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Herzmassage und Defibrillator: Wenn jede Sekunde zählt: Richtig reagieren bei einem Herzstillstand
Lokales 7 3 Min. 15.03.2015

Herzmassage und Defibrillator: Wenn jede Sekunde zählt: Richtig reagieren bei einem Herzstillstand

Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, er atmet nicht mehr, ist nicht ansprechbar. Herzstillstand! Nun ist schnelle Hilfe dringendst notwendig. Doch bislang helfen im Falle eines Falles nur geschätzte zehn Prozent der Zeugen. Das soll sich in Zukunft ändern.

(DL/gs) - Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, er atmet nicht mehr, ist nicht ansprechbar. Herzstillstand! Nun ist schnelle Hilfe dringendst notwendig. Den Notruf alarmieren, das Herz massieren, und im besten Fall einen Defibrillator anwenden – das wäre die richtige Reaktion. Doch bislang helfen im Falle eines Falles nur geschätzte zehn Prozent der Zeugen. Das soll sich in Zukunft ändern.

In Luxemburg erleidet statistisch gesehen jeden Tag ein Mensch einen Herzstillstand. Nicht immer kommt die Hilfe rechtzeitig. „Mit jeder Minute, in der das Gehirn nicht durchblutet wird, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Theoretisch bedeutet dies, dass wenn man zehn Minuten lang nichts unternimmt, die Überlebenschance gleich Null ist!“, unterstreicht Christopher Schuh, Leiter der Notrufzentrale 112.

Was ist zu tun?

Zehn Minuten – so lange dauert es in der Regel auch, bis der Notarzt nach einem Notruf eintrifft. Eine schnelle Reaktion von anwesenden Personen ist demzufolge unabdingbar, doch: Nur etwa ein Zehntel der Personen, die Zeugen von einem Herzstillstand werden, beginnen mit Wiederbelebungsmaßnahmen – aus Angst, etwas falsch zu machen, erklärt der Notarzt Dr. Philippe Welter.

Was also ist zu tun? Erst mal muss die Situation erkannt werden, erklären die Experten. Ist jemand bewusstlos, reagiert weder auf Ansprache noch auf Schütteln und atmet nicht oder nur sehr unregelmäßig – sprich die Brust hebt sich nicht –, und er sieht schlecht aus, dann muss umgehend gehandelt werden: Sofort den Notruf alarmieren, das Herz massieren und, im besten Fall, einen Defibrillator organisieren und einsetzen (siehe Bildstrecke). 

"Telefonreanimation" erfolgreich

Die größte Schwierigkeit dabei besteht sicherlich darin, einen kühlen Kopf zu bewahren. Verständlicherweise fällt es dem Menschen gerade in einer solchen Stresssituation schwer, sich zu sammeln, zu konzentrieren und geistesgegenwärtig zu handeln. Vor einem Jahr hat die Notrufzentrale 112 deshalb eine Initiative gestartet: die Telefonreanimation.

„Wird bei einem Notruf erkannt, dass ein Herzstillstand vorliegt, dann bleibt der Disponent des 112 am Telefon und gibt dem Anrufer Anweisungen, wie er reanimieren soll“, erklärt Christopher Schuh. Diese neuartige Methode habe sich denn auch als sehr erfolgreich erwiesen. „Jede Woche kommt es zwei bis drei mal vor, dass wir eine Reanimation per Telefon durchführen“, berichtet Schuh.

Lebensrettende Defibrillatoren 
– nicht nur für Profis

Künftig will man jedoch noch einen Schritt weiter gehen. „Idealerweise können wir dem Anrufer in Zukunft sagen, wo in der Nähe des Ort des Geschehens ein Defibrillator hängt.“ Ziel ist es, dass, während ein Zeuge das Herz des Betroffenen massiert, eine zweite Person schnellstmöglich einen Defibrillator herbeibringt.

Dabei handelt es sich um ein medizinisches Gerät zum Abgeben eines elektrischen Schocks. Jeder Bürger darf einen öffentlich zugänglichen Defibrillator benutzen – das ist seit 2008 gesetzlich verankert. Und jeder kann es. Die Bedienung sei kinderleicht, falsch machen könne man eigentlich nichts, betonen die Experten.

Das Gerät analysiert den Herzrhythmus des Patienten und empfiehlt – gegebenenfalls – das Auslösen eines Schocks bzw. es löst automatisch einen Schock aus. „Ist der Rhythmus normal, dann gibt das Gerät auch keinen Schock ab“, unterstreichen Schuh und Welter – selbst wenn man den entsprechenden Knopf betätigt.

Immer mehr Defis verfügbar

Im Rahmen der Initiative „Réagis“ wurden bereits 1 600 Bürger im Umgang mit dem „Defi“ geschult, viele weitere sollen folgen. Defibrillatoren sind an immer mehr Standorten zu finden, etwa bei bzw. in Schulen, Sporthallen, Gemeindehäusern, Supermärkten und verschiedenen Firmen.

Wo sich ein „Defi“ befindet, kann man zum Beispiel auf der Internetseite von „Réagis“ oder via die gleichnamige App einsehen. Dort sind inzwischen 276 Geräte quer durch das Land eingetragen, die meisten davon seien rund um die Uhr zugänglich. In Zukunft soll das Netz weiter ausgebaut werden.

"First Responder" als Schlüsselelement

Es gibt jedoch noch ein weiteres Schlüsselelement zur schnellen Reaktion bei Herzstillständen – die sogenannten „First Responder“ der lokalen Feuerwehren. Diese ausgebildeten Ersthelfer sind ebenfalls mit einem Defibrillator ausgestattet und momentan in 37 Gemeinden aktiv – vor allem im ländlichen Raum. Im Schnitt ist der „First Responder“ binnen fünf Minuten vor Ort, erklärt Christopher Schuh – und kann den Zeugen bis zur Ankunft des Notarztes ablösen.

Die Schulung der Bürger, die Telefonreanimation und die „First Responder“, dies alles sind Elemente eines zusammenhängenden Aktionsplans bei Herzstillständen, fasst Schuh zusammen. Mit dem Ziel, schnellstmöglich zu reanimieren und einen „Defi“ aufzutreiben. Und so die Überlebenschance der Patienten – und das mit guter Lebensqualität – weitestgehend zu steigern.


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