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Hotels im Müllerthal: Ärmel hochkrempeln
Lokales 2 Min. 02.07.2019

Hotels im Müllerthal: Ärmel hochkrempeln

Dieses Hotel am Echternacher Marktplatz schließt im Oktober. Laut den Ergebnissen der Studie werden 
viele, besonders kleinere Betriebe im Müllerthal folgen.

Hotels im Müllerthal: Ärmel hochkrempeln

Dieses Hotel am Echternacher Marktplatz schließt im Oktober. Laut den Ergebnissen der Studie werden 
viele, besonders kleinere Betriebe im Müllerthal folgen.
Foto: Viktor Wittal
Lokales 2 Min. 02.07.2019

Hotels im Müllerthal: Ärmel hochkrempeln

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
In der touristisch geprägten Region Müllerthal geht die Schließungswelle weiter. Eine umfangreiche Studie mahnt: Wenn nichts geschieht, könnten in den nächsten 15 Jahren erneut die Hälfte der Hotels dicht machen.

In der touristisch geprägten Region Müllerthal droht die Schließungswelle in der Beherbergungsbranche weiter um sich zu greifen. Eine umfangreiche Studie mahnt: Wenn nichts geschieht, könnten in den nächsten 15 Jahren erneut die Hälfte der Hotels dicht machen. Nicht ganz so dramatisch sieht es bei den Campingplätzen aus.

Besonders kleinere Hotels mit weniger als 30 Zimmern klagen über schwache Rentabilität und geringe Auslastung. Da viele Besitzer demnächst das Rentenalter erreichen, steht ein Generationswechsel an. So müssen 70 Prozent der Hotels und Campingbetriebe in den nächsten fünf Jahren ihre Nachfolge regeln, zeigt die Studie, die in der Heringer Millen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.


Das Feld im Müllerthal - Schleck Gran Fondo 2018 - Foto: Serge Waldbillig
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„Besonders kleine Betriebe tun sich da schwer. Je größer das Hotel, desto eher gelingt die Nachfolge“, sagte Annette Peiter, Geschäftsführerin des Leaderbüros Müllerthal, das die Studie mit dem Regionalen Tourismusbüro (ORT) in Auftrag gegeben hatte. Zudem berichten viele Hotels von Problemen bei der Personalbeschaffung. Die Bestandsaufnahme, für die über 90 Interviews mit Hoteliers, Campingbesitzern, Ferienwohnungsbetreibern, dem Jugendherbergswerk sowie den Gemeinden geführt wurden, zeichnet ein ernüchterndes Bild: In 15 Jahren könnten nur noch 20 Hotels und ein Dutzend Campingplätze in Betrieb sein – für ein Gebiet aus 14 Gemeinden.

Im Campingsektor sind es ebenfalls die kleineren Plätze und solche mit einem hohen Anteil von Dauercampern, bei denen die Zukunft des Betriebs wackelt.

Übernachtungen steigen wieder

Dabei sind die Rahmenbedingungen für den Tourismus im Müllerthal nicht einmal so schlecht: Durch Leuchtturm-Produkte wie den Müllerthal-Trail hat die Region im Ausland an Bekanntheit gewonnen und seit einem Einbruch zwischen 2006 und 2010 steigen die Übernachtungszahlen wieder.

Die Studie „Mittelfristige Entwicklung des Übernachtungsangebots im Müllerthal“ beschränkt sich nicht nur darauf, den Finger in die Wunde zu legen, sie macht auch konstruktive Vorschläge. „90 Prozent der Hotelimmobilien wurden vor 1950 gebaut. Je nach Standort kommt vielleicht ein Ausbau, der Aufkauf eines Nachbarbetriebs oder ein kompletter Neubau in Frage“, sagte Sandra Bertholet, Geschäftsführerin des ORT Müllerthal. Bei Hotels und Campingplätzen biete sich außerdem ein Trenn-Modell an: Eigentum an der Immobilie und der Beherbergungsbetrieb könnten aufgeteilt und die finanziellen Risiken reduziert werden.

Hilfe vom Staat

Die Studie wirft auch die Frage nach einem staatlichen Fonds für Tourismusinfrastruktur auf. Dieser solle größere, erhaltenswerte Hotels in wichtigen Lagen aufkaufen, renovieren und später zu vergünstigten Preisen an Privatunternehmen verkaufen.


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Tourismusminister Lex Delles sah gerade diesen Vorschlag kritisch. Der DP-Politiker wandte sich generell gegen staatliche Eingriffe in den Markt und befürchtete einen unfairen Wettbewerb mit bestehenden Hotelbetrieben. Delles wies auf eine Reihe von Hilfsprogrammen seines Ministeriums hin. So können Hotels und Campingplätze zum Beispiel Gutscheine für eine kostenlose Beratung zur Servicequalität und zur Digitalisierung bekommen. Zudem bemühe sich das „Luxembourg Convention Bureau“, kleinere Kongresse mit bis zu 100 Teilnehmern in ländliche Regionen zu vermitteln.

„Ärmel hochkrempeln“

Die teils alarmierenden Ergebnisse der Studie bezeichnete Lex Delles als klare Handlungsanweisung. „Wir wissen jetzt, dass wir etwas tun müssen. Die Herausforderungen sind bekannt, jetzt wollen wir die Ärmel hochkrempeln.“

Er sehe sein Ministerium als „Kümmerer“, das ein offenes Ohr für die Sorgen der Hotellerie habe. Als Beispiel nannte er das Gästeblatt (Fiche d'hébergement), das in Zukunft einfach gescannt werden kann. Außerdem ist eine Tourismusapp in Planung. Investieren will das Ministerium darüber hinaus in den Fahrradtourismus, zum Beispiel mit einem digitalen Routenplaner.


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