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HIV-Autotest: Apotheken verkaufen wenige Exemplare
Lokales 3 Min. 21.02.2020

HIV-Autotest: Apotheken verkaufen wenige Exemplare

In Luxemburg leben geschätzt etwa 1.200 Menschen mit HIV.

HIV-Autotest: Apotheken verkaufen wenige Exemplare

In Luxemburg leben geschätzt etwa 1.200 Menschen mit HIV.
Foto: Getty Images
Lokales 3 Min. 21.02.2020

HIV-Autotest: Apotheken verkaufen wenige Exemplare

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Seit dem Sommer 2019 gibt es hierzulande HIV-Selbsttest für zu Hause. Doch laut den Pharmazeuten werden derzeit nur wenige solcher Tests in Apotheken verkauft. Die Supermarktkette Cactus hat andere Verkaufszahlen.

Jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zufolge leben derzeit etwa 38 Millionen Menschen weltweit mit HIV. Im Großherzogtum sind geschätzt rund 1 200 Menschen von dem Virus betroffen. Insgesamt 40 Neuansteckungen verzeichnete das Land im vergangenen Jahr. Eine frühzeitige Erkennung der Infektion schützt nicht nur vor einer unwissenden Übertragung des Virus, sondern, dank erfolgreicher Behandlungen, auch vor einer eventuellen Aids-Erkrankung. 


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Die diesjährigen HIV-Zahlen geben Hoffnung: Bis Ende November haben sich in Luxemburg weniger Menschen mit dem Virus angesteckt als im Vorjahr.

Um schnell, anonym und einfach eine zuverlässige Diagnose zu erhalten, gibt es seit vergangenem Sommer die sogenannten Selbsttests für zu Hause. Interessierte können diese hierzulande in jeder beliebigen Apotheke kaufen – seit dem 22. November sind die Autotests auch in allen Cactus-Läden des Landes erhältlich. Wie Christopher Probst, Pressesprecher der Supermarktkette, erklärt, wurden von Ende November bis Anfang Februar – also in weniger als drei Monaten – insgesamt 179 solcher Tests zu einem Preis von 20 Euro an Cactus-Kunden verkauft

Wenige Verkäufe in Apotheken 

Etwas ernüchternder klingt hingegen die Bilanz bei den Pharmazeuten. „Die meisten Apotheker gaben an, seit dem Sommer nur wenige Produkte verkauft zu haben. Die HIV-Autotests werden den Kunden zum Preis von 29,90 Euro angeboten“, erklärt Théodore Biewer, Berater beim luxemburgischen Handelsverband (clc), der das Apotheker-Syndikat in dieser Frage vertritt. 

Der Meinung, dass die Zahl der Verkäufe möglicherweise von der Lage der jeweiligen Apotheken abhängt, ist Danielle Becker-Bauer, Vizepräsidentin des Pharmazeuten-Syndikats: „Bei uns in Bettemburg haben Kunden seit September erst sechsmal nach einem solchen Test gefragt. Davon wurden alleine im Dezember, also rund um das Datum des HIV-Welttages (1. Dezember), fünf verkauft. In der Hauptstadt oder in Esch/Alzette ist das Interesse vielleicht größer, da dort auch mehr Menschen unterwegs sind.“ 

Ein zuverlässiges Ergebnis liefert der HIV-Selbsttest erst drei Monate nach einer möglichen Infizierung.
Ein zuverlässiges Ergebnis liefert der HIV-Selbsttest erst drei Monate nach einer möglichen Infizierung.
Foto: Lex Kleren

Und tatsächlich: In der Pharmacie du Globe im hauptstädtischen Bahnhofsviertel klingt das Feedback ein wenig anders. Dort werden laut dem Betreiber der Apotheke im Schnitt drei bis vier HIV-Autotests im Monat verkauft. In der Apotheke Trierweiler am Boulevard J.-F. Kennedy in Esch/Alzette wiederum unterscheidet sich die Situationsbeschreibung kaum von der des clc-Beraters: „Nur sehr wenige, oder fast keine Tests wurden verkauft.“

Enttabuisierung des Themas HIV   

Alles in allem scheint das „regelmäßig sich testen lassen“, noch nicht ganz bei der Allgemeinheit angekommen zu sein, so der Apothekenbetreiber. Vielmehr würden sich Betroffene erst nach einem risikoreichen Sexualverhalten einem Test unterziehen


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Sandy Kubaj, Direktionsbeauftragte der HIV-Berodung, ist sich sicher, dass mehr Menschen auf das Angebot in Apotheken und Läden zurückgreifen würden, wäre da nicht eine gewisse Hemmschwelle: „Viele Betroffene erkundigen sich bei uns vor dem Kauf nach den Autotests. Somit wissen wir, dass Interesse besteht. Ich denke aber, dass die Produkte in den Verkaufsstellen nicht immer ideal, also sichtbar, platziert werden. Was den Kauf einschränkt, da sich viele Kunden davor scheuen, den Verkäufer um Auskunft zu fragen.“ Die Beratungsstelle stellt Betroffenen keine HIV-Autotests aus, bietet ihnen jedoch kostenlose Blut- und Schnelltests an. 


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Als Konkurrenz zur HIV-Anlaufstelle sieht Kubaj die neuen Verkaufsstellen nicht. Vielmehr seien es zusätzliche Plattformen, um das Thema HIV zu enttabuisieren und die Menschen zu einem regelmäßigen Testen zu sensibilisieren. „Unsere Beratungsstelle ist wichtig, da Betroffene hier rundum informiert werden. Wir haben wegen der Autotests auch keine Senkung unserer Besucherzahlen festgestellt“, erklärt Kubaj und fügt hinzu: „Zusammen mit dem Gesundheitsministerium wollen wir demnächst eine neue Sensibilisierungskampagne lancieren, bei der die Menschen über die unterschiedlichen Testmöglichkeiten aufgeklärt werden.“


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