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Hesperingen sagt Schleichverkehr den Kampf an
Lokales 4 Min. 18.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Hesperingen sagt Schleichverkehr den Kampf an

Lokales 4 Min. 18.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Hesperingen sagt Schleichverkehr den Kampf an

Pierre SCHOLTES
Pierre SCHOLTES
Poller, Sperrungen und Einbahnstraßen sollen helfen, den Durchgangsverkehr aus Wohngebieten zu verbannen.

Wenn an einem Dienstagabend rund 350 Bürger ins CELO nach Hesperingen kommen, um an einer Informationsveranstaltung zum Thema Schleichverkehr teilzunehmen, muss es ein Problem geben. Vor allem in Alzingen und Fentingen sind die Hauptverkehrsachsen zu Spitzenzeiten inzwischen dermaßen überlastet, dass Autofahrer versuchen, den Stau durch Wohnviertel zu umfahren. 

Lösungen für Fentingen: Vollsperrungen und Einbahnstraßen
Lösungen für Fentingen: Vollsperrungen und Einbahnstraßen
Grafik: Schroeder & Associés

Zusammen mit dem Ingenieurbüro Schroeder & Associés stellten der Bürgermeister von Hesperingen, Marc Lies, und der Schöffenrat den betroffenen Bürgern am Dienstag sowohl ihre Analyse der jetzigen Situation als auch mögliche, zumeist bauliche Lösungsansätze vor.

Verkehrsschöffe George Beck präsentierte dabei erstmals auch konkrete Zahlen, die das Problem genau beschreiben. Die Agents municipaux der Gemeinde haben dafür vom 6. bis zum 12. November zu Stoßzeiten Zählungen in Fentingen durchgeführt, sowie später auch stichprobenartig in Alzingen.

Das CELO in Hesperingen war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.
Das CELO in Hesperingen war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.
Guy Jallay

Der Schleichverkehr in Zahlen

In dieser Zeit sind 12.500 Autofahrer durch Straßen gefahren, die besonders als Schleichwege genutzt werden. In der nur rund 50 Meter langen Rue Weischbaendchen in Fentingen etwa liegt der Tagesschnitt bei 421 Autofahrern; die meisten zwischen 6.30 Uhr und 10 Uhr. Die Rue de Kockelscheuer führt mit einem Schnitt von 573 Autos pro Tag die Statistik an.

Mit einem in den sozialen Medien gern verbreiteten Vorurteil räumt die Statistik derweil auf: Nur rund ein Fünftel der gezählten Fahrzeuge hat ein ausländisches Kennzeichen, das Gros sind Einheimische. Auch den Vorwurf, das Problem sei hausgemacht, entkräften die Zahlen der Gemeindeverwaltung. Nur etwa 30 Prozent der Autofahrer hatten eine Gemeindevignette von Hesperingen an der Windschutzscheibe. 

Was die Lösungsansätze betrifft, unterstrich Georges Beck gleich zu Beginn, dass diese sich in den beiden analysierten Ortschaften grundlegend unterscheiden. Für Fentingen sind sie dabei relativ klar, während sich die Lage in Alzingen komplizierter darstellt.


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Sperrungen für Fentingen

Ingenieur Luca Minelli erklärte, dass man bei den Lösungen für Fentingen zwischen weichen und harten Maßnahmen unterscheiden müsse. In den betroffenen Gebieten habe die Gemeinde indes bereits einige weiche Lösungen durchgeführt, wie etwa die Berliner Kissen genannten Erhöhungen in der Fahrbahn. Bei Schleichverkehr seien diese aber wenig effektiv. 

Schroeder & Associés empfiehlt deshalb härtere Maßnahmen, um der Problematik Herr zu werden. So sollen sowohl die Rue Pierre Weydert als auch die Rue Op der Sterz zu Einbahnstraßen werden. An den Straßeneingängen käme es, neben einer entsprechenden Beschilderung, auch zu einer baulichen Verengung der Straße. 

In der Rue Victor Feyder soll demnächst ein bauliches Hindernis das Abkürzen verhindern.
In der Rue Victor Feyder soll demnächst ein bauliches Hindernis das Abkürzen verhindern.
Foto: Alain Piron

Um die innerörtliche Nord-Süd-Verbindung zu kappen, die viele als Abkürzung zu nutzen versuchen, sieht der Plan zusätzlich eine Vollsperrung vor. So werden die Rue Victor Feyder und die Rue Op den Assen durch ein bauliches Hindernis voneinander getrennt. Der Vertreter des zuständigen Ingenieurbüros betonte dabei, dass es durch die Maßnahmen für einige Bewohner zu Nachteilen kommen wird. So müssten einige Anwohner in Zukunft einen Umweg von rund 500 Metern einplanen.

In Fentingen müssen einige Anwohner wohl in Zukunft kleinere Umwege in Kauf nehmen.
In Fentingen müssen einige Anwohner wohl in Zukunft kleinere Umwege in Kauf nehmen.
Grafik: Schroeder & Associés

Trotzdem fanden die Pläne bei den betroffenen Bewohnern breiten Anklang. Als Georges Beck verkündete, dass die Maßnahmen bereits am 2. Januar in die Tat umgesetzt würden und die entsprechenden Schilder bereits bestellt seien, wurde er mit Applaus belohnt.

Poller für Alzingen 

In Alzingen stellt sich das Problem zwar ähnlich dar, die Lösung ist aber komplizierter. Die Spitzen im Schleichverkehr findet man zumeist in der Rue Pierre Stein und der Rue de Hesperange. Dort wurden am 4. Dezember 475 Autos pro Stunde gezählt. Dies zu verhindern würde aber erhebliche bauliche Eingriffe bedeuten.

Angedacht sind zum Beispiel versenkbare Poller, die vor allem zu morgendlichen Spitzenzeiten die Einfahrt in die Straße sperren könnten. Zusätzlich müssten, laut Beck, Autofahrer daran gehindert werden, aus der Rue de l'Eglise wieder in die Route de Thionville einzufädeln.

Konkrete Maßnahmen könne man dabei nicht von heute auf morgen umsetzen – und so luden die Gemeindeverantwortlichen die Alzinger Bürger ein, Ende Januar an einem Mobilitätsworkshop teilzunehmen. Spätestens zur Rentrée 2021 müsste aber eine Lösung umgesetzt worden sein, denn dann öffnet die neue Schule in Alzingen ihre Türen. 

Den von einigen Besuchern ins Feld geführte Kritikpunkt, mit den Maßnahmen würde die Problematik nur auf die Hauptachsen zurückverlagert, ließen die Verantwortlichen nicht gelten. Gerade wegen des Schleichverkehrs käme der Verkehr auf den Nationalstraßen noch mehr ins Stocken. Der Grund: die Freundlichkeit einiger Autofahrer. Viele gewähren jenen, die aus den Schleichwegen kommen, ihre Vorfahrt und lassen sie einfädeln.

Bürgermeister Marc Lies und sein Schöffenteam unterstrichen zudem, dass es neben den genannten Lösungen keine anderen gibt. Die Hauptverkehrslast tragen immer noch die Nationalstraßen und das Problem ist somit ein nationales. Die Kompetenz liege beim zuständigen Minister. Ein Treffen zum Fortschritt der Planungsarbeiten einer Ortsumgehung für die Gemeinde Hesperingen mit dem Minister für Mobilität und Öffentliche Bauten François Bausch (Déi Gréng) fand am Mittwoch statt. 


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