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Hohe Dunkelziffer: Die ersten Ergebnisse der Con-Vince-Studie
Lokales 4 Min. 07.05.2020

Hohe Dunkelziffer: Die ersten Ergebnisse der Con-Vince-Studie

Ab Mitte Mai wird mit der Large-scale-Studie gestartet, bei der auf freiwilliger Basis, die gesamte Bevölkerung auf Covid-19 getestet werden soll.

Hohe Dunkelziffer: Die ersten Ergebnisse der Con-Vince-Studie

Ab Mitte Mai wird mit der Large-scale-Studie gestartet, bei der auf freiwilliger Basis, die gesamte Bevölkerung auf Covid-19 getestet werden soll.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 07.05.2020

Hohe Dunkelziffer: Die ersten Ergebnisse der Con-Vince-Studie

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Die ersten Ergebnisse der Con-Vince-Studie liegen vor. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der Infizierten um ein vielfaches höher ist.

Auch nach 53 Tagen im Lockdown ist die Covid-19-Pandemie nicht überstanden. Bis ein Impfstoff gefunden wird, gilt es, mit dem Virus zu leben. Einen wichtigen Beitrag, um den Sars-Covid-19-Erreger zu verstehen, liefert die Con-Vince-Studie, die am 9. April lanciert wurde. Nun liegen erste Ergebnisse vor. 

In einer repräsentativen Stichprobe der Luxemburger Bevölkerung wurden 1.842 Personen zwischen 18 und 79 Jahre mittels Nasen-Rachen-Abstrichs (PCR-Test) auf Covid-19 getestet. Außerdem wurde eine Blutprobe entnommen, um zu sehen, ob die Teilnehmer bereits infiziert waren und Antikörper gebildet haben. Bei 35 Personen war dies der Fall. Ob sie jetzt immun sind, ist noch nicht geklärt. 

Prof. Rejko Krüger bei der Pressekonferenz von Research Luxembourg am Donnerstagmorgen.
Prof. Rejko Krüger bei der Pressekonferenz von Research Luxembourg am Donnerstagmorgen.
Foto: Lex Kleren

Von allen bei der Con-Vince-Studie Getesteten waren fünf mit dem Erreger infiziert. Keine Person wies starke, typische Symptome wie Fieber, Atemprobleme und Husten auf. Vier hatten nur leichte Anzeichen wie Schnupfen oder Halsschmerzen. Eine zeigte gar keine Symptome. Im Fachjargon spricht man in solchen Fällen von einem asymptomatischen Verlauf der Erkrankung. 

„Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer der Infizierten um ein Vielfaches höher ist“, erklärt Prof. Rejko Krüger, Koordinator der Con-Vince-Studie. Bei 80 Prozent der Infizierten wäre demnach mit einem leichten Verlauf zu rechnen. Laut durchgeführter Tests sind zurzeit fast 300 Personen Covid-positiv. Hochrechnungen aus der Con-Vince-Studie zufolge wären dann etwa 1.500 Personen asymptomatisch. Sie wissen möglicherweise nichts von ihrer Erkrankung, können jedoch andere anstecken. Diese Personen sollen ausfindig gemacht werden, damit sie sich in Quarantäne begeben. So könnte die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. 

Gesamte Bevölkerung zum Test

Vor diesem Hintergrund findet die Large-scale-Studie statt. Ziel ist es, möglichst viele Personen in der Bevölkerung sowie auch Grenzgänger auf das Virus zu testen. Die Tests sollen Mitte Mai beginnen und bis Ende Juni auf bis zu 20.000 Personen pro Tag ausgeweitet werden. Bis zu 17 Teststationen könnten dafür eingerichtet werden. Wann der Test stattfinden soll, wird dem Bürger per Brief mitgeteilt. 

Prof. Paul Wilmes bei der Pressekonferenz von Research Luxembourg.
Prof. Paul Wilmes bei der Pressekonferenz von Research Luxembourg.
Foto: Lex Kleren

Da es aber nicht möglich ist, die gesamte Bevölkerung an einem Tag zu testen, wird diese in sogenannte Kontingente eingeteilt, also Gruppen zwischen 50.000 und 100.000 Personen. „Mit welchen Personen diese Kontingente besetzt werden, entscheidet die Regierung“, betont Prof. Paul Wilmes, beigeordneter Sprecher der Covid-19 Task Force. Und weist darauf hin, dass die Forschung der Politik bei der Entscheidungsfindung beratend zur Seite steht. 


