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Historie: Als in Luxemburg noch die Tram fuhr
Lokales 20 2 Min. 05.09.2014

Historie: Als in Luxemburg noch die Tram fuhr

1875 fuhr die erste Tram durch die Hauptstadt. Vor 50 Jahren verschwanden die Bahnen aus dem Verkehrsbild. Nun steht der Bau einer neuen Tram vor der Tür.

(AH) - Wo Neues entsteht, muss Altes oft weichen. Am 5. September 1964 verschwand in Luxemburg die letzte Trambahn aus dem hauptstädtischen Verkehrsbild. Im Zuge der Modernisierung und Verkehrsentwicklung musste die altbewährte Tram den Autobussen weichen. 34 Trambahnen und 22 Anhänger fuhren zwischen 1875 und 1964 durch die Stadt Luxemburg. Genau 50 Jahre nachdem die letzte Tram durch die Hauptstadt gefahren ist, steht in Luxemburg der Bau einer neuen Tram vor der Tür. Bereits im Herbst 2017 soll der erste Abschnitt zwischen der LuxExpo und der Roten Brücke in Betrieb gehen, bis 2018 will man die Oberstadt durchquert haben.

Mit der Abschaffung der Tram schwand ein besinnlicher Rest der Zeit vor 1914 dahin. Am 3. Februar 1875 fuhr die erste Tram durch die Hauptstadt. Sie besaß keinen elektrischen Antrieb, sondern wurde von Pferden gezogen. Sie fuhr vom hauptstädtischen Bahnhof über die „Passerelle“ zum Athenäum. Bereits kurze Zeit später wurde diese Linie bis zum Glacis hinauf verlängert. Für die „Päerdstram“ gab es außer dem „Roude Pëtz“ in der „Groussgaass“ keine fixen Haltestellen. Der Kutscher hielt an, sobald einer der Fahrgäste den Arm oder Reisestock hochhielt.

Im Jahr 1908 wurde das Privatunternehmen der Pferdebahn von der Stadt Luxemburg übernommen und das Pferdegespann durch elektrische Triebwagen ersetzt. Etwa sieben Millionen Fahrgäste wurden jährlichen befördert. Anfangs wurden die Wagen von der Stadt Luxemburg in Deutschland und Belgien eingekauft. Erst in den 30er-Jahren wurden sie in Luxemburg hergestellt und modernisiert.

Im Jahr 1913 wurde die Linie nach Eich-Dommeldingen eingeführt, 1923 nach Neudorf und Hollerich, 1924 nach Bonneweg, 1926 nach Merl, 1929 nach Rollingergrund und 1930 wurde die Eicher Linie bis nach Walferdingen verlängert. Die etwas kleineren Trambahnen waren mit knapp 18 Sitzplätzen ausgestattet und fuhren durch das Stadtzentrum. Die größeren Straßenbahnen waren robuster und sahen neben 22 bis 24 Sitzplätzen auch Stehplätze vor. Sie fuhren in den Vorstädten, wie zum Beispiel in Merl, Hollerich, Bonneweg, Neudorf, Beggen und Rollingergrund.

89 Jahre Tram in der Stadt Luxemburg

In der Zeit ihres Bestehens hat die Tram ungefähr 62,5 Millionen Kilometer zurückgelegt und rund 397,6 Millionen Fahrgäste transportiert. Nach einer Lebensdauer von 89 Jahren musste die Trambahn den Autobussen weichen. Im April 1926 waren die ersten Busse in der Hauptstadt zu sehen. Sie hatten Benzinantrieb und konnten auch dort eingesetzt werden, wo das Verkehrsnetz der Tram nicht hinreichte.

Nach und nach wurde die Tram abgeschafft. Im November 1952 fiel mit der Neudorfer Linie die erste Tram aus, 1959 wurde die Linie nach Bonneweg stillgelegt, 1960 folgte die Linie nach Limpertsberg sowie 1961 die nach Merl. Am 5. September 1964 wurde die letzte städtische Tram, die über Eich nach Walferdingen fuhr, stillgelegt. Auf dem gesamten Stadtgebiet kamen nun auf einer Fahrstrecke von 114,6 km nur mehr Autobusse zum Einsatz.


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