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"Ich hätte niemals gedacht, dass ich ihn wieder bekomme"
Ihr Mann hatte Margrid Jacqué einen zweiten Ehering geschenkt, den sie seit vielen Jahren trägt.

"Ich hätte niemals gedacht, dass ich ihn wieder bekomme"

Foto: Pierre Matgé
Ihr Mann hatte Margrid Jacqué einen zweiten Ehering geschenkt, den sie seit vielen Jahren trägt.
Lokales 2 Min. 17.05.2018

"Ich hätte niemals gedacht, dass ich ihn wieder bekomme"

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Auf einem Parkplatz in Elvingen hat ein Bauarbeiter letzte Woche einen Ehering gefunden. Jetzt hat sich die Besitzerin gemeldet: Sie weiß noch genau, wie sie den Ring vor langer Zeit verloren hatte.

Als Margrid Jacqué am Montag das „Luxemburger Wort“ las, erstarrte sie kurz. Wie vom Blitz gerührt, betrachtete sie die vergrößerte Aufnahme eines Eherings, dessen Besitzer die Gemeinde Schengen sucht. Gleich im ersten Moment wusste sie: Das ist meiner.

„Ich habe ihn sofort wiedererkannt. Mein Ehering hatte einen dünnen Weißgoldstreifen in der Mitte. Der war auf dem Foto zu sehen“, sagt die 81-Jährige voller Freude. Auch das Datum der Eheschließung, das auf der Innenseite des Rings eingraviert war, passte. Die zwei Initialen, von denen ein Buchstabe nicht mehr richtig lesbar ist, stehen für Margrid Schunck – wie sie mit Mädchennamen heißt – und ihren mittlerweile verstorbenen Ehemann Lucien Jacqué.

Sofort meldete sich die Seniorin, die in Bonneweg lebt, bei der Gemeinde Schengen und sagte, dass sie die Besitzerin sei. In den kommenden Tagen wird ihr der Ring ausgehändigt. „Ich hätte niemals damit gerechnet, ihn einmal wieder zu bekommen“, meint sie.

Der Tag ist noch in Erinnerung

Dabei kann sich die rüstige Pensionärin noch genau daran erinnern, wie sie den Ring in Elvingen verloren hatte. 1993 war sie eines Abends mit ihrem Mann zum Kegeln in dem Dörfchen nahe der Mosel.

„Auf der Kegelbahn war es wohl ziemlich kühl und bei Kälte ziehen sich ja die Finger ein wenig zusammen“, erzählt sie. Außerdem sei er „von Anfang an ein bisschen zu groß“ gewesen. „Als ich zum Parkplatz in der Nähe des Friedhofs ging, hörte ich etwas klicken. Ich habe im ersten Moment nicht darüber nachgedacht.“ Erst mehrere Stunden später habe sie dann zu Hause festgestellt, dass sie den Ehering verloren hatte. „Ich habe allerdings keine Anstalten gemacht, ihn wiederzufinden.“

25 Jahre verbrachte der Ring dann an der tiefsten Stelle eines Straßeneinlaufs – und überstand in dieser Zeit Regen, Schnee und Kanalwasser ohne augenscheinliche Beschädigungen. Dann geschah das fast Unglaubliche: Bei Bauarbeiten an dem Parkplatz an der Kirche und des Friedhofs in Elvingen legten Arbeiter die Kanalrohre frei. Dabei gelangte der Ring wieder an die Oberfläche, wo ihn der Vorarbeiter eines Bautrupps vergangene Woche fand und bei der Gemeindeverwaltung abgab. Weil der Ring vollkommen unversehrt aussah, glaubten die Verwaltungsmitarbeiter, dass ein Friedhofsbesucher ihn nur ein paar Tage vorher verloren hatte.


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Als sie den Ehering vor 25 Jahren verloren hatte, war das für Margrid Jacqué „zwar schon eine Enttäuschung“, allzu schwer nahm sie den Vorfall aber nicht. „Ich hänge nicht an Gegenständen und ich sagte mir, auf die Ehe hat das keinen Einfluss.“

Ein zweiter Heiratsantrag

Umso schöner war die Überraschung, als ihr Mann ihr einen zweiten Ehering als Ersatz schenkte. „Dieser zweite Ring hat für mich genau so viel Bedeutung wie der erste, weil mein Mann mir sozusagen einen zweiten Heiratsantrag gemacht hat“, meint sie. „Trotzdem freue ich mich natürlich.“

Bei der ganzen Geschichte muss sie an das Gedicht „Der Ring des Polykrates“ von Friedrich Schiller denken, in dem ein antiker Herrscher seinen Lieblingsring den Göttern opfert, als Tribut für ein glückliches Leben.

Rückblickend kann Margrid Jacqué nur darüber staunen, dass der Ring zusammen mit den Bruchstücken des Betonrohrs an die Oberfläche gelangt sind – und der Bauarbeiter genau hingeschaut hat. Ein Riesen-Zufall – oder, wie die Seniorin meint, „eine glückliche Fügung“.


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