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Hellseher in der Grauzone
Lokales 2 Min. 11.09.2019

Hellseher in der Grauzone

Sie gelten ähnlich wie Fingerabdrücke als charakteristisches Merkmal eines Menschen: die Handlinien. Einige Wahrsager behaupten, anhand dieser Linien die Zukunft ihrer Kunden vorhersagen zu können.

Hellseher in der Grauzone

Sie gelten ähnlich wie Fingerabdrücke als charakteristisches Merkmal eines Menschen: die Handlinien. Einige Wahrsager behaupten, anhand dieser Linien die Zukunft ihrer Kunden vorhersagen zu können.
Foto: Getty Images
Lokales 2 Min. 11.09.2019

Hellseher in der Grauzone

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Die Tätigkeiten von Wahrsagern, Kartenlesern und Co. gelten im Großherzogtum nicht als illegal, allerdings sind sie gesetzlich nicht geregelt.

Nur einen kurzen Blick in die Glaskugel werfen oder ein Wundermittel für die eigenen Probleme finden – mit solchen Versprechen locken Wahrsager, Hellseher, Gurus oder Kartenleser immer wieder verzweifelte Menschen zu sich. Dabei handelt es sich jedoch oft um Betrüger: Sie nutzen die Gutgläubigkeit ihrer Opfer aus, führen diese hinters Licht, um ihnen dann Geld abzuknöpfen. 

Immer wieder landen auch in den Briefkästen im Großherzogtum bunte Kärtchen, auf denen diese Betrüger ihre spirituellen Fähigkeiten anpreisen, meint der Abgeordnete Marc Goergen (Piratenpartei) in einer parlamentarischen Frage. Dementsprechend will er wissen, ob diese Art von Tätigkeit in Luxemburg überhaupt erlaubt ist. 


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Aus einer gemeinsamen Antwort des Ministers für innere Sicherheit, François Bausch (Déi Gréng), und des Ministers für Mittelstand, Lex Delles (DP), geht hervor, dass die Aktivitäten der sogenannten "Grands voyants" nicht grundsätzlich als illegal bezeichnet werden können, jedoch gesetzlich nicht geregelt sind.

Demnach würde das Ministerium für Mittelstand keine Niederlassungsgenehmigungen (autorisation d'établissement) ausstellen, die spezifisch für Wahrsager und Co. gelten. Letztere haben theoretisch aber die Möglichkeit, eine allgemein geltende Handelsgenehmigung für „activités et services commerciaux“ zu beantragen. 

Ohne Genehmigung keine legale Arbeit

Allerdings muss jeder, der eine solche Erlaubnis erhalten will, seine berufliche Ehrenhaftigkeit nachweisen können. Mit anderen Worten: Der Antragsteller muss die Integrität seines Berufs sowie den Schutz seiner zukünftigen Kunden belegen können. 

Wie die Minister weiter erklären, können die Genehmigungen auch nur dann gewährleistet werden, wenn im Voraus keine belastenden Elemente, wie gerichtliche Verurteilungen, im Zusammenhang mit der Akte des Antragstellers stehen. Bekommt eine Person eine Niederlassungsgenehmigung und wird dann aufgrund einer damit verbundenen illegalen Tätigkeit verurteilt, wird die Genehmigung wieder eingezogen. 

Wie viele dieser selbst ernannten Wahrsager tatsächlich eine staatliche Genehmigung besitzen, ist den Ministern nicht bekannt, da diesbezüglich keine Statistiken geführt werden. Die Regierungsmitglieder weisen aber darauf hin, dass es in Luxemburg nicht gestattet ist, einer kommerziellen Aktivität ohne offizielle Handelsgenehmigung nachzugehen. 

Wird diese Regelung nicht respektiert und die Generaldirektion für Mittelstand über das Vergehen in Kenntnis gesetzt, dann wird der Zoll dazu beauftragt, Kontrollen bei den Betroffenen durchzuführen. Gegebenenfalls landet das Ganze vor Gericht. 

 Seit 2009 kamen landesweit bereits vier Personen, die als sogenannte Grands voyants zu bezeichnen sind, vor den Richter. Eine Person wurde wegen „Escroquerie“, drei weitere wegen „Abus de faiblesse“ verurteilt, was so viel bedeutet wie das betrügerische Ausnutzen eines Menschen in einer Schwächelage. Laut den Ministern sei derzeit noch ein weiterer Fall bekannt – in diesem laufen allerdings noch die Ermittlungen. 


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