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Hobby-Meteorologen: Direkter Draht zum Wetterfrosch
Achim Wehnert beschäftigt sich seit einer Orkanserie im Winter 1990 mit dem Wetter.

Hobby-Meteorologen: Direkter Draht zum Wetterfrosch

Achim Wehnert
Achim Wehnert beschäftigt sich seit einer Orkanserie im Winter 1990 mit dem Wetter.
Lokales 4 Min. 23.01.2015

Hobby-Meteorologen: Direkter Draht zum Wetterfrosch

Wenn am Samstag Schnee fällt, werden ihre Vorhersagen wieder besonders gefragt sein. Hobby-Meteorologen haben sich in Luxemburg eine wahre Fan-Gemeinschaft im Internet aufgebaut.

Von Kerstin Smirr

"Ich sitze jeden Tag morgens um 5 Uhr vor meinem Computer und schaue mir die Wetterlage an. Zwischen 6 und 7 Uhr ist meine Vorhersage dann auf Facebook zu finden", erzählt Jean-Marie Huberty von Meteo Kehlen. Seit zwei Jahren informiert er seine Mitmenschen über Sonnenschein und Regen, Schneefälle oder heftige Winde. Damit ist er einer von etwa einem halben Dutzend Hobby-Meteorologen in Luxemburg. Sie geben ihre Erkenntnisse auf ihren eigenen Internetseiten, via E-Mail, Facebook oder gar App weiter.

Im Großherzogtum haben sich die Amateure eine regelrechte Fan-Gemeinschaft im Internet geschaffen, vor allem auf den sozialen Netzwerken. Météo Boulaide folgen auf Facebook beispielsweise mehr als 15.000 Nutzer. Sie vertrauen auf die Prognosen des 16-jährigen Schülers Philippe Ernzer. Er weiß: “Wenn Schwung ins Wetter kommt, schnellen die Klickzahlen in die Höhe.” Achim Wehnert aus Echternach teilt seine Vorhersagen als einer der wenigen schon fast klassisch per SMS und E-Mail: "Meinen täglichen Newsletter haben 300 bis 400 Personen abonniert."

Philippe Ernzer haben TV-Dokus über Tornados zur Wetterbeobachtung gebracht.
Philippe Ernzer haben TV-Dokus über Tornados zur Wetterbeobachtung gebracht.
Philippe Ernzer

Hobby-Wetterfrösche antworten auf Nutzeranfragen

Mit ihrem Einsatz schaffen es die Autodidakten, eine Nische zu besetzen. Reaktiv und regional: Das sind ihre Stärken. Der staatliche Wetterdienst MeteoLux auf dem Findel gibt täglich um 7 und 14 Uhr nationale Vorhersagen, die sogenannten Bulletins, heraus, bei Warnungen werden sie aktualisiert. “Ich kann hingegen minütlich Aktualisierungen auf meiner Facebook-Seite veröffentlichen”, meint etwa Sven Rock von Meteo Remich. Weiterer Vorteil: Der direkte Draht zu den Hobby-Meteorologen und ihre regionale Verankerung. “Wie viel Schnee fällt heute bei mir?” Auf Fragen wie diese erhalten die Fans auf Facebook schnell eine Antwort.

Doch sind die Vorhersagen der Amateure wirklich verlässlich? Darüber möchte Martina Reckwerth, Leiterin der meteorologischen Abteilung beim staatlichen Wetterdienst MeteoLux, keine Bewertung abgeben. Nur so viel: "Sie betreiben es als Hobby. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wir versuchen, unserer Verantwortung gegenüber den Bürgern gerecht zu werden." Und verweist darauf, dass ihr Dienst 23 ausgebildete Meteorologen und Klimatologen beschäftigt. Zudem verfüge MeteoLux über eine professionelle Messstation auf dem Findel. "Wir arbeiten eng mit internationalen Wetterdiensten zusammen. Warnungen entsprechen bei uns nicht Grenzwerten, die auf unseren Mist gewachsen sind."

Ein teures Hobby

Während die Messstation auf dem Findel samt technischer Ausstattung mehrere Hunderttausend Euro wert ist, ist die semi-professionelle Ausrüstung der Amteure um einiges günstiger, aber für Privatpersonen auch nicht geschenkt. Da werden Masten aufgestellt, Bodentemperaturen, Niederschlagsmengen und Sonnenstunden gemessen, Daten rund um die Uhr erfasst und ausgewertet, Blitze fotografiert. Eine semi-professionelle Wetterstation kann leicht über 1000 Euro kosten. Hinzu kommen Ausgaben für einen leistungsfähigen Computer zur Auswertung, Spiegelreflexkameras und Abonnements für meteorologische Dienstleister im Internet, die globale Wetterdaten und Kartenmaterial anbieten. “Das kann schon in die Tausende gehen”, sagt etwa Henri Nilles.

Sven Rock von Meteo Remich sagt nicht nur das Wetter voraus, sondern hält Sonne und Wolken auch gerne mit seiner Kamera fest.
Sven Rock von Meteo Remich sagt nicht nur das Wetter voraus, sondern hält Sonne und Wolken auch gerne mit seiner Kamera fest.
Sven Rock

Das Interesse für ihr Hobby begann bei jedem der Amateur-Meteorologen auf eine andere Weise. Nilles fing 1997 als Gemeindearbeiter in Kopstal an zu arbeiten, Schneeräumen inbegriffen. “Wenn ich Streudienst hatte, wusste ich was auf mich zukommt. Irgendwann riefen dann Kollegen an und fragten nach.” Heute brauchen sie nicht mehr zum Hörer zu greifen, ein Blick auf die Seite von Meteobridel genügt.

Luca Mathias widmet sich drei bis vier Stunden pro Tag dem Wetter - außer, es stehen an der Uni Klausuren an.
Luca Mathias widmet sich drei bis vier Stunden pro Tag dem Wetter - außer, es stehen an der Uni Klausuren an.
Luca Mathias

Der 22-jährige Luca Mathias studiert in Köln Meteorologie, für ihn ist das Hobby eine Art praktische Weiterbildung nebenbei. Die Technik steht zuhause in Niederkerschen. "Wenn man einmal eine richtige Leidenschaft aufgebaut hat, begleitet einen dieses Hobby jeden Tag", erzählt er. Bei ihm drei bis vier Stunden täglich, bei extremen Wetterlagen sitzt der Student bis tief in die Nacht vor dem Rechner.

Jean-Marie Huberty lässt sein Hobby selbst im Urlaub nicht los: "Im vergangenen Jahr habe ich mir ein Hotel mit kostenlosem WLAN ausgesucht, um ein oder zwei Mal pro Tag am Swimmingpool schauen zu können, wie das Wetter wird."

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