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Heute ist Welt-Aidstag: Ein Leben mit dem Virus
Viele HIV-Infizierte leben anonym und haben Angst sich zu outen.

Heute ist Welt-Aidstag: Ein Leben mit dem Virus

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Viele HIV-Infizierte leben anonym und haben Angst sich zu outen.
Lokales 3 Min. 01.12.2014

Heute ist Welt-Aidstag: Ein Leben mit dem Virus

Wie stark bestimmt HIV den Alltag von Infizierten? Ist ein normales 
Leben überhaupt möglich? Geschätzte 1.000 Menschen sind 
in Luxemburg mit dem HI-Virus infiziert. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen.

(AH) - Wie stark bestimmt HIV den Alltag von Infizierten? Ist ein normales 
Leben überhaupt noch möglich? Geschätzte 1.000 Menschen sind 
in Luxemburg mit dem HI-Virus infiziert. Seit acht Monaten weiß C.P., dass er HIV-positiv ist. Seiner Familie hat er noch nichts gesagt. Auch seine Freunde wissen noch nichts davon. Zu groß ist die Angst, ausgeschlossen und beurteilt zu werden.

Der 32-Jährige müsste eigentlich in der Blüte seines Lebens stehen, doch die Immunschwächekrankheit Aids wirft einen Schatten auf seinen Alltag. „Als ich die Diagnose erhielt, war das für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Ich dachte, ich müsste sterben und fühlte mich sehr einsam. Seit dem Tod meiner Mutter vor drei Jahren lebe ich auf der Straße. Zum Rest meiner Familie habe ich wenig bis gar keinen Kontakt. Ich bin ein Junkie und verkehre in der Drogenszene. Daher bin ich mir zu 90 Prozent sicher, dass ich mich mit einer kontaminierten Nadel infiziert habe“, erklärt der junge Mann.

Medikamente verhindern die Vermehrung des Virus

Dass die Ansteckungsgefahr in Drogenkreisen hoch ist, dessen war sich C.P. bewusst. „Ich kannte die Risiken, trotzdem handelte ich dieses eine Mal fahrlässig, weil ich mir unbedingt diesen Schuss setzen wollte. Weil ich bereits kurz danach einen Verdacht hegte, mich angesteckt zu haben, machte ich einen Schnelltest, der meine Vermutung kurze Zeit danach bestätigte“, berichtet der Betroffene.

Durch moderne Kombinationstherapien kann das Leben von Menschen mit HIV heute deutlich verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Durch eine frühzeitige Behandlung bleiben Betroffene gesundheitlich stabil und damit auch leistungsfähig.

„Ich nehme jeden Tag meine Medikamente und sehe meiner Zukunft positiv entgegen. Durch die Behandlung hat sich die Anzahl der HI-Viren in meinem Blut schon deutlich verringert und ich habe die Krankheit unter Kontrolle. Trotzdem gilt es, im Alltag mit der Krankheit Hürden zu meistern und vorsichtig zu sein. Für viele ist HIV immer noch ein Tabuthema und die wenigsten zeigen sich solidarisch oder verständnisvoll mit den Betroffenen. Deshalb wissen nur die Menschen meines engsten Vertrauens von meiner Infektion“, so C.P.

In der Drogenszene gebe es keine Freundschaften, erzählt der Junkie weiterhin. Dort zählten nur Geld und Konsum. Gerüchte über jemanden, der sich mit HIV infiziert hat, würden sich dort verbreiten wie ein Lauffeuer. Seinen Drogenfreunden von der Ansteckung zu erzählen, würde nur für Spott und Gelächter sorgen.

„Ich will wieder ein vollkommenes Mitglied der Gesellschaft werden. Obwohl ich ein Junkie bin, bin ich Mensch geblieben und nicht skrupellos geworden, wie viele andere in der Szene. Ich habe Aussicht auf Arbeit und will wieder Kontakt zu meiner Familie aufnehmen. Die ,HIVberodung‘ des Luxemburger Roten Kreuzes betreut mich hervorragend und unterstützt mich auf meinem Weg durch meine Krankheit“, schildert der HIV-Patient und fügt hinzu: „Mich wegen meiner Krankheit fertig zu machen, hilft mir nichts. Ich weiß damit umzugehen und muss nach vorne schauen. Dank einer guten Erziehung, die ich als Kind im Schoß meiner Familie erfahren durfte, habe ich gelernt immer optimistisch zu bleiben und nicht aufzugeben“, erklärt C.P.

Etwas, das den 32-Jährigen trotzdem traurig stimmt, ist die Gewissheit, dass es sehr schwierig sein wird, einen Partner zu finden. Auch der 48-jährigen Tania (Name von der Redaktion geändert), die ebenfalls mit dem HI-
Virus infiziert ist, macht dieser Gedanke zu schaffen.

Angst vor Ablehnung 
und Isolation

„Ich weiß seit 2005, dass ich den Virus in mir trage. Wie ich mich angesteckt habe, weiß ich nicht. Die Diagnose hat mein Leben extrem verändert. Ich denke jeden Tag an die Krankheit und werde jedes Mal, wenn ich die Medikamente nehme, an mein Schicksal erinnert. Als ich die Nachricht bekam, dachte ich sofort, ich müsste sterben. Vor drei Jahren bin ich mit meinen Kindern nach Luxemburg gekommen und hier bekomme ich eine angemessene Behandlung“, erklärt Tania.

Eine Arbeitsstelle hat die 48-Jährige nicht. Ihre Familie und ihr Freundeskreis wissen nichts von ihrer Ansteckung. „Nur meiner Schwester habe ich davon erzählt. Nicht mal meine Kinder wissen davon. Diese sind übrigens vollkommen gesund. Es fällt mir schwer, darüber zu reden und es den Leuten zu erzählen. Ich habe Angst, abgelehnt zu werden und in der Gesellschaft keinen Platz mehr zu haben. Ich bin einfach nicht so frei wie die anderen, weil ich ständig aufpassen muss“, unterstreicht Tania.


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