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„Ich stehe wie ein Mann hinter meiner Stadt“
Mit Georges Mischo konnte erstmals ein CSV-Politiker den Escher Bürgermeistersessel erobern.

„Ich stehe wie ein Mann hinter meiner Stadt“

Foto: Guy Wolff
Mit Georges Mischo konnte erstmals ein CSV-Politiker den Escher Bürgermeistersessel erobern.
Lokales 5 Min. 21.11.2018

„Ich stehe wie ein Mann hinter meiner Stadt“

Anne Julie HEINTZ
Anne Julie HEINTZ
Seit einem Jahr hält Georges Mischo im Escher Rathaus das Zepter in der Hand. Ein Porträt.

 „Ich stehe wie ein Mann hinter meiner Stadt“, sagt Georges Mischo. Er hält seit einem Jahr im Escher Rathaus das Zepter in der Hand. Der eher behutsame CSV-Politiker wurde vom eigenen Erfolg überrascht – oder wie er es sagt, „nahm plötzlich zwei Stufen auf einmal.“ Wurde er bei den Landeswahlen 2013 noch Zweitletzter auf der CSV-Liste im Süden, schaffte er vor einem Monat mit 25 388 Stimmen den direkten Sprung ins Parlament.

Der frisch gekürte Député-maire ist eines der „neuen“, jungen Gesichter bei den Christsozialen, die sich die Wähler bei der heute geschwächten Volkspartei so sehr herbeiwünschen. Mit Georges Mischo haben sie eins bekommen. Der Bürgermeister der Stadt Esch ist nach einem politischen Senkrechtstart weiter auf dem Weg nach oben.

Der Weg in die Politik

Erst 2011 stellte sich Georges Mischo erstmals den Wählern.
Erst 2011 stellte sich Georges Mischo erstmals den Wählern.
Foto: Guy Wolff

Das Regieren in der zweitgrößten Stadt des Landes ist für den CSV-Politiker eine Herzensangelegenheit. Mit Esch ist der 44-Jährige tief verwurzelt. Er ist hier geboren, im Neudorf aufgewachsen, zur Schule gegangen, seinem Beruf als Sportlehrer nachgegangen, war hier in diversen Vereinen tätig und ist mit seiner Frau und seinen beiden Kindern schließlich auch in Esch hängen geblieben.

Seinen Weg in die Politik schlug er 2011 ein. Auf die Frage hin, warum die Chrëschtlesch Sozial Vollekspartei, antwortet der Escher: „Es sind die einzigen, die mich gefragt haben. Ich habe immer gesagt, ich würde mich keiner Partei anbieten, aber falls der Tag kommen würde, an dem eine Partei an mich herantreten und fragen würde, dann würde ich es mir überlegen“, betont er.

Der Fall Josy Mischo

In Anbetracht seiner Familiengeschichte liegt die Entscheidung, schwarze Farbe zu bekennen, aber irgendwie auf der Hand. Seinem Vater Josy Mischo, ein ehemaliger Escher CSV-Politiker, wurde 1999 ein zustehender Schöffenposten verweigert. Daraufhin verließ er den Gemeinderat und trat nach den Wahlen aus der CSV aus. Der Fall sorgte damals für großes Aufsehen.

Auch den amtierenden Bürgermeister der Stadt Esch kennzeichnete die Geschichte. Er war zu dem Zeitpunkt noch Sportstudent an der Universität in Saarbrücken. „Als ich ein paar Jahre später, im Jahr 2005, von Frunnes Marold zum ersten Mal gefragt wurde, für die CSV zu kandidieren, war diese Wunde noch nicht verheilt. Ganz davon abgesehen, passte ein politisches Engagement zu dem Zeitpunkt auch privat nicht. Ich lehnte also ab“, unterstreicht Mischo.

Es vergingen weitere sechs Jahre, bevor er die Politbühne betrat. 2011 ging er zum ersten Mal für die Escher CSV bei den Gemeindewahlen mit ins Rennen, mit dem Resultat, dass er zweiter Ersatz bei einer Einzugsmöglichkeit in den Gemeinderat wurde. Ganz nach dem Motto „die Geister, die ich rief“, geschah das dann auch. Im Januar 2014 wurde er Ratsmitglied.

