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Heute bei den Baha'i
Lokales 3 Min. 26.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Sightseeing der besonderen Art: Flüchtlinge lernen Luxemburg kennen

Heute bei den Baha'i

Der Baha'i-Glaube ist in Luxemburg seit ca. 70 Jahren vertreten.⋌(FOTO: Lex Kleren)
Sightseeing der besonderen Art: Flüchtlinge lernen Luxemburg kennen

Heute bei den Baha'i

Der Baha'i-Glaube ist in Luxemburg seit ca. 70 Jahren vertreten.⋌(FOTO: Lex Kleren)
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 26.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Sightseeing der besonderen Art: Flüchtlinge lernen Luxemburg kennen

Heute bei den Baha'i

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
(AC) - Leilu (Lernen in der neuen Umgebung zu sein), so der Name eines Projekts, das von „Mateneen, Oeuvre nationale Grande-Duchesse Charlotte“ gefördert wird und das sich insbesondere an Flüchtlinge richtet.

(AC) - Leilu (Lernen in der neuen Umgebung zu sein), so der Name eines Projekts, das von „Mateneen, Oeuvre nationale Grande-Duchesse Charlotte“ gefördert wird und das sich insbesondere an Flüchtlinge richtet. Leilu bietet u. a. ein Modul an, das „Religious Tolerance“ heißt und in den Sommermonaten wurden verschiedene Programmpunkte durchgeführt, zu denen ein Besuch im „Centre Baha'i“ in Luxemburg zählte.

Leilu wendet sich insbesondere an Jugendliche und junge Menschen, die zwischen 15 und 30 Jahren alt sind, die in Luxemburg Zuflucht gefunden haben, dort wohnen und die unter internationalem Schutz stehen oder diesen beantragt haben. In Zusammenhang mit einem ganzheitlichen Lernansatz nehmen Jugendliche an vernetzen Aktivitäten teil, die ihnen die Integration in Luxemburg und die Suche nach Praktika und/oder Arbeit erleichtern sollen. Insgesamt handelt es sich um sechs miteinander verbundene Module (12 Wochen im Jahr). Das Projekt läuft noch bis zum 30. April 2018.

Das Institut für Interaktion und Entwicklung in Diversity ist für das Programm und dessen Durchführung verantwortlich. An der Spitze dieser „ONG“ steht die Lehrerin und Linguistin Dr. Gudrun Ziegler. „Mit diesen Modulen soll den Flüchtigen bei der Integration geholfen und ihnen Möglichkeiten zu einer beruflichen Zukunft eröffnet werden. Außerdem sollen sie mit Luxemburg vertraut gemacht werden, um einer möglichen Isolierung entgegen zu wirken“, unterstreicht sie.

Werte und Orientierungen

Mit dem Modul „Religious Tolerance“ werden insbesondere jungen Flüchtlingen die hiesigen Gepflogenheiten vorgestellt und erklärt.

„Was für uns selbstverständlich ist, kann Neuankömmlinge befremden. Es gibt Dinge, die in ihrem Ursprungsland oder in ihrer Kultur nicht bekannt sind, und da gilt es die entsprechenden Erklärungen zu geben. Glaube, Religion, aber auch Essgewohnheiten, Begrüßungsregeln, Geschichte, Milieus, Sprachen, Institutionen, Solidarität, Schulsystem, es gibt unendlich viele Themen und Fragen. Wir versuchen Orientierungswissen zu vermitteln, auf die besondere kulturelle Vielfalt in Luxemburg hinzuweisen und sie systematisch mit dem Wert der Toleranz bekannt zu machen, gerade wenn es um Religion oder die Rolle der Frau in der Gesellschaft geht. Manchen sind z. B. Altersheime völlig unbekannt, aber auch die in Luxemburg praktizierten Religionen“, erklärt Volker Strauss, Titularpfarrer der Protestantischen Kirche von Luxemburg.

Mit Jean-Marie Nau, dem Koordinator des Ausbildungszentrums (Institut de Formation) Baha'i Lëtzebuerg hat er das Modul „Religous Tolerante“ entwickelt. Gudrun Ziegler und weitere Mitarbeiter von Leilu, Philipe Blanca und Jinyoung Choi, tragen die Verantwortung für das Gesamtprojekt.

„Religion ist ein besonders sensibles Thema“, betont Pfarrer Strauss weiter, „da manche Flüchtlinge gerade aus religiösen Gründen in die Flucht getrieben wurden. So ist es Aufgabe dieses Moduls ihnen die verschiedenen Glaubensgemeinschaften, sowie deren sich verändernde Rolle in Luxemburg zu erklären und näher zu bringen. In diesem Rahmen haben die Flüchtlinge auch schon die protestantische Kirche besucht oder das 'Centre islamique' in Mamer kennengelernt. Und ganz wichtig ist für manche Flüchtlinge auch die Information, dass niemand verpflichtet ist, einer bestimmten Religionsgemeinschaft anzugehören“.

Im „Centre Baha'i au Luxembourg“ erklären nun Mitglieder dieser religiösen Gemeinschaft, Marianne Barboni und Jean-Marie Nau, der kleinen Gruppe von Flüchtlingen, worum es sich bei dieser Religion handelt, die in Luxemburg seit ca. 70 Jahren vertreten ist und die in diesem Jahr ihr 200 jähriges internationales Bestehen feiern wird. Den Flüchtlingen, darunter nicht nur junge Menschen, die mit dem Zug aus verschiedenen Teilen des Landes in die Hauptstadt gekommen sind und von denen einige zur Zeit noch auf ihren „statut de réfugié“ warten, stehen auch zwei Übersetzer zur Verfügung, die den auf Französisch gehaltenen Ausführungen von Marianne Barboni folgen und ins arabische und persische übertragen. Bahá’u’lláh, der Religionsstifter der Bahai, kam aus dem Iran, so sind machen Flüchtlingen dessen Wirkungsstätten sogar bekannt – die ihnen jetzt fernab der Heimat in einer ganz neuen Perspektive vorgestellt werden.

Später geht es noch in die Stadt, wo den Flüchtlingen weitere Institutionen in Luxemburg gezeigt werden. Und in der folgenden Zeit standen weitere Programmpunkte wie ein Besuch im Parlament, im großherzoglichen Palast, im Altersheim der Elisabeth-Stiftung, im Justizviertel, bei RTL auf dem Kircheberg, MUDAM und Nationalmuseum an.

*Weitere Informationen zum Glauben der Baha'i, ihres Religionsstifters Bahá’u’lláh (1817-1892) und zum Centre Baha'i in Luxemburg stehen unter: www.bahai.lu,

http://leilu.org/




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