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Herr Kraus zahlt nicht und das "Black Out" eröffnet
Lokales 6 Min. 07.08.2021
Nachrichten von vorgestern

Herr Kraus zahlt nicht und das "Black Out" eröffnet

Marie Christina aus Mamer, der "aufgehende Stern an unserem nationalen Schlagerhimmel".
Nachrichten von vorgestern

Herr Kraus zahlt nicht und das "Black Out" eröffnet

Marie Christina aus Mamer, der "aufgehende Stern an unserem nationalen Schlagerhimmel".
Foto: LW-Archiv
Lokales 6 Min. 07.08.2021
Nachrichten von vorgestern

Herr Kraus zahlt nicht und das "Black Out" eröffnet

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Aber Nachrichten von vor 50, 75 oder auch 100 Jahren sind auf ihre eigene Art interessant - manchmal anrührend, aus heutiger Sicht komisch oder teils immer noch aktuell. Wir haben ins Archiv geschaut.

1921

Am 2. August 1921 starb der weltberühmte italienische Tenor Enrico Caruso in Neapel. Im „Wort“ vom 4. August erschien ein ausführlicher Nachruf. 

Enrico Caruso +

„Die schönste Tenorstimme ist für immer verklungen. Die Welt ist um ein kostbares Gut ärmer geworden. Die amerikanischen Dollarmillionäre, die sich ihn gehalten hatten, buchen den Verlust einer Potenz, deren Wert sie ahnten und die in ihr materielles Dasein eine Note der Schönheit hineingetragen hatte, die sie mehr vermissen und beklagen werden als den Verlust auf den mexikanischen Oelfeldern. Denn Enrico Caruso, der gestern nach langer schleichender Krankheit gestorben ist, bedeutete auch ihnen einen nicht mehr zu erreichenden Höhepunkt.“   

Alle Jahre wieder... naht die Schobermesse. Anfang August 1921 laufen bereits die Vorbereitungen. 

 Zur Schobermesse

„Man merkt die Schobermesse ist im Anzug. Schon beginnen die Platzmieter auf dem Glacis ihre Holzbuden aufzurichten. Neugierig schauen Kleine und Große zu und freuen sich schon im Voraus auf all die schönen Sachen, die ihnen bald dort geboten werden. Es ist zu erwarten, daß bei dem diesjährigen trockenen Wetter der Schobermeßplatz besonders anziehend sein wird, falls die Geschichte nur nicht zu einer neuen Schwitzkur ausartet.“

Auf der Kleinanzeigenseite findet sich am 4. August 1921 eine Annonce, von der man gerne mehr über die Vorgeschichte wüsste. Andererseits ist alles gesagt.

Warnung

„Warne hiermit jedermann, daß ich für keine von meiner Frau geb. Anna Feldgen gemachten Schulden aufkommen werde. Nikolaus KRAUS 2790 Gonderingen.“  

Foto: LW-Archiv

Am 6. August 1921 gibt es gute Nachrichten: Loyalität dem Dienstherrn gegenüber wird belohnt - natürlich ganz klassisch mit der goldenen Uhr. 

Arbed

„Die 'Arbed' hat denjenigen ihrer Beamten - etwa 80 an der Zahl - welche seit 25 Zahren ununterbrochen in ihren Diensten beschäftigt sind, je eine prächtige goldene Uhr mit Kette im Werte von 1000 Fr. zum Geschenk gemacht. Die Cbronometer, welche mit dem Monogramm der betr. Beamten versehen sind, wurden von der Firma Henri Wünsch-Wolff, Geniestraße, geliefert, in deren Schaufenster sie gegenwärtig ausgestellt sind.“   

In der Rubrik „letzte Post“ findet sich ein Bericht über diplomatische Verwicklungen zwischen Deutschland und Frankreich - ausgelöst durch rücksichtslosen Tabakgenuss.

Berlin

„Im Schlafwagen des D-Zuges Berlin-Norddeich hatte sich der französische Hauptmann Langevin der trotz des Rauchverbotes eine Zigarette rauchte, der Festsetzung seiner Personalien widersetzt und war schließlich auf Veranlassung des Zugführers durch die Polizei entfernt worden. Der Vertreter des Generals Nollet, General Mastermann, hat nun eine scharf gehaltene Note an die Reichs- regierung gerichtet, in der die Entlassung eines Polizeibeamten, Entschuldigung usw. verlangt werden. Die Reichsregierung wird diese Note nicht eher beantworten, als der Tatbestand einwandfrei festgestellt sein wird.“

Foto: LW-Archiv

1946

Am 5. August 1946 weiß das Wort in der Rubrik „Vun hei a vun do“ Erschreckendes über den Sittenverfall zu berichten. Zum Glück griff die Staatsmacht ein.

