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Horesca Generalversammlung: Kampf dem Kneipensterben
Lokales 2 Min. 21.03.2016

Horesca Generalversammlung: Kampf dem Kneipensterben

Durch das Rauchverbot in Bars 2014 ist sind laut Statec in den Folgejahren die Einnahmen um 25 Prozent gesunken.

Horesca Generalversammlung: Kampf dem Kneipensterben

Durch das Rauchverbot in Bars 2014 ist sind laut Statec in den Folgejahren die Einnahmen um 25 Prozent gesunken.
Foto: AFP
Lokales 2 Min. 21.03.2016

Horesca Generalversammlung: Kampf dem Kneipensterben

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Der Hotel- und Gaststättenverband Horesca möchte Schließungen von Kneipen verhindern. Auf der Generalversammlung am Montagabend stellte der Verband neue Projekte vor.

(dho) - Die Horesca, der Hotel- und Gaststättenverband, hat einerseits Grund zum Feiern, andererseits Grund zur Sorge. Das Hotelgewerbe verzeichnet das dritte Jahr in Folge exzellente Zahlen. In dieser Branche sind die Übernachtungen von 2014 auf 2015 um 1,4 Prozent gestiegen, was 1,7 Millionen Übernachtungen waren.

Sorge bereiten den Vertretern der Horesca die Kneipen – vor allem jene in den ländlichen Regionen. 1985 gab es noch 1 641 Wirtshäuser in Luxemburg 2013 waren es nur noch 1 095. Schuld an momentanen Schließungen seien vor allem die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Alkohol von drei auf 17 Prozent ab Januar 2015 und das Rauchverbot, das seit Januar 2014 in Kraft ist. Der Schließung der Kneipen soll nun entgegengewirkt werden, so Generalsekretär François Koepp bei der Generalversammlung der Horesca am Montagabend. „Früher war der Beruf des Wirtes ein Beruf und eine Berufung“, nur so würde eine Kneipe funktionieren, auch wenn es sehr viele Schwierigkeiten gebe, von europäischen Reglementierungen bis zu einem Mangel an qualifiziertem Personal.

Wëlkomm-Label

Um die Wirte zu unterstützen, wurde das „Wëlkomm“-Label eingeführt. Es soll, vor allem den kleinen Kneipen mehr Sichtbarkeit in der Bevölkerung geben. Auf einer Plattform, die am 11. Mai online geht, wird das Angebot der einzelnen Bars angepriesen (ist zum Beispiel eine Kegelbahn vorhanden, gibt es etwas zu essen?). Auch werden den Mitgliedern Weiterbildungskurse angeboten im Bereich Service und Angebot (z. B. welche Kundschaft man mit welchem Konzept am besten zufriedenstellt).

Zu hohe Löhne gefordert

Zu schaffen machen den Gastbetrieben die Forderungen der Gewerkschaften nach zu höhen Löhnen für unqualifiziertes Personal. François Koepp rechnet vor: „Von 100 Prozent fließen momentan 37 bis 40 Prozent in Personalkosten, 20 Prozent in Mietkosten, 25 bis 30 Prozent in Waren, 15 Prozent in Wasser, Elektrizität usw. und drei Prozent bleiben als Gewinn. Schraubt man die Personalkosten auf 48 Prozent hoch, bleibt kein Gewinn mehr“. In dem Fall würde man nur qualifiziertes Personal einstellen, an dem es aber fehle.

EU Reglementierung

Zu einem Problem für Imbissverkäufer könnte eine neue europäische Reglementierung werden. Lebensmittel, die verpackt verkauft werden, müssen mit einem Aufkleber versehen sein, der anzeigt, was genau in dem Produkt (z. B. Sandwich oder Salate) enthalten ist. Für viele Betriebe wäre dies mit hohen Kosten verbunden und es fehle am nötigen Wissen. 
Eine ähnliche Problematik gebe es bereits mit der Vorschrift, alle Allergene zu kennzeichnen. François Koepp weiß von einem Gastronom zu berichten, der 150 Gäste am Tag bediene und nur zwei Mal im Jahr nach der Auflistung der Allergene gefragt werde. Insgesamt sei auf dem Gebiet der Restauration zu viel reglementiert, findet er. Gaststättenbetreiber seien schließlich keine Chemiker

Book Direct Kampagne

Die „Book Direkt Kampagne“ ist eine europäische Initiative und soll dazu führen, dass die Leute direkt beim Hotel buchen. Internetplattformen, wie Booking.com, kassieren nämlich für ihren Service 15 bis 30 Prozent des Gewinns bei einer Buchung. Die Hotels gehen mit dem Betreiber der Bookingseite eine Vereinbarung ein, die den günstigsten Preis garantiert, was bedeutet, dass der Hotelbetreiber keines seiner Zimmer der gleichen Klasse günstiger anbieten darf. „Wenn man nicht bei Booking ist, hat man heutzutage keine Chance“, meint Koepp. Zu viele Hotels werden über diese Plattform gebucht. In anderen Ländern sei eine solche Preisklausel bereits nicht mehr erlaubt. Auch Luxemburg müsse nachziehen, so der Generalsekretär.


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Wirtschaft, Restaurant Mathes, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort