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Hohe Durchfallquote: Sprachtest für Anwälte auf dem Prüfstand
Lokales 29.06.2016

Hohe Durchfallquote: Sprachtest für Anwälte auf dem Prüfstand

Lokales 29.06.2016

Hohe Durchfallquote: Sprachtest für Anwälte auf dem Prüfstand

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Mit einem gekonnten Schachzug haben angehende Anwälte offenbar die Anwaltskammer aufs Kreuz gelegt und sich so vor einem Sprachexamen an der Luxembourg School for Commerce gedrückt.








Derzeit befinden sich in Luxemburg rund 550 Anwälte auf der „Liste 4“. Das bedeutet, dass sie ihre Zulassung im EU-Ausland erhalten haben, aber im Großherzogtum tätig sind. In einer eidesstattlichen Erklärung müssen sie geloben, keine Dossiers anzunehmen, deren Sprache sie nicht verstehen.
Derzeit befinden sich in Luxemburg rund 550 Anwälte auf der „Liste 4“. Das bedeutet, dass sie ihre Zulassung im EU-Ausland erhalten haben, aber im Großherzogtum tätig sind. In einer eidesstattlichen Erklärung müssen sie geloben, keine Dossiers anzunehmen, deren Sprache sie nicht verstehen.
Foto: Marc Wilwert

(str)  - Die Luxemburger Anwaltskammer wurde offenbar von angehenden Anwälten aufs Kreuz gelegt: Diese hatten festgestellt, dass das Reglement, mit dem die erforderlichen Sprachkenntnisse und eine Prüfung durch die Luxembourg School for Commerce für die Zulassung als Anwalt vorgesehen war, nie im Memorial veröffentlicht wurde. Daher hatten diese Vorgaben keine legale Basis.

Sprachkenntnisse mussten sie trotzdem belegen, allerdings nicht mehr durch das Examen, an dem viele scheiterten, sondern nur noch durch ein Zertifikat von einer anerkannten Einrichtung. Bei der Anwaltskammer betrachtet man das aktuelle Gesetz ohnehin nicht mehr an die aktuellen Bedürfnisse angepasst.

„Eine Gesetzesänderung nimmt aber mindestens 18 Monate, wenn nicht sogar zwei Jahre in Anspruch“, meint Bâtonnier Rosario Grasso. Daher habe man im Mai ein neues Reglement ausgearbeitet, das nach einer Beanstandung des Justizministers wieder zurückgezogen wurde und nun im Juli in einer neuen Fassung erscheinen soll.

Es habe sich seit der letzten Gesetzesänderung im Jahr 2013 vieles verändert, so Grasso. „Wir haben festgestellt, dass sich sehr viele Anwälte mit Zulassungen in anderen EU-Staaten in Luxemburg niedergelassen haben“, erklärt der Präsident der Anwaltskammer. Nach dreijähriger Rechtspraxis im Großherzogtum erhielten diese quasi automatisch das gleiche Statut wie in Luxemburg ausgebildete Anwälte – ohne zusätzliches Examen und ohne Sprachtest.

Bâtonnier: Mehr Gerechtigkeit

Demnach wäre es dann auch gerecht, die Bedingungen für junge angehende Anwälte anzupassen. „Nachdem die von der Universität kommen und oftmals den Komplementarkurs für Luxemburger Recht mit hervorragenden Ergebnissen abgeschlossen haben, stehen sie unter ungemeinem Stress, der durch Sprachexamen unnötig erhöht wird“, so Grasso. „Für mich wäre es denkbar, dass sie die Sprachkenntnisse nicht sofort zu Beginn ihres Praktikums belegen müssten, sondern erst nach einer gewissen Zeit, etwa nach zwei Jahren.“ Das wäre gerechter, es gäbe keinen Qualitätsverlust und trotzdem könne nicht jeder machen, was er wolle, so der Bâtonnier.

Konkrete Überlegungen dazu werde man aber erst im Sommer anstrengen. Eine Gesetzesänderung darf zudem nicht im Widerspruch zu EU-Recht oder heimischen Texten stehen. Außerdem muss auch das Justizministerium bei einer Lockerung der Bedingungen mitziehen.


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