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Hobby: Diesellokomotiven sammeln

Hobby: Diesellokomotiven sammeln

Hobby: Diesellokomotiven sammeln

Hobby: Diesellokomotiven sammeln


von Nicolas ANEN/ 22.07.2019

Fernand Banz ist im Besitz von 27 Diesellokomotiven. Foto: Lex Kleren

Fernand nennt nicht eine, nicht zwei, sondern ganze 27 Dieselloks sein eigen. Im Escher Ellergronn hat er einen kleinen Eisenbahnring auf seinem Grundstück errichtet.

„Wenn ich groß bin, kaufe ich mir eine Lokomotive.“ Das soll Fernand Banz, als er noch ein kleiner Junge war, seiner Mutter einmal gesagt haben. „Du bist ein Esel“, habe sie ihm darauf geantwortet. Das hat Fernand Banz aber sichtlich nicht entmutigt. 

Im Gegenteil, heute sammelt er alte Diesellokomotiven. Maschinen, die in Industriegebieten bis noch vor einigen Jahrzehnten im Einsatz waren. Sind sie nicht mehr funktionstüchtig, dann werden sie es von ihm gemacht.

Sein Ziel: Dass sie auf einem Schienenkreis im Ellergronn, beim Escher Naturreservat, ihre Runden drehen. „Das würde sicherlich zusätzliche Leute anziehen“, ist er überzeugt.

Einen Teil der Gleise hat er bereits verlegt, beziehungsweise verlegen lassen. Denn mittlerweile ist Fernand Banz 81 Jahre alt. Er wünscht sich Anerkennung von der öffentlichen Hand. 

Fernand Bantz, auf seinen Schienen unterwegs, hier entlang des Zechenhaus.
Fernand Bantz, auf seinen Schienen unterwegs, hier entlang des Zechenhaus.
Foto: Lex Kleren

„Wie kann es sein, dass in Esch so wenig aus Zeiten der industriellen Epoche vorhanden ist?“, fragt er. Er selbst sei nie in seinem Unterfangen unterstützt worden, wiederholt er immer wieder. Mal klingt es wie ein Vorwurf. Mal klingt aber auch ein gewisser Stolz mit. 

 Arbed-Gebäude zum Maschinenschuppen umgebaut 

Um seinen Plänen nachzugehen, hat sich der ehemalige Bankangestellte nicht vor Investitionen gescheut. So hat er 1994 kurzerhand die ehemalige elektrische Zentrale der Arbed im Ellergronn erworben. Das Gebäude, in dem sich heute das Restaurant Am Zechenhaus befindet. 

Im vorderen Teil des Gebäudes hat Fernand Banz ein Lokal eingerichtet.
Im vorderen Teil des Gebäudes hat Fernand Banz ein Lokal eingerichtet.
Foto: Lex Kleren

„Die Bude war eine Ruine“, erzählt er. Doch er brauchte Platz, um seine Lokomotiven unterzubringen. Also setzte er die leer stehende Zentrale, Baujahr 1926, wieder in Schuss. 

Das war 1995, zwei Jahre vor seiner Pensionierung. Erst wurde das Dach renoviert. Später kippte er in den Innenbereich baggerweise Schlacken und legte Schienen.  

Eine Lok für 80000 Franken

Lokomotiven hatte er bereits zuvor gekauft. Die erste im Jahr 1987. „Ich fuhr auf der Autobahn in Frankreich und sah dann eine Diesellokomotive auf einem Depot eines Unternehmers bei Hauconcourt“, erzählt er.

Der Unternehmer hatte sich die Lokomotive für ein Geschäft besorgt, für das er letztendlich den Auftrag nicht erhielt. „Er war froh, sie wieder los zu werden“, erzählt Fernand Banz. Er erhielt sie für umgerechnet 80 000 luxemburgische Franken.
 

Seine damalige Partnerin habe nichts zum Kauf gesagt, erzählt er. „Sie wusste noch nicht, wie viele folgen würden“, sagt er trocken.  

