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Im Ausland in Schwierigkeiten : Als Tourist in der Klemme - was tun?
Lokales 4 Min. 22.04.2015

Im Ausland in Schwierigkeiten : Als Tourist in der Klemme - was tun?

Werden einem im Urlaub die Ausweispapiere gestohlen, kann die zuständige Botschaft kurzfristig ein "Laisser-passer" ausstellen.

Im Ausland in Schwierigkeiten : Als Tourist in der Klemme - was tun?

Werden einem im Urlaub die Ausweispapiere gestohlen, kann die zuständige Botschaft kurzfristig ein "Laisser-passer" ausstellen.
Foto: Guy Wolff
Lokales 4 Min. 22.04.2015

Im Ausland in Schwierigkeiten : Als Tourist in der Klemme - was tun?

Im Ausland in ernste Schwierigkeiten zu geraten, das wünscht sich niemand. Schwierigkeiten – das kann ein geklauter Reisepass sein, reicht aber bis hin zu Geldproblemen oder gar einem Konflikt mit den örtlichen Behörden. Was tun in einer solchen Situation?

(DL) - Seit vergangenem Sonntag steht ein Luxemburger in Algerien in einer Korruptionsaffäre vor Gericht. Zwar handelt es sich hierbei gewissermaßen um einen Spezialfall: Der Mann ist im Besitz der doppelten Staatsbürgerschaft und damit sowohl Luxemburger als auch Algerier. Dennoch wirft die Angelegenheit Fragen auf. Was tun, wenn man als Luxemburger im Ausland in Schwierigkeiten gerät?

Wo ist die zuständige Botschaft?

Zunächst einmal sollte man sich vor Reisen ins Ausland darüber 
informieren, wo sich die für Luxemburg zuständige Botschaft (konsularischer Beistand) befindet. Hier können Bürger Unterstützung beantragen. Laut dem Außenministerium unterhält Luxemburg Botschaften in 28 Ländern, die aber für insgesamt 71 Staaten zuständig sind. Hinzu kommen sogenannte Generalkonsulate in Shanghai, San Francisco und New York. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, einen Honorarkonsul aufzusuchen. Diese sind zwar nur für einen gewissen Teil des jeweiligen Landes zuständig, sind aber möglicherweise in einer näher gelegenen Stadt ansässig und können ebenfalls helfen.

Gibt es keine luxemburgische Botschaft, so soll sich der Bürger in Not an die belgische Vertretung wenden. Luxemburg und Belgien haben 1965 eine Konvention abgeschlossen, gemäß welcher die belgische Botschaft auch Luxemburgern konsularisch beisteht. Gibt es auch keine belgische Vertretung, so kann die Botschaft eines anderen EU-Staats aufgesucht werden. Eine Liste aller luxemburgischen Vertretungen im Ausland gibt es auf der Internetseite des Außenministeriums.

Gestohlener Pass

Das Problem, mit dem sich Reisende wohl am häufigsten konfrontiert sehen: gestohlene Ausweispapiere. Laut dem Außenministerium muss ein abhanden gekommener Pass zunächst einmal bei der örtlichen Polizei gemeldet werden. Die Botschaft benötigt einen Beweis dafür, dass das Dokument als gestohlen bzw. verloren deklariert worden ist. Nachdem man mit der für Luxemburg zuständigen Vertretung in Kontakt getreten ist, kann diese einen „Laisser-passer“ ausstellen – sprich ein Dokument, mit dem die Heimreise auch ohne Pass angetreten werden kann. Doch aufpassen: Das Dokument gilt ausschließlich für die Heimreise. Es gilt zu beachten, dass es sich dabei nicht um einen „richtigen“ Pass handelt, sodass bei Zwischenstopps auf der Heimreise mit dem „Laisser-passer“ gegebenenfalls Visa beantragt werden müssen, die mit dem Pass nicht notwendig gewesen wären. Zurück in Luxemburg muss der „Laisser-passer“ im Passbüro abgegeben werden. Ist die Identität einer Person klar, dann kann das Dokument schon binnen weniger Stunden ausgestellt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, sich ein „Laisser-passer“ beim Passbüro in Luxemburg ausstellen zu lassen – welches Verwandte einem dann per Expresszustellung zusenden können. 

Tipp: Reisedokumente vorab kopieren

Das Außenministerium rät Reisenden, neben dem Pass 
immer auch die „Carte d'identité“ mitzunehmen – dies um es der Botschaft zu vereinfachen, die Identität der betroffenen Person festzustellen. Beide Dokumente sollten jedoch niemals in der gleichen Tasche aufbewahrt werden. Ein weiterer Tipp: Sämtliche Reisedokumente (Pass, Visum, Identitätskarte, Krankenkassenkarte, Flugzeugticket, Hotelreservierung, Passbild) sollten vorab kopiert, gescannt oder mit dem Handy fotografiert und per E-Mail an sich selbst oder einen Verwandten verschickt werden. Auf diese Weise hat man im Notfall schnell eine Kopie aller wichtigen Dokumente bei Hand. Hat man seinen Pass verloren und dies auch schon deklariert, findet das Dokument dann aber überraschend wieder, soll man auf keinen Fall mit dem wieder aufgetauchten Pass reisen, warnt das Außenministerium. Das Dokument wurde dann nämlich bereits über Interpol im „Schengen Information System“ gemeldet, sodass man mit einem gestohlenen Pass unterwegs ist – auch wenn es eigentlich der eigene ist.

Konflikt mit Autoritäten

Gerät ein Luxemburger Staatsbürger im Ausland in Konflikt mit den örtlichen Behörden, dann kann er sich mit der luxemburgischen Vertretung in Verbindung setzen und bekommt Unterstützung bei administrativen Schritten. Bei einer Festnahme kann sich die Botschaft über den Grund informieren, die Familie des Betroffenen informieren und die für einen Besuch im Gefängnis benötigten Genehmigungen beantragen. Die Botschaft vergewissert sich des Weiteren, ob die Haftbedingungen und die lokalen Gesetze eingehalten wurden, und ist dem Luxemburger bei der Wahl eines Anwalts behilflich – die Kosten für die Verteidigung muss der Bürger 
jedoch selbst tragen. Bei sehr schlimmen Problemen mit den lokalen Autoritäten oder mit Privatpersonen kann die konsularische Vertretung die betroffene Person zumindest beraten und nützliche Adressen liefern.

Schwerer Unfall

Werden die Botschaft oder das Außenministerium über einen schweren Unfall informiert, so erkundigen sie sich zunächst über den Gesundheitszustand des Luxemburgers und informieren umgehend dessen Familie. Beantragt die Familie konsularische Unterstützung, dann hilft die Botschaft zum Beispiel dabei, die Repatriierung bzw. den medizinischen Transport zu organisieren.

Geldprobleme

Bei Geldproblemen stellt die Botschaft ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, damit der Luxemburger Staatsbürger seine Familie, seine Freunde oder seinen Arbeitgeber kontaktieren kann. 

Was gehört nicht zum konsularischen Beistand?

Folgende Punkte gehören laut dem Außenministerium nicht zum konsularischen Beistand:

  • Bürger auf Kosten des Luxemburger Staates repatriieren
  • Bußgelder, Hotel-, Klinikrechnungen oder Ähnliches bezahlen
  • Geld vorstrecken, ohne dass eine Rückzahlungsgarantie seitens des Bürgers vorliegt
  • Unmittelbar einen Pass ausstellen
  • Bei der Justiz eingreifen, um eine Freilassung zu erwirken, falls ein Bürger in eine Gerichtsaffäre impliziert ist oder beschuldigt wird, im Gastland eine Straftat begangen zu haben
  • Als Reiseagentur, Bank oder Versicherungsgesellschaft fungieren
  • Konsularischen Schutz gewährleisten, wenn die betroffene Person nicht nur die luxemburgische Staatsangehörigkeit, sondern auch jene des Reiselandes besitzt

Weitere Informationen zum Thema konsularischer Beistand im Ausland gibt es beim Außenministerium.


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