Lokales,Laboratoires Réunis-Corona-Test Drive-In.Junglinster. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Corona: Luxemburg und der große Bevölkerungstest
Ab dem 19. Mai wird die ganze Bevölkerung auf Covid-19 durchgetestet. Das kündigten Gesundheitsministerin Paulett Lenert und Forschungsminister Claude Meisch am Dienstag an.

Daher kann lediglich über bereits geformte Kontingente Auskunft gegeben werden. Der Bausektor mit 63.000 Personen bildet etwa eine Gruppe. Zunächst werden innerhalb dieser repräsentative Stichproben durchgeführt, die definieren, wie viele Personen infiziert sind. In einem nächsten Schritt wird die gesamte Gruppe dazu aufgerufen, sich freiwillig testen zu lassen. Infizierte Personen werden informiert und isoliert. Ihre Kontakte werden zurückverfolgt und getestet. 

Damit dies möglich sein wird, hat das Gesundheitsministerium Mitarbeiter eingestellt, sodass bis zu 60 neue Fälle täglich bearbeitet werden können. Die Wissenschaftler würden eine mit den Persönlichkeitsrechten konforme Mobiltelefon-App begrüßen, um den Vorgang zu erleichtern. Die Regierung lehnt diesen Weg aber bislang ab. 

Permanentes Nachtesten ist erforderlich

Stellt sich nach abgeschlossenen Tests heraus, dass ein Kontingent quasi Virus-frei ist, kann es von den Lockdownbestimmungen befreit werden und so nach und nach das öffentliche Leben wieder aufgenommen werden. Um den Verlauf der Infektionen innerhalb eines Kontingents weiterhin zu beobachten, werden repräsentative Stichproben durchgeführt. Nehmen möglichst viele Personen an der Large-scale-Studie teil, so wird davon ausgegangen, dass eine zweite Infektionswelle, die es nach den Lockerungen der Maßnahmen wohl geben wird, durch die Isolation von Infizierten abgeschwächt werden kann. 

Prof. Ulf Nehrbass am Rednerpult.
Prof. Ulf Nehrbass am Rednerpult.
Foto: Lex Kleren

Betten auf der Intensivstation gelten als Maßstab

Bei Simulationen der Wissenschaftler, wie viele Infizierte das Gesundheitssystem auf Dauer schaffen kann, wird als Indikator die Zahl an Intensivbetten in den Krankenhäusern gewertet. Als absolutes Maximum stehen 90 Betten bereit, damit es sich aber nicht um einen Ausnahmezustand handelt, sollten sich nicht mehr als 40 Patienten auf der Intensivstation befinden. Im Schnitt verlassen Covid-19-Patienten die Intensivstation nach drei Wochen.   


09.04.2020, Bayern, München: Eine Maschine nimmt im Diagnostiklabor für die Covid-19 Studie der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) abgetrenntes Plasma einer Blutprobe aus der Studie zur Analyse auf Covid-19 spezifische Antikörper auf. Im Rahmen der Studie mit dem Titel «Prospektive Covid-19 Kohorte München» (KoCo19) werden stichprobenartig Blutproben von 3000 Haushalten in München analysiert, um unter anderem herauszufinden, wie sich das Virus tatsächlich in der Gesellschaft ausgebreitet hat. Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Luxemburg startet eine repräsentative Studie, um besser zu verstehen, wie sich das Corona-Virus verbreitet. Der Leiter der Studie, Prof. Rejko Krüger, erklärt, was es mit der Untersuchung auf sich hat.

Trotz der ab Montag eintretenden Lockerungen des öffentlichen Lebens, also der Öffnung unter anderem des Einzelhandels und dem Recht, pro Woche bis zu sechs Personen aus zwei verschiedenen Haushalten bei sich zu empfangen, kann laut Simulation einer Überlastung der Krankenhäuser entgangen werden. Wichtig ist jedoch, dass die Abstandsregel bestmöglich beachtet wird und auch das Tragen der Maske berücksichtigt.

Mit einer weiteren Simulation rechneten die Wissenschaftler vor, was passieren würde, wenn einmal pro Woche eine Hausparty mit zehn Personen abgehalten würde und die Restaurants, samt Einhaltung des Zwei-Meter-Abstandes, wieder öffnen würden. Die Kapazitätsgrenze würde wohl überschritten. Wie die Simulation aussehen würde, wenn nur die Restaurants öffnen würden und keine Hauspartys stattfinden würden, wurde nicht gezeigt. 

Fest steht für die Wissenschaftler aber: Die Verbreitung des Virus wird wohl vor allem über soziale Kontakte wieder beschleunigt werden. 

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