Im Besitz von 27 Diesellokomotiven 

Die Lokomotiven stehen in der ehemaligen elektrischen Zentrale der Arbed.
Foto: Lex Kleren

Heute ist Fernand Banz, eigenen Aussagen zufolge, im Besitz von 27 Lokomotiven. Die meisten stammen aus der ehemaligen DDR. 

Dorthin fuhr er kurz nach dem Mauerfall. Mittlerweile war er mit seiner zweiten Frau zusammen. Sie fuhr meistens mit. Um die 25 000 Kilometer habe er zurückgelegt, erzählt er begeistert.  

Auf Loksuche beim Nikolaus 

Fernand Banz
Fernand Banz
Foto: Lex Kleren

Sah er hohe Schornsteine aus Ziegeln, steuerte er darauf zu. Oft seien es verlassene Industriegelände gewesen. Dann habe die Detektivarbeit begonnen. 

„Als die Leute meinen Mercedes sahen, machten sie große Augen. Ich fragte Einwohner, wer für die abgestellten Lokomotiven zuständig war. Oft bekam ich Antworten wie: ,Das war der Nikolaus, der wohnt dort um die Ecke‘.“  

War der Wohnort des „Nikolaus“ bis ausgemacht, versuchte er mit ihm herauszufinden, wem die Lokomotiven mittlerweile gehörten. Und, falls möglich, schlug er vor, sie abzukaufen. 

„Hatte ich zwei, drei Stück erworben, ordnete ich einen Transporter, um sie nach Luxemburg zu bringen.“ Dort setzt er sie wieder instand. Und das bis heute.

Die gesamten Ersparnisse 

Wie viel Geld er insgesamt investiert habe, wisse er nicht. Es sei auch besser, er mache die Rechnung nicht. „Denn ansonsten würde ich aus allen Wolken fallen.“ Er habe nie große Weltreisen unternommen. Alle seine Ersparnisse seien in seine Lokomotiven und ins Zechenhaus geflossen.

Dort hat er, auf Wunsch seiner zweiten Frau, ein Lokal eingerichtet. „Es war ihr Traum, eine Gaststätte zu betreiben.“ Doch seine zweite Partnerin sollte ihn kurz danach wieder verlassen, erzählt er weiter. So betrieb er selbst das Restaurant von 2005, Zeitpunkt der Eröffnung, bis 2014. 

Dafür hat er dort die Person kennengelernt, die mittlerweile seine dritte Partnerin ist.  

Fernand Banz bei seinen Lokomotiven.
Fernand Banz bei seinen Lokomotiven.
Foto: Lex Kleren

 „Leute, die arbeiten, werden dafür bestraft“

Durch die Arbeit im Lokal erlitt er aber auch einen Unfall. „Als ich am vorletzten Tag Waren beim Großhändler besorgte, verfing ich mich dort in einem Teppich und stürzte. Dabei war ich jahrelang dreimal die Woche dort ein und aus gegangen.“ 

Er macht eine kurze Pause und fügt etwas verbittert hinzu: „Leute, die arbeiten, werden dafür bestraft. Faulenzer nicht.“ Denn seit diesem Sturz kann er Schwerarbeit, wie Schienen biegen oder legen, nicht mehr verrichten. So ist er auf Hilfe angewiesen, um seinen Eisenbahnparcours zu vervollständigen und die Lokomotiven zu renovieren

 „Ich bin kein Sturkopf“  


Ellergronn, Esch Alzette. Photo Guy Wolff
Große Pläne für die Mine Cockerill
Der Entente Mine Cockerill schweben drei Projekte vor, damit der Besuch des Minengeländes im Ellergronn in Esch zum Erlebnis wird - darunter ein Zug und eine geführte Begehung eines Minenstollens.

Doch das ist nicht der einzige Punkt, der ihn verbittert. Immer wieder kommt er auf die Stadt Esch zu sprechen. „Esch war einst das Zentrum der Minette. Ich verstehe nicht, dass sich heute so wenig dafür interessiert wird.“ 

Während all der Jahre habe er politisch Verantwortliche der Stadt aufgesucht. Hilfe habe er keine erhalten. 

