Höhlen im Großherzogtum

Luxemburg unterirdisch

Höhlenforschung ist streng geregelt

Die Grotte de la Vierge ist mit 430 Metern die drittlängste Höhle im Land.
Die Grotte de la Vierge ist mit 430 Metern die drittlängste Höhle im Land.
Foto: Jérôme Konen

Was auf der Erde passiert, kann fast jeder sehen. Doch alles was unter Tage geschieht, ist nur für einige Wenige sichtbar: in den 150 Höhlen des Großherzogtums gibt es zwar weder Höhlenmalereien noch stehende Gewässer, dafür aber überwintern Fledermäuse in manchen von ihnen.

In Luxemburgs Unterwelt verbergen sich Höhlen aller Größenordnungen. Genauer gesagt sind im Kataster etwa 150 Höhlen, allesamt Naturhöhlen, vermerkt. Die Zahl „150“ variiert jedoch ständig. Ab und zu werden neue Höhlen entdeckt und andere verschwinden wieder, unter anderem bedingt durch die Erosion des Sandsteins, die Höhlen in sich zusammenfallen lässt. Die hiesigen Höhlen bestehen alle aus Sand
stein oder liegen in Kalkfelsmassiven. Sie befinden sich hauptsächlich im Osten des Landes: im Müllerthal, im Mamertal und vereinzelt entlang der Sauer sowie in der Moselgegend.

Die tiefste Stelle in der Grotte Ste-Barbe wird Kathedrale genannt.
Die tiefste Stelle in der Grotte Ste-Barbe wird Kathedrale genannt.
Foto: Jérôme Konen

Zu den natürlich entstandenen Höhlen gesellen sich die durch Menschenhand entstandene Grotten hinzu, wie die sogenannten „Mamerleeën“ in der Nähe von Mersch. Zu den natürlichen Hohlräumen zählt sowohl das, was der Mensch gemeinhin als „Höhle“ bezeichnet, als auch die sogenannten „Brunnen“. Dies sind tief nach unten führende Schächte und stellen eine Ausnahme dar. Höhlen sind in der Regel nämlich nach oben hin geschlossen, was bei den Brunnen folglich nicht der Fall ist. Das ist auch der Grund, warum Spalten und Schluchten, die durch Felsstürze entstanden sind, nicht zu den Höhlen gezählt werden. Liegen ein paar Höhlen gleich nebeneinander, haben zusammen mehrere Eingänge und sind auf irgend eine Art und Weise miteinander verbunden, spricht man von einem Höhlensystem. Die Länge der Höhle wird aus allen Haupt- und Nebengängen zusammengerechnet.

Fließendes Wasser gibt es in luxemburgischen Naturhöhlen genauso wenig wie Höhlenmalereien. Auch wurden noch keine Höhlen gefunden, in denen sich stehendes Wasser, eine Art unterirdischer See, befindet – abgesehen von gelegentlichen Regenpfützen im Eingangsbereich. Doch es gibt künstliche Hohlräume, wie stillgelegte Minen, die überflutet sind. In der Kupfermine in Stolzemburg erreichte 1983 ein Taucher die sensationelle Tiefe von 100 Metern.

Im Großherzogtum sind alle natürlichen Höhlen und vom Menschen geschaffene Hohlräume als geschützte Biotope erklärt.

Eintauchen gestattet – 
nicht überall, nicht jedem

Es ist streng geregelt, wer wann wo welche Höhle betreten darf. Eine geschriebene Einverständniserklärung der zuständigen Gemeinde bzw. der Naturverwaltung ist notwendig, um eine Höhle besichtigen zu dürfen. Dies gilt auch für Speläologen. Diese Maßnahme wurde ergriffen, weil Höhlen Stellen beherbergen, die zu gefährlich sind, um sie alleine und ohne fachkundige Unterstützung zu bewältigen. Das Befahren der Höhlen erfordert technisches Wissen und Know-how.

Nicht alle Höhlen sind zu Fuß begehbar. Viele Stellen müssen mit Hilfe von Seilen überwunden werden. Dazu kommt, dass es in dem tiefen Inneren kalt, dunkel und feucht ist. Ergriffen wurden diese strengen Regeln aber auch, um die dort überwinternden Fledermausbestände nicht zu stören. Das Naturschutzgesetz verbietet, dass Höhlen während der Monate Oktober bis April betreten werden. Ziel dieser Vorgehensweise ist ebenfalls, dass die Höhlen sauber bleiben und niemand seinen Dreck, der sich nur sehr langsam zersetzt
– wenn überhaupt – zurücklässt.

Speläologen – 
Forschung und Abenteuerlust

Hinab- und hineinsteigen dürfen die Mitglieder der speläologischen Vereine Luxemburgs, wohlverstanden nur mit einer Genehmigung. Die beiden bekanntesten sind die „Groupe spéléologique luxembourgeois“ (GSL) sowie die „Groupe spéléologique de l'Attert“. Die luxemburgischen Höhlenforscher von dem GSL und von der Attert untersuchen und erforschen Höhlen schon seit über 50 respektive 20 Jahren und finden manchmal noch unerforschte unterirdische Hohlräume. Sie helfen auch mit, die Höhlen sauber zu halten. Von Zeit zu Zeit steigen sie hinein, um auf freiwilliger Basis den Abfall, den Besucher zurückgelassen haben, wieder ans Tageslicht zu befördern. 

Das Höhlenlabyrinth der Höhle von Moestroff ist über viereinhalb Kilometer lang.
Das Höhlenlabyrinth der Höhle von Moestroff ist über viereinhalb Kilometer lang.
Foto: Jérôme Konen

Das Material der Speläologen ist von der Höhle abhängig. Meistens brauchen sie Schutzkleidung gegen Kälte, Nässe und Schlamm. Immer dabei sind gutes Schuhwerk, Helm und Lampe. Wichtig ist, nicht alleine zu gehen bzw. jemand anderem genau zu sagen, wo man hingeht. Das Wirtschaftsministerium, auch zuständig für den Tourismus, vergab eine finanzielle Unterstützung, um die Höhlenforschung in Luxemburg zu betreiben. Die Speläologen befürchten, dass die Höhlenbefahrung in Zukunft noch komplizierter werden wird, sobald das „Mëllerdall“ als Naturschutzgebiet erklärt wurde. Die Fotos hat der GSL uns zur Verfügung gestellt und sind ebenfalls in ihrem 2009 erschienenen Buch zu sehen.