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Hohe Ansprüche
Leitartikel Lokales 2 Min. 22.04.2015

Hohe Ansprüche

Kevin ZENDER
Kevin ZENDER
Das kleine Luxemburg kann sich glücklich schätzen, auf einige Athleten zählen zu können, die die einheimischen Farben in der Weltspitze ihrer jeweiligen Sportart vertreten.

Das kleine Luxemburg konnte sich in den vergangenen Jahren und kann sich auch derzeit noch immer glücklich schätzen, auf einige Athleten zählen zu können, die die einheimischen Farben in der Weltspitze ihrer jeweiligen Sportart vertreten.

Sportminister Romain Schneider meinte am vergangenen Donnerstag beim Empfang des amtierenden Sportler des Jahres, Gilles Muller: „Ich war nicht überrascht darüber, dass Gilles Muller im vergangenen Jahr zum Sportler des Jahres gewählt wurde. Allerdings war ich erstaunt, als ich erfuhr, dass er es vorher noch nicht auf Platz eins geschafft hatte.“

In der Tat hatte der beste Luxemburger Tennisspieler aller Zeiten seinen Namen vor 2014 noch nie in die Siegerliste eintragen dürfen. Und dies lag sicherlich nicht immer an seinen Resultaten, die in den Jahren zuvor auch bereits teilweise hervorragend waren. Oft war jedoch ein anderer Luxemburger Sportler noch einen Tick besser – zumindest aus Sicht der Mitglieder des nationalen Sportpresseverbandes, die den Sportler des Jahres wählen.

„Mulles” hob am Donnerstag ebenfalls die Qualität der besten einheimischen Sportler hervor: „Im Training erlebe ich oft, wie hart die nationalen Spitzensportler schuften. Es gibt sicherlich viele, die diesen Titel einmal verdient hätten. Wir halten mit den Besten der Welt mit oder bezwingen sie gar und dies, obwohl wir mit bescheideneren Mitteln als unsere Gegner kämpfen müssen.“

Je mehr man über diese Sätze nachdenkt, umso deutlicher wird einem, wie oft die Leistungen der Luxemburger Sportler nicht mehr so geschätzt werden, wie sie es verdient hätten, oder wie schnell sie in Vergessenheit geraten.

Aufgrund der für ein solch kleines Land wie Luxemburg erzielten Resultate in den vergangenen Jahren sind die Ansprüche enorm gestiegen. Andy Schlecks 20. Platz bei der Tour de France 2013 reichte nicht einmal, um in die Vorauswahl zum Sportler des Jahres zu kommen. Fränk Schlecks zwölfter Rang bei der Frankreich-Rundfahrt im vergangenen Jahr wurde gar von einigen Sportfans als „Enttäuschung” abgestempelt. Er sei zu größeren Taten fähig und habe in der Vergangenheit ja ebenfalls bessere Resultate aufweisen können, so lauteten die Argumente.

In solchen Momenten wird einem bewusst, wie verwöhnt wir sportinteressierten Luxemburger doch in der rezenten Vergangenheit waren. Jahrzehntelang lechzte man in verschiedenen Sportarten nach guten Resultaten. Und nun ist manchmal ein gutes Ergebnis nicht mehr gut genug.

Jeder sollte sich schleunigst bewusst werden, dass es immer mal wieder Ausnahmekönner in verschiedenen Sportarten geben wird und nach deren Karriere wieder eine Durststrecke folgen wird. Auch hier ist Gilles Muller ein gutes Beispiel. Wer weiß, ob Luxemburg je wieder einen solchen Hochkaräter im Männertennis hervorbringen wird? Derzeit ist jedenfalls keiner in Sicht.

Vielleicht werden sich die einheimischen Sportfans künftig wieder über kleinere Erfolge ihrer Spitzensportler freuen. Und wenn nicht, bleibt immer noch die Fußball-Nationalmannschaft, denn deren Trainer Luc Holtz träumt laut Aussagen seines Präsidenten Paul Philipp von der Qualifikation für ein großes Turnier. Manche mögen es eben, die Messlatte selbst hochzulegen.


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