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„Ich habe mit dem Tod des Luxemburgers nichts zu tun“
An dieser Bushaltestelle wurde das bewusstlose Opfer gefunden.

„Ich habe mit dem Tod des Luxemburgers nichts zu tun“

Foto: Steve Remesch
An dieser Bushaltestelle wurde das bewusstlose Opfer gefunden.
Lokales 22.01.2019

„Ich habe mit dem Tod des Luxemburgers nichts zu tun“

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Nachdem er im Mai 2018 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, fordert der Hauptangeklagte nun in zweiter Instanz einen Freispruch.

Zu einer Haftstrafe von acht Jahren war ein inzwischen 44-jähriger Pole im Mai 2018 wegen Körperverletzung mit Todesfolge, unterlassener Hilfeleistung und Tragen eines falschen Namens verurteilt worden. Nun strebt er vor dem Berufungsgericht einen Freispruch an.

„Ich habe mit dem Tod des Luxemburgers nicht zu tun“, bekräftigte er vor den Richtern. Der Luxemburger, das ist ein 41-jähriger Obdachloser, der am 28. März 2014 auf dem Weg zum Nachtquartier der Wanteraktion an einer Bushaltestelle in Findel stürzte und keine zwei Wochen später an einer Hirnblutung verstarb.


An dieser Bushaltestelle wurde das Opfer mit Füßen gegen den Kopf getreten.
Acht Jahre Haft für Schläger
Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Todesfolge am 28. März 2014 in Findel sind am Donnerstag zwei Männer zu Haftstrafen verurteilt worden.

Zeugen hatten an jenem Abend in der Dunkelheit zwei menschliche Silhouetten gesehen, von denen eine einen Fußtritt gegen einen Gegenstand getätigt haben soll. Wenige Minuten später wurde an der gleichen Stelle ein bewusstloser Mann entdeckt. Daher lag die Schlussfolgerung nahe, dass dieser Mann von zwei Tätern zusammengetreten worden war. Der Mann sollte seine Verletzungen nicht überleben.

Als mutmaßliche Täter wurden im Anschluss der heute 44-jährige Pole Andrzej R. und der 39-jährige Litauer Baltaduonis E. identifiziert. Nach der Festnahme des Litauers kam es zum Prozess, in dem dieser den in der Verhandlung abwesenden Polen schwer belastete. Letzterer habe das Opfer gegen den Kopf getreten.

Sturz statt Fußtritt als Todesursache

Als dann auch Andrzej R. festgenommen werden konnte, wurde der Prozess ausgesetzt. Bei der Fortsetzung fehlte dann aber Baltaduonis E.. Kompliziert machte das Verfahren aber auch ein anderer Umstand: Die Rechtsmedizin konnte zwar bestimmen, dass nicht ein Tritt gegen den Kopf die wahrscheinlichste Todesursache war, sondern ein Sturz. Doch die Frage, ob das Opfer gestoßen wurde oder aus eigenen Stücken hinfiel, konnte forensisch nicht geklärt werden.


Déjà-vu im Gerichtssaal
War es ein Sturz oder hat Andzej R. tatsächlich im März 2014 an der Bushaltestelle vor der Wanteraktioun-Notunterkunft einen 41-jährigen Obdachlosen zu Tode getreten? Der Fall wird nun ein zweites Mal vor Gericht verhandelt.

Im Prozess in erster Instanz war dann aber eine Indizienkette ausschlaggebend, zu der auch DNS-Spuren des Litauers auf der Kleidung des Opfers gehörten. Die Richter befanden Andrzej R. der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, indem er das Opfer zu Boden stieß. Baltaduonis E. wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.

Der Verteidiger von Andrzej R., der als einziger Berufung eingelegt hatte, betonte nun in zweiter Instanz, dass der von der Generalstaatsanwaltschaft vorgebrachte Tathergang aufgrund der Indizien nicht beweisbar sei. Er forderte daher einen Freispruch – die Anklägerin eine Bestätigung des Urteils aus erster Instanz. Die Entscheidung der Berufungsrichter ergeht am 27. Februar. ⋌str


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