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Hellingen wird konkret
Lokales 4 Min. 06.08.2014 Aus unserem online-Archiv
34,2 Millionen Euro bewilligt

Hellingen wird konkret

Lokales 4 Min. 06.08.2014 Aus unserem online-Archiv
34,2 Millionen Euro bewilligt

Hellingen wird konkret

Das Autobahnkreuz Hellingen schien eine unendliche Geschichte zu sein. Doch nun wird es ernst: Ein parlamentarischer Ausschuss hat das Budget für den Ausbau festgelegt.

(str) - Es war ein jahrelanger Rechtsstreit, der die Fertigstellung der Autobahn A13 immer wieder in weite Ferne rückte. Richter bereiteten dem Zwist vor knapp einem Jahr ein für alle Mal ein Ende. Das Gesetzesprojekt, das einen ursprünglichen Text aus dem Jahr 1967 ergänzen sollte, wurde am 10. Juli abgesegnet. Der parlamentarische Ausschuss für nachhaltige Entwicklung gibt einen detaillierten Einblick in seinen Bericht.

Der Text ist recht kurz, denn er umfasst nur zwei Punkte: Der 
erste erlaubt es der Regierung, die 2001 festgelegten Ausgaben für den Bau der Saarautobahn nach oben anzupassen. Der zweite legt fest, dass diese Anpassung den Betrag von 34,2 Mio. Euro nicht überschreiten darf.

Der Kostenvoranschlag für den Bau der gesamten Saarautobahn, so, wie ihn das Gesetz vom 16. November 2001 vorsah, lag bei 242,9 Mio. Euro. 2004 wurde das Budget ein erstes Mal um 49 Mio. Euro erhöht. Ein Teil dieses Geldes wurde zum Bau des Hellinger Bypasses verwendet.

Dem Bericht der parlamentarischen Nachhaltigkeitskommission sind aber auch neue Details zum Bau des Autobahnkreuzes Hellingen zu entnehmen:

 * Der provisorische Kreisverteiler in Hellingen soll eine endgültige Form annehmen.

 * Auf der N13 zwischen Hellingen und dem Kreisverkehr werden Bauminseln errichtet, die den Verkehr entschleunigen und der Strecke einen urbaneren Charakter verleihen.

 * Gemeinsam mit der Bettemburger Gemeindeverwaltung wird zudem die Strecke zwischen dem Kreisverteiler Hellingen und Bettemburg umgestaltet. Zweck dieser Maßnahme ist es auch, die Verkehrssicherheit auf der Nationalstraße in Höhe des Bettemburger Märchenparks zu gewährleisten.

 * Die bevorstehende Fertigstellung der Multimodal-Plattform in Bettemburg und die Entwicklung des Eurohub-Terminals Bettemburg-Düdelingen werden kurzfristig zu einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen führen. Deshalb empfiehlt die Kommission die Ausarbeitung eines globalen Konzeptes für die Verbindung zwischen den Autobahnkreuzen Hellingen und Düdelingen-Büringen. Außerdem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass der Lastverkehr über die Nationalstraßen in die Ortschaften gelangt.

 * Entlang der Autobahn wird in Höhe Hellingen ein Lärmschutzwall errichtet. Dieser soll drei Meter höher als die Fahrbahn sein.

 * Es werden Renaturierungsmaßnahmen ergriffen.

 * Die provisorische Zufahrt zur Bauschuttdeponie, die derzeit auf der zukünftigen Autobahntrasse verläuft, wird durch eine dauerhafte Lösung ersetzt.

 * Das nationale Archäologiezentrum hat auf dem künftigen Baugelände Grabungen durchgeführt. Aus dem Abschlussbericht geht hervor, dass keine Verzögerungen des Baubeginns zu erwarten sind.

 * Der optimale Verlauf des Radwegs „piste cyclable des trois cantons“ (PC6), die Petingen mit Remerschen verbindet, wird anhand einer Studie bestimmt. Es bieten sich zwei Möglichkeiten: Eine Südvariante mit einem neu angelegten Weg entlang der französischen Grenze und eine Nordvariante entlang der N13 nach Bettemburg.

 * Die Dauer der Bauarbeiten wird von der Straßenbauverwaltung auf 550 Tage geschätzt.

Die Geldspritze in Höhe von 34,2 Mio. Euro deckt natürlich vorrangig die Kosten für den Bau des Autobahnkreuzes Hellingen und die Anbindung an die N13 ab.

Inbegriffen sind auch der Bau eines offenen Rückhaltebeckens am „Kuelelach“ sowie die Umgestaltung der viel befahrenen Nationalstraße 13 und des Kreisverteilers Hellingen, der Abriss des aktuellen Bypasses und die Errichtung eines neuen Wasseraufbereitungsystems.

Über den Neubau des Kreisverteilers Hellingen wird das Parlament übrigens getrennt abstimmen. Der Bau des fehlenden Autobahnabschnittes wird über ein Spezialgesetz geregelt.

Hintergrund: Seit 1967...

Der Bau der Saarautobahn geht auf ein Gesetzesprojekt aus dem Jahr 1967 zurück, das das Ziel verfolgte „das Land mit passenden Straßen an die großen Verkehrsverbindungen anzubinden, die derzeit im benachbarten Ausland gebaut werden“.

Konkreter wurde es dann 1972, als dem Projekt der Bau einer Straßenverbindung zwischen den wichtigsten Ortschaften im Süden des Landes und dem deutschen Autobahnnetz hinzugefügt wurde. 1986 wurde entschieden, lediglich den Streckenabschnitt zwischen Bettemburg und Rodange zu bauen.

1991 wurden dann die Prozeduren zum Bau der Saarautobahn zwischen Bettemburg und Schengen eingeleitet. Der westliche Teil (Collectrice du Sud) wurde 1994 fertiggestellt, der östliche Teil (Saarautobahn) erst 2004.

Die Saarautobahn hatte jedoch einen gravierenden Schönheitsfleck: Wegen eines Eigentumsstreits zwischen einem Grundbesitzer und dem Staat konnte die Autobahn nicht fertiggebaut werden. Nahe Hellingen wurde der Verkehr über einen sogenannten Bypass umgeleitet – