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Hohe Selbstmordrate - Gefängnisdirektor relativiert
Lokales 2 Min. 30.04.2014 Aus unserem online-Archiv

Hohe Selbstmordrate - Gefängnisdirektor relativiert

Gefängnisdirektor legt viel Wert auf Prävention.

Hohe Selbstmordrate - Gefängnisdirektor relativiert

Gefängnisdirektor legt viel Wert auf Prävention.
Foto:Guy Wolff
Lokales 2 Min. 30.04.2014 Aus unserem online-Archiv

Hohe Selbstmordrate - Gefängnisdirektor relativiert

Laut einer Studie des Europarats hat Luxemburg unter 47 Ländern die höchste Selbstmordrate. Vincent Theis, der Direktor des Centre Pénitentiare in Schrassig, spricht von einer verzerrten Darstellung.

(ml) - In Europa stecken rund 1,7 Millionen Menschen hinter Gittern.  Der europäische Durchschnitt liegt bei 150 Insassen pro 100.000 Einwohner. In Straßburg wurde am Dienstag die Gefängnisstatistik 2012 des Europarates vorgestellt.

Luxemburg: elf Quadratmeter pro Häftling

Im Süden und im Osten Europas sind die Vollzugsanstalten am meisten überfüllt. Trauriger Spitzenreiter ist Serbien mit 160 Häftlingen für 100 verfügbare Zellenplätze. In Luxemburg hat ein Häftling im Schnitt elf Quadratmeter für sich. In Polen, Ungarn oder Lettland muss ein Gefängnisinsasse im Durchschnitt mit drei Quadratmeter auskommen. 

Hohe Selbstmordrate in Luxemburg

Laut der am Dienstag veröffentlichten Studie hat Luxemburg die höchste Selbstmordrate. Auf 100.000 Häftlinge nehmen sich 31 Menschen das Leben. An zweiter und dritter Stelle liegen Montenegro (22,69) und Finnland (21,5).

„Nackte Zahlen hinterfragen“

Rein arithmetisch sei die Studie des Europarates korrekt, sagt Vincent Theis, der Direktor des Centre Pénitentiaire in Schrassig. In Wirklichkeit handele es sich jedoch um eine verzerrte Darstellung. Hätte es zum Beispiel 2012 in diesem luxemburgischen Gefängnis nur einen Selbstmord weniger gegeben, hätte Luxemburg prozentual wesentlich besser abgeschnitten. Die Statistiken hätten demnach für ein so kleines Land wie Luxemburg keine Aussagekraft, gibt Vincent Theis zu bedenken.

Rund 60 Selbstmorde in den vergangenen 70 Jahren

Seit 1945 werden in Luxemburg Statistiken über die Zahl der Gefängnis-Suizide geführt. Insgesamt gab es 83 Sterbefälle, wovon 17 ganz eindeutig auf eine natürliche Todesursache zurückzuführen seien. In einigen Fällen sei das Resultat der Autopsie nicht eindeutig gewesen, so dass es in den vergangenen 70 Jahren rund 60 Selbstmorde zu verzeichnen gab, sagt Theis.

Atypische Situation in Luxemburg

Rund die Hälfte der Inhaftierten in Schrassig haben keinen Wohnsitz in Luxemburg. Kein anderes Land habe eine derartig hohe entsprechende Rate. Diese Häftlinge hätten es besonders schwer, da sie oft keine Verwandten in ihrem direkten Umfeld hätten, wodurch das Suizidrisiko steige, betont der Gefängnisdirektor.

Prävention hat oberste Priorität

Um möglichst viele Freitode zu verhindern, lege man in Schrassig viel Wert auf Prävention. Häufig setze der Untersuchungsrichter die Direktion des Gefängnisses in Kenntnis, wenn er nach einem Verhör den Verdacht habe, dass eine Suizidgefahr bei einem Häftling bestehe. Diese Information werde dann sofort an die Psychologen und Psychiater weitergeleitet. Außerdem bestehe die Möglichkeit, suizidgefährdete Personen unter Videoüberwachung zu stellen, betont der Direktor der Justizvollzugsanstalt.

Schrassig zu 100 Prozent belegt

606 Häftlinge sind zurzeit in Schrassig untergebracht. Das Gebäude wurde ursprünglich für 597 Häftlinge konzipiert. Verschiedene "Kategorien von Personen" müsse man voneinander trennen -  Männer von Frauen, Minderjährige von Erwachsenen und Untersuchungshäftlinge von Verurteilten.

Dies bringe lokale Überbelegungen mit sich, so Vincent Theis. Ein Gefängnis wie das in Schrassig könne ideal funktionieren, wenn es nur zu 80 Prozent belegt sei. Mit dem Bau einer neuen Haftanstalt in Sassenheim sei davon auszugehen, dass sich die Situation entspanne.