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"Ich höre dir zu"
Lokales 3 Min. 16.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Henri Hamus, Dompfarrer und Oktavprediger im Jubiläumsjahr

"Ich höre dir zu"

Oktavprediger Henri Hamus: "Unsere Darstellung der Trösterin trägt das Jesuskind auf dem Arm. So steht die christologische Ausrichtung bei unserem Gnadenbild - zurecht – im Vordergrund".
Henri Hamus, Dompfarrer und Oktavprediger im Jubiläumsjahr

"Ich höre dir zu"

Oktavprediger Henri Hamus: "Unsere Darstellung der Trösterin trägt das Jesuskind auf dem Arm. So steht die christologische Ausrichtung bei unserem Gnadenbild - zurecht – im Vordergrund".
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 16.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Henri Hamus, Dompfarrer und Oktavprediger im Jubiläumsjahr

"Ich höre dir zu"

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Heute beginnt die Wallfahrt zur Trösterin der Betrübten. Auch in diesem Jahr haben wir mit dem Oktavprediger gesprochen. Mit dieser Aufgabe – die er zum vierten mal wahrnimmt – ist Dompfarrer Henri Hamus wohl vertraut.¶

Heute beginnt die Wallfahrt zur Trösterin der Betrübten. Auch in diesem Jahr haben wir mit dem Oktavprediger gesprochen. Mit dieser Aufgabe – die er zum vierten mal wahrnimmt – ist Dompfarrer Henri Hamus wohl vertraut.¶

Was bedeutet für Sie die Oktave?

Jede Oktave ist anders, ist in eine bestimmte Zeit eingebunden. In diesem Jahr feiern wir ein ganz besonderes Jubiläum: die Erwählung der Trösterin der Betrübten vor 350 Jahren zur Patronin der Stadt.

Was ist in diesem Jahr noch anders?

Die Zeit, in der wir heute leben, bedingt auch für die Kirche und die Gesellschaft Neuerungen. Wir müssen nach vorne schauen und die Rezepte und Entscheidungen von früher müssen nicht unbedingt eins zu eins übernommen werden. Dieser Neuanfang ist auch die Chance für die Kirche und die Gläubigen. Andererseits steht die Oktave in einer Tradition, für Werte von Glaube, Treue und Religion und die Menschen wenden sich seit Jahrhunderten an die Trösterin der Betrübten in schwierigen Situationen.

Womit verbinden Sie das diesjährige Motto der Oktave?

Das Motto „Mat Dir an eng nei Zäit – Mat Maria ënnerwee“ bezieht sich auch auf die aktuelle kirchliche und gesellschaftliche Situation, in der wir leben, in der neue Pfarreien entstehen werden. Wir Gläubige müssen uns neu aufstellen – mit guten Ideen. Es ist eine Herausforderung, alle Gläubige, jedwelcher Herkunft und Sprachgemeinschaft einzubeziehen. Es soll ein Netzwerk von Gemeinschaften, Lokalgemeinschaften und Sprachgemeinschaften entstehen, die ein Zusammengehörigkeitsgefühl verbindet und das den Austausch fördert. Es wird beispielsweise auch andere Katechesen geben. Dies ist selbstverständlich ein langer Prozess, und wir sind erst am Anfang.

Was zeichnet Maria heutzutage aus?

Das heutige Marienbild geht auf des Zweite Vatikanische Konzil zurück. Das achte Kapitel der Konstitution „Lumen Gentium“ spricht von Maria als der treuen Jüngerin und der großmütigen Gefährtin Jesu. An ihrer Art vertrauensvoll zu glauben, kann man sich ein Beispiel nehmen. Sie ist Mutter und Schwester, Vorbild und Wegweiserin zugleich. Sie ist weiter das „leuchtendes Beispiel der Hoffnung der Kirche“. Diese Bezeichnung ist heute, denke ich, eher zu vermitteln als das Bild der Fürsprecherin bei Jesus. In den Oktavpredigten, werde ich auf diese Thematik eingehen. Unsere Darstellung der Trösterin trägt ja das Jesuskind auf dem Arm. So steht die christologische Ausrichtung bei unserem Gnadenbild - zurecht – im Vordergrund.

Sie waren ja schon mehrmals Oktavprediger, aber es ist das erste mal, dass Sie diese Aufgabe auch als Dompfarrer ausfüllen ...

Ja, das macht schon etwas aus. Aber für mich spielt sowieso schon seitdem ich ein Kind bin und zum ersten mal bei der Oktave war, diese Pilgerfahrt eine besondere Rolle in meinem Leben. Es war damals schon ein ganz besonderes Erlebnis, als Junge aus dem Ösling, in der Stadt die geschmückte und mit Gaslampen erleuchtete  Kathedrale zu besuchen, es hatte etwas Magisches an sich. Außerdem wurden Albert Franck, Martin Molitor und ich am 11. Mai 1974 zu Priestern geweiht – vor dem Votivaltar am Fest der Trösterin, das schafft auch noch eine zusätzliche Verbindung zu Maria. Pfarrer in der Kathedrale zu sein, ist sozusagen ein krönender Abschluss.

In welchem Zusammenhang steht das diesjährige Motto der Oktave mit dem laufenden, von Papst Franziskus ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit?

Da wäre zuerst hervorzuheben, das Barmherzigkeit nicht Gerechtigkeit ersetzt. Es ist oft schwer zu vermitteln, dass die Kirche zwischen der Sünde und den Sündern unterscheidet, sie verurteilt nicht letztere. Außerdem wird Barmherzigkeit viel zu oft auf die Werke reduziert; und gerade im Zeichen der Trösterin, handelt es sich um ein geistiges Werk, um die Tröstung der Betrübten im Sinne einer Hilfe zum Heilen und nicht vordergründig nur eines Beistands angesichts einer aussichtslosen Trauer. Beispielhaft für eine Kirche, die mit ihrer Zeit geht, ist für mich der vom Seelsorgeamt des Bistums Erfurt zu den „Sieben Werken der Barmherzigkeit für Thüringen heute“ im Elisabethjahr herausgegebene Leporello „Sei barmherzig wie der Vater im Himmel“, in dem es heißt:

Was sind Werke der Barmherzigkeit ?

Du gehörst dazu

Ich höre dir zu

Ich rede gut über dich

Ich gehe ein Stück mit dir

Ich teile mit dir

Ich besuche dich

Ich bete für dich


Interview: Anne Chevalier


Weitere Informationen zu den Oktavpredigten im Lokalteil der Zeitung sowie unter Lokales auf wort.lu und cathol.lu


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Tom Kerger ist verantwortlich für den synodalen Prozess sowie die Neuordnung der Pfarreien und des Weiteren persönlicher Assistent des Erzbischofs Jean-Claude Hollerich.