche im Kreis der Verdächtigen nach der Tat bei den Ermittlungen eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben dürfte. Das lässt sich zumindest aus dem Unausgesprochenen schließen. 

Licht ins Dunkel werden die Ermittler der Kriminalpolizei sicherlich am Mittwoch oder spätestens am Donnerstag bringen. Für dann ist nämlich deren Anhörung geplant.

Die Kriminalkammer befasste sich am Dienstag desto intensiver mit dem Hintergrund der beiden angeklagten Frauen. Das Opfer hatte fünf Monate vor seinem gewaltsamen Tod die in Laos geborene Halbfranzösin Brigitte D. geheiratet. Das Paar hatte, wie die Anhörung eines Notars am Dienstag offenbarte, einen Ehevertrag aufgesetzt, demzufolge im Fall einer Trennung nur das nach der Heirat zustande gekommene Vermögen des Paares aufgeteilt würde. 

Ein überflüssiges Testament

Etwas speziell mutet aber an, dass die Braut ihren an Prostatakrebs erkrankten Bräutigam noch beim gleichen Notarbesuch daran erinnerte, auch ein Testament aufzusetzen, aus dem sie als Alleinerbin hervorgehen sollte. Ein an sich absolut überflüssiger Vorgang, dem aber vor dem Hintergrund der späteren Bluttat eine besondere Bedeutung zukommen dürfte: Da der einzige Sohn des Opfers Henri Z. verstorben war, hätte sie im Todesfall ohnehin das gesamte Vermögen geerbt.

Brigitte D. arbeitete über Jahre als Hostess in einschlägigen Etablissements in Luxemburg. Später betrieb sie ein Cabaret in der Rue de Hollerich und ein Hotel in der Route d'Esch. Ihre beste Freundin, die Brasilianerin Tania M., arbeitete seit ihrem 26. Lebensjahr im Rotlichtmilieu, eine Welt, in der sie sich ihrem eigenen Bekunden nach als Verführerin sehr wohl fühlte und, die sie ihre Sorgen vergessen ließ: Insbesondere jene um zwei ihrer Söhne, beide schwerstbehindert, zu denen sie keinen Kontakt unterhält.

Der dritte Sohn, der sich offenbar von seiner Mutter seinen Lebenswandel finanzieren ließ, ist im Prozess mitangeklagt. Im Gerichtssaal fehlt von ihm jedoch jede Spur. Der 30-Jährige hält sich weiter in Brasilien auf und lebt dort auf freiem Fuß. Brasilien liefert seine Staatsbürger nicht aus. 



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Me Stroesser fordert keine weitere Strafe für seine Mandantin. Me Monti dagegen fragte das Gericht, die bestmöglichen Konsequenzen für ihre Mandantin zu respektieren.
Nachdem die Angeklagte Brigitte D. am Montag ein Geständnis ablegte, kamen am Dienstag die Anwälte zum Einsatz.
Aller guter Dinge sind drei
Eigentlich sollten am Montag die Plädoyers beginnen, doch die Hauptangeklagte Brigitte D. entschied sich dazu, die Wahrheit zu sagen. Was geschah wirklich?
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht - und wenn er noch die Wahrheit spricht. Letztere kam gestern vor der Kriminalkammer ans Licht.
Brasilien-Mord: Beschuldigte kommen zu Wort
Keine der beiden angeklagten Frauen will schuldig am Mord am Luxemburger Henri Z. sein. Aber beiden wussten vom geplanten Mord. Keine verhinderte ihn.
Tania M. Sohn Diego ist unantastbar von der luxemburgischen Justiz.
Es ging wohl ums Geld und nicht um Liebe: Henri Z. aus Senningerberg sollte nie wieder von seiner Hochzeitsreise aus Brasilien zurückkehren. Bereits bei der Heirat kamen Freunden und Verwandten Zweifel an den Absichten der Braut.
Am Donnerstag werden erstmals die Ermittler der Kriminalpolizei zu Wort kommen.