Rümelingen

„Kürzlich trafen unsere Gendarmen in verschiedenen Belustigungslokalen eine Anzahl von kaum der Schule entwachsenen Jugendlichen beim Tanze an. Sie setzten die „grünen Jungs“ nachdrücklichst ins Freie. Nicht selten sieht man auch kaum schulentlassene Mädchen sich auf den Tanzböden herumtreiben. Es wäre an der Zeit, daß die Eltern sich wieder etwas mehr um ihre Kinder kümmerten, zumal die Moral der Jugend schon während des Krieges stark genug gelitten hat.“  

Foto: LW-Archiv

In der Tat: Der Zweite Weltkrieg mit all seinen Nachwirkungen ist noch immer großes Thema in der Tagespresse. Auf Seite 6 der Ausgabe vom 6. August findet sich ein eher abseitiges Thema dazu, das aber interessante Details enthält: 

Die Jacht Hitlers wird verkauft

"London, 6. Aug. ag. (Reuter-S.). DieLuxusjacht Hitlers, die „Grille“, die 3000 To. verdrängt, wird von der britischen Admiralität nächstens im Hafen von West Hartlepool zum Verkauf gestellt werden. Die Admiralität gab bekannt, das Schiff berge eine große Zahl Kabinen, Konferenzsäle und Speisezimmer und würde sich nach einem Umbau ausgezeichnetals Vergnügungsboot eignen. An Bord der Jacht hatten sich im Laufe der Zeit viele der Mitarbeiter eingefunden, die zusammen mit Hitler den Weltkrieg vorbereiteten und die nun zum großen Teil in Nürnberg abgeurteilt werden. So findet man im Bordbuch die Namen Göring, Goebbels, Heß, usw.


Eine Zeitreise durch das Archiv des "Luxemburger Wort"
Seit der Gründung des "Luxemburger Wort" im Jahre 1848 schwillt das Archiv kontinuierlich an. Wir haben für Sie nach den interessantesten Geschichten aus 173 Jahren "Wort" gegraben.

 Von der Kommandobrücke der Jacht aus pflegte Hitler die deutsche Flotte zu inspizieren. In der Zeit, da das Boot gebaut wurde, war der Führer noch „Proletarier“, und die Inneneinrichtungen entsprechen seinem damaligen Ideal: sie waren streng, nützlich und bequem. Später jedoch ließ Hitler die Salons und Kabinen luxuriös umgestalten, wie seinen Horst in Berchtesgaden. Von da weg prangten seine Kabine und der Privatsalon in schillernden Farben. An Bord seines neuesten Spielzeuges unternahm Hitler Fahrten nach Island und Portugal, und das schwimmende Schlößchen war auch an der Flottenparade von Spithead zugegen, die anläßlich der Krönung Georg VI. stattfand."  

1971

Bis zu den Olympischen Spielen in München 1972 wird es noch etwas über ein Jahr dauern. 1971, und zwar bereits im Juli, gab es aber in Athen die „Schlager-Olympiade“. Und dort schaffte es eine Luxemburger Künstlerin weit nach vorne - zu lesen im Wort vom 5. August.

Foto: LW-Archiv

"Zwischen dem 4. und 12. Juli waren Schlagerstars aus 40 Nationen nach Athen gekommen, um im Rahmen der 'Olympiade de la Chanson'  ihr musikalisches Können unter Beweis zu stellen. Luxemburg war vertreten durch eine junge Schlagersängerin, Marie-Christina aus Mamer. Marie-Christina, ein aufsteigender Stern an unserem nationalen Schlagerhimmel, trat für Luxemburg auf mit dem Lied 'Danser pour toi', eine Komposition von Jacues Neuen. [...] 

Das Endklassement ging bekanntlich sehr günstig für Luxemburg aus: Marie-Christina klassierte sich an sechster Stelle; die fünf ersten Plätze wurden belegt von Brasilien, Großbritannien, Ägypten, Jugoslawien und Japan. [...]

Selbstverständlich schmiedet Marie-Christina auch Zukunftspläne: ihr sehnlichster Wunsch ist eine dreijährige schauspieerische Ausbildung ausgerichtet auf das Musical. Vorläufig aber wird sie eine einwöchige Tournee durch die DDR unternehmen; weiter besteht Aussicht auf eine Amerikatournee mit einem sehr renommierten deutschen Musikensemble. [...] Vor wengen Tagen kam ihre neueste deutschsprachige Produktion auf den Markt: 'Der Troubadour von Luxemburg'."

Apropos Schlagerhimmel: In Luxemburg-Stadt öffnet in der ersten Augustwoche 1971 das „Black Out“. 

Foto: LW-Archiv

„Nachdem Jeannot Scholer die Gäste begrüßt hatte, gab er einen kleinen Überblick über die Diskothek und ihre modersnten technischen Einrichtungen. Vor 20 Jahren tanzte man im sogenannten 'Caveau' unter dem heutigen Monopol-Gebäude zu Schallplattenmusik. Seither, so Jeannot Scholer, seien aber zahlreiche Fortschritte zu verzeichnen. [...] In Zukunft werden auch in- und ausländische Gruppen auftreten oder die Damen können einer Modenschau beiwohnen. 


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Vor 100 Jahren sah die Welt noch anders aus. Wir wagen einen Blick ins Wort-Archiv und suchen nach dem, was die Leser damals bewegte.

Dann stellte Jeannot Scholer den Disk-Jockey 'Pat' vor, ein dynamischer junger Amerikaner, der seiner Aufgabe wahrscheinlich durchaus gewachsen sein wird. Er wies auch darauf hin, dass 'Black Out' nicht mit Rassismus in Verbindung zu bringen ist, sondern dass auch Schwarzhäutige herzlich willkommen seien. Danach erhob er sein Glas auf die Stadt Luxemburg.“

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