„Ich bin kein Sturkopf“, behauptet er. Doch dann erzählt er von einer Unterredung vor Jahren, in einem Ministerium. Der Beamte sei ihm wohlgesonnen gewesen. Fernand Banz habe ihm drei Schienenpläne vorgelegt. 

Doch dann habe er den Beamten gefragt, ob das Ministerium sich auch an seinen Unkosten bei seinen Reisen, in Zusammenhang mit der Lokomotivrestaurierung, beteiligen könnte. Darauf gab es ein klares Nein. So wurde das Gespräch abgebrochen. 

Kein Verein

Dort fühlt sich Fernand Bantz wohl: am Steuer seiner "Draisine".
Dort fühlt sich Fernand Bantz wohl: am Steuer seiner "Draisine".
Foto: Lex Kleren

Auch habe es mal Bestreben gegeben, einen Verein zu gründen, wo eisenbahnaffine Mitstreiter sich um die Renovierung der Lokomotiven kümmern sollten. Zehn Personen seien interessiert gewesen.

Doch laut Banz' Vorstellung sollten die Mitglieder mit 300 000 bis 400 000 luxemburgischen Franken einsteigen. Doch das wollte keiner. „Ich kann doch nicht alles finanzieren und später aus dem Verein geschmissen werden“, verteidigt er sich. 

So kam es, dass er alles alleine auf sich nahm. „Heute würde ich das Ganze nicht wieder tun“, versichert er. 

Mit der Bahn zur Mine Cockerill im Ellergronn 

Vorstellen könnte er sich mittlerweile, eine Konvention mit Staat oder Gemeinde zu unterschreiben, laut der er seine Lokomotiven und sein Gelände zur Verfügung stellen würde. 

Dann könnte der Eisenbahnring auch bis zur Mine Cockerill und den Gebäulichkeiten der Naturschutzverwaltung im Ellergronn weitergeführt werden. Die stehen auf staatlichem Gebiet.

Die Schienen könnten sein Zechenhaus mit der Mine Cockerill verbinden, ist Fernand Banz überzeugt.
Die Schienen könnten sein Zechenhaus mit der Mine Cockerill verbinden, ist Fernand Banz überzeugt.
Foto: Lex Kleren

 „Das wäre ein Parcours von zwischen 1 300 und 1 400 Meter Schienen. Mit Lokomotiven, die mit 20 km/h fahren“, schwebt es ihm vor. Heute hat er bereits einen kleinen Parcours auf seinem Gelände eingerichtet. Doch hört dieser auf, wo sein Grundstück aufhört.  

Aber er will auf jeden Fall im Besitz seines Fuhrparkes bleiben. „Ich hab das alles ja selbst finanziert und aufgebaut“, sagt er und zeigt auf Schienen und Lokomotiven. Auch sei er kein „Bettler“. 

Demnächst steht eine Unterredung mit Vertretern vom europäischen Kulturjahr Esch 2022 bevor. Vielleicht geht doch noch was?

Mit dem Vater in der Lokomotive unterwegs


Hauts Fourneaux, Hochofen, Schmelz, Esch Beval, Foto Lex Kleren
Ein Netzwerk für Industriekultur
Das CNCI (Centre national de culture industrielle) kommt doch noch. Dies kündigte Kulturministerin Sam Tanson am Donnerstag im Parlament an.

„Ich würde das Ganze heute nicht wieder tun“, wiederholt er. Doch daran darf man zweifeln. Seine Leidenschaft für Lokomotiven wurde ihm von klein auf in die Wiege gelegt.  

Sein Vater fuhr eine Diesellok auf dem Steebierg in Rümelingen. „Damals hatte er seinen Chef um Erlaubnis gefragt, einen zusätzlichen Sitz zu montieren, damit ich mitfahren konnte.“ Der Chef hatte zugesagt.

Die Familie wohnte beim Tetinger Bahnhof. Vom Fenster aus beobachtete er stundenlang das Ballett der Lokomotiven, während die Minettesteine aus den kleinen Buggys in den größeren „Talbotwagen“, große Eisenbahnwagen, geladen wurden. 

Es muss an einem dieser Tage gewesen sein, als er seiner Mutter sagte: „Wenn ich groß bin, kaufe ich mir eine Lokomotive.“  


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