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Hotellerie im Müllerthal: Eine Million Euro für Profi-Marketing
Lokales 3 Min. 12.06.2017

Hotellerie im Müllerthal: Eine Million Euro für Profi-Marketing

Das Angebot stimmt, doch mit der Vermarktung tun sich vor allem die kleineren Hotels im Müllerthal schwer.

Hotellerie im Müllerthal: Eine Million Euro für Profi-Marketing

Das Angebot stimmt, doch mit der Vermarktung tun sich vor allem die kleineren Hotels im Müllerthal schwer.
Foto: Romantik Hotel Bel-Air
Lokales 3 Min. 12.06.2017

Hotellerie im Müllerthal: Eine Million Euro für Profi-Marketing

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Ein Start-Up-Unternehmen will die Hotels im Müllerthal schlagkräftig im Ausland vermarkten. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt mit einer Million Euro.

(vb)  - Zwar steigt die Zahl der Übernachtungen in der Wander- und Tourismusregion Müllerthal, genau wie in Luxemburg insgesamt, doch die Hotelbetriebe bekommen nur ein kleines Stück vom Kuchen ab. Nur 20 Prozent der Gäste buchen ein Hotel, der Rest übernachtet in Jugendherbergen, auf Campingplätzen oder in Ferienwohnungen. Jedem Hotelier der Region ist deshalb klar: Es muss etwas getan werden, um das hochwertige Hotelangebot und die reizvolle Landschaft zu vermarkten.

Diese Vermarktung hat sich immer weiter ins Internet verlagert. Dort informiert sich ein großer Teil der Kunden über Aktivitäten, wählt ein Hotel aus und schließt die Buchung ab. „Gerade kleinere Hotels tun sich schwer beim Online-Marketing“, sagt Wirtschafts-Staatssekretärin Francine Closener. Genau hier setzt ein Start-Up-Unternehmen namens Regiotels mit seiner neu eröffneten Webseite an. Die Firma mit vier festen und fünf freiberuflichen Mitarbeitern übernimmt die komplette Vermarktung, den Verkauf von Hotelzimmern und die Abrechnung.

Acht Hotels machen mit

Das Ziel ist, diesen Service möglichst zentral für einen Großteil der Hotels im Müllerthal anzubieten. Bisher haben sich acht Hotels mit insgesamt 246 Betten angeschlossen, die für 37 Prozent des Zimmerangebots der Tourismusregion stehen. Das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt mit einer Million Euro. Das Geld kommt zum einen Teil dem Unternehmen Regiotels zugute und dient als Starthilfe, zum anderen geht es direkt an die teilnehmenden Hotels.

„Für die Hoteliers liegt der Vorteil auf der Hand“, sagt Gregory Tugendhat, Chef von Regiotels. „Sie können ihr Marketing outsourcen und haben somit mehr Zeit, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.“ Regiotels erstellt für die angeschlossenen Hotels einen Internet-Auftritt, übernimmt die Abrechnungen und bewirbt die Hotelangebote, hauptsächlich im Ausland. Ab dem zweiten Betriebsjahr ist eine Statistik-Funktion vorgesehen, mit Hilfe derer die Zahl der Buchungsanfragen für die nahe Zukunft vorausgesagt werden soll. Dies hat einen Einfluss auf die Preisgestaltung der Hotels.

Robert Hein ist Besitzer des Romantik Hotels Bel-Air in Echternach. Er hofft, dass durch die koordinierte Vermarktung der Hotels im Müllerthal die „Preisspirale nach unten endlich aufhört“.

Buchungs-Portalen die Stirn bieten

Hein beklagt die Macht großer internationaler Buchungsportale im Internet, die die Hoteliers dazu drängen würden, ihre Zimmer immer billiger anzubieten. Dieser ruinöse Preiskampf werde früher oder später dazu führen, dass weitere Hotels aus dem Markt gedrängt werden. Laut Wirtschaftsministerium mussten 45 Prozent der Hotelbetriebe zwischen 1995 und 2015 schließen. Bei Regiotels bestehe diese Gefahr nicht, weil die Preise besser koordiniert seien und Regiotels bei den Kommissionen für gebuchte Zimmer günstiger sei als die großen Portale.

Der Hotelier aus Echternach sieht dem Start von Regiotels mit großen Hoffnungen entgegen: „Ich bin froh, dass wir im Müllerthal das Thema Marketing jetzt gemeinsam angehen. Das ist ein Anfang, und zwar ein professioneller Anfang.“ Der durchschnittliche Hotelier habe keine große Erfahrung darin, sein Hotel im Internet anzupreisen und die Zimmer online an den Mann oder die Frau zu bringen. Dies sei aber wichtiger denn je, meint der langjährige Hotelier und erzählt: „Ich wollte mich zunächst aus dem Internet ganz heraushalten und habe auf traditionelles Marketing gesetzt, indem ich die Kunden angeschrieben oder angerufen habe. Ich musste feststellen, dass das nicht ausreicht.“

„Herausragendes Potenzial“

Regiotels-Chef Gregory Tugendhat ist zuversichtlich, dass mit zündenden Marketing-Ideen und kreativer Werbung im Ausland die Buchungszahlen weiter steigen: „Die Region hat wundervolle Wanderwege, eine tolle Landschaft, Sportmöglichkeiten und eine herausragende Gastronomie. Nur: Da draußen wissen viele Leute nicht, was das Müllerthal alles zu bieten hat.“ Dass das Müllerthal Potenzial hat, dafür stehen auch die Zahlen des Wirtschaftsministeriums. Im vergangenen Jahr landete die Region ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Luxemburg-Besucher. Hotels und Pensionen verzeichneten 61 400 Übernachtungen, das ist ein Plus von rund zwölf Prozent. Alleine der Müllerthal-Trail zog 100 000 Wanderer an.

Weiterführender Link: www.regiotels.com


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