Denkzettel verpasst

Vor einem Jahr installierte sich Georges Mischo im Escher Bürgermeisterbüro.
Vor einem Jahr installierte sich Georges Mischo im Escher Bürgermeisterbüro.
Foto: Guy Wolff

Nach dem anfangs mäßigen Erfolg des Politikers wendete sich das Blatt im Oktober 2017. Er setzte vor einem Jahr der sozialistischen Herrschaft in der zweitgrößten Stadt Luxemburgs ein Ende. Mit 30,9 Prozent der Stimmen für die Escher CSV - ein Plus von 11,7 Prozent im Vergleich zu 2011 – stellte er nach 98 Jahren LSAP-Regie, mit abwechselnder kommunistischer Führung, in der Minettemetropole für die Christsozialen den Bürgermeister und kündigte damit einen historischen Wechsel an.

Für viele war es gleichzeitig eine späte Abrechnung mit der ehemaligen politischen Führungsschicht in der Südgemeinde. Abrechnung hin oder her. Für Georges Mischo hat sich seitdem nicht nur beruflich, sondern auch privat vieles verändert. Der leidenschaftliche Skifahrer, Sportler und Vater von zwei Kindern kommt nur noch selten dazu, seinen Hobbys nachzugehen und ausreichend Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

„Mein Sohn sagt, ich sei ständig mit meinem Mobiltelefon beschäftigt, meine Tochter erzählt ihrer Lehrerin, ich würde immer erst nach Hause kommen, wenn es draußen längst schon dunkel ist. Aber sie werden nicht müde zu beteuern, wie stolz sie auf mich sind“, erzählt der Gemeindevater.

"Niemand kann von uns Wunder erwarten"

 „Wir wollten ganz einfach ein Renouveau starten", sagt Georges Mischo über die Gemeindewahlen 2017.
„Wir wollten ganz einfach ein Renouveau starten", sagt Georges Mischo über die Gemeindewahlen 2017.
Foto: Guy Wolff

Stolz ist er allemal auf seine Stadt. Es bedeute ihm viel, Bürgermeister von Esch zu sein. In seine Rolle als Gemeindevater musste er aber erst einmal hineinwachsen. „Außer für Martin Kox war es für alle in diesem neuen Schöffenrat eine ganz neue Erfahrung. Die Leute müssen verstehen, dass es ein Prozess ist, der Zeit braucht. Niemand kann von uns Wunder erwarten, wir sind konstant darum bemüht, die Stadt weiter zu entwickeln und ihr neue Impulse zu geben“, so Mischo.

Nach der Aufbruchsstimmung im Herbst 2017 kam dann vor einem Monat für seine Partei der große Fall. Das Wahlresultat der CSV blieb hinter allen Erwartungen zurück. Erneut wird sie im Parlament die Oppositionsbank drücken müssen. Als Georges Mischo vor Kurzem seinen Abgeordneteneid ablegte, tat er dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Das lachende steht für meinen persönlichen Erfolg, das weinende für die Nichtbeteiligung meiner Partei an der neuen Regierung“, so der Politiker.

Er erklärt sich die Niederlage der Christsozialen folgendermaßen: „Es ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Die Kampagne war zu brav, wir haben uns mit keinem politischen Gegner angelegt, Jean-Claude Juncker war zum ersten Mal nicht mehr dabei und nach der Aufbruchstimmung von 2017 hat jeder geglaubt, dass es von selbst gehen würde.“

„Bopepartei“

Aber auch neue, junge Gesichter braucht die CSV seiner Meinung nach. „Als ich 2013 zum ersten Mal mit in die Landeswahlen ging, sprachen mich Schüler auf meine Kandidatur bei der CSV an und als ich sie dann im Spaß zu ein paar Stimmen motivieren wollte, meinten sie stets, dass ich doch in dieser ,Bopepartei‘ sei. Das störte mich“, sagt Mischo.

Wegen diesen alten neuen Problems – erzählt er – stellten er und seine Escher Parteikollegen Christian Weis, André Zwally und Frunnes Maroldt für die Gemeindewahlen 2017 eine Escher CSV-Liste zusammen, die zu einem großen Teil auf jüngeren Kandidaten beruhte.

„Wir wollten ganz einfach ein Renouveau starten. Auch die Mixität zwischen jung und erfahren sowie Männer und Frauen spielte hierbei eine große Rolle. Diese Erneuerung war nicht nach jedermanns Geschmack, aber sie war wichtig. Und der Erfolg gab uns recht“, unterstreicht Mischo Eine Erneuerung, die laut dem Bürgermeister der CSV im Großen und Ganzen gut zu Gesicht stehen würde. Es sei an der Zeit für einen „Spagat“, wie er es bezeichnet, zwischen jungen, frischen Kandidaten und alten, erfahrenen Politikern.


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