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"Ich sah den Wahnsinn in ihren Augen"
Lokales 3 Min. 13.11.2018 Aus unserem online-Archiv

"Ich sah den Wahnsinn in ihren Augen"

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

"Ich sah den Wahnsinn in ihren Augen"

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 13.11.2018 Aus unserem online-Archiv

"Ich sah den Wahnsinn in ihren Augen"

Wegen versuchten Totschlags müssen sich derzeit drei Frauen vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, einen damals 74-jährigen Mann in der Nacht zum 12. Mai 2016 in Esch/Alzette schwer misshandelt zu haben.

(SH) - In einer Bar lernt ein älterer Mann eine Frau kennen. Sie hat ein blaues Auge, das beim Mann Mitleid erweckt. Um Larisia B. zu helfen, bietet er ihr an, dass sie bei ihm in Esch/Alzette wohnen könne. Sie verspricht ihm, ihn zu heiraten, will gar Kinder von ihm. Alles verläuft zunächst harmonisch, bis die Frau ihre beiden Schwestern Claudia und Marinela, mit denen sie sich nun gemeinsam, unter anderem wegen versuchten Totschlags, vor Gericht verantworten muss, ins Haus einlädt. „Da war der Frieden vorbei“, erklärt das Opfer im Zeugenstand.

Alle drei Frauen sind tagsüber zu Hause und arbeiten in der Nacht. Dass der Mann Larisia B. eine neue Arbeit bei der Gemeinde gesucht hatte, interessierte diese nicht. „Ich wollte sie aus dem Sumpf herausholen. Doch sie wollte nicht arbeiten“, erklärt er.

Als die drei Frauen in der Nacht zum 12. Mai 2016 teilweise sehr stark alkoholisiert nach Hause kommen, kommt es dann zu einer Auseinandersetzung, während derer der Mann so schwer misshandelt wird, dass der damals 74-Jährige im Krankenhaus landet.

Gestoßen, geschlagen, gewürgt

„Claudia hat mich die Treppe hinuntergestoßen. Ich war kurz bewusstlos. Als ich zu mir kam, war sie über mir und ich sah den Wahnsinn in ihren Augen“, so das Opfer vor Gericht. Zwei der Frauen sollen sich auf seinen Brustkorb gesetzt und auf ihn eingeschlagen haben. „Ich habe um Hilfe gerufen. Dann hat Claudia mein Unterhemd zerrissen, mir den Stoff in den Mund gesteckt und ihn mit Wasser übergossen.“ Auch soll der Mann gewürgt worden sein.

Einem Gerichtsmediziner zufolge hätten die Verletzungen, die der Mann erlitt, gar lebensbedrohlich sein oder zumindest bleibende Schäden hinterlassen können. Insbesondere von der Kombination aus Druck auf den Brustkorb, Würgen und dem Knebel im Mund sei Gefahr ausgegangen. Die Verletzungen würden sowohl auf eine stumpfe Gewalteinwirkung als auch auf ein Würgen hindeuten und würden somit die Schilderungen des Opfers bestätigen.

Der Mann überlebt jedoch und wird von den Frauen, damals zwischen 37 und 40 Jahre alt, in ein Zimmer eingesperrt. Als er dort wieder zu sich kommt, klettert er durch das Fenster des ersten Stocks und begibt sich zu einer Nachbarin, die die Polizei und einen Krankenwagen verständigt. „Der Mann war voll Blut und sehr schwach“, erinnert sich eine Nachbarin. Als die Polizei vor Ort eintrifft, ist das Opfer bewusstlos, es kommt jedoch immer wieder zu sich und kann den Beamten dabei Stück für Stück erklären, was sich in den vergangenen Stunden abgespielt hatte.

Diese begeben sich zum Haus und treffen dort auf die drei Frauen, die so aggressiv reagieren, dass ihnen Handschellen angelegt werden müssen.

Verlangen nach Geld

Vor Gericht müssen sie sich nun nicht nur wegen versuchten Totschlags verantworten, sondern auch, weil sie den Mann ausgenutzt haben sollen. So sollen sie ihm immer wieder Geld abgenommen haben. „Larisia fragte immer wieder nach Geld, angeblich für ihre Scheidung“, so der Mann. „Ich habe meine Briefmarkensammlung verkauft, um sie zu befriedigen mit dem Geld. “ Auch hätte er teure Rechnungen und Ausgaben zahlen müssen, sodass er sich selbst verschuldete. Dies war auch seiner Nachbarin aufgefallen: „Er kam mehrmals gemeinsam mit der Frau zu mir und bat mich, ihm Geld zu borgen. Es sei für die Frau und er würde es mir am Ende des Monats zurückgeben. Dies war auch immer der Fall“, so die Nachbarin. Dennoch sorgte sie sich um den Mann, auch weil dieser viel Gewicht verloren hatte.

Dreimal hätte das Opfer die Frauen gar vor die Tür gesetzt. „Aber sie sind immer wieder zurückgekommen. Ich konnte sie nicht draußen stehen lassen. Ich weiß nicht warum“, erklärt der Mann, der mittlerweile unter Vormundschaft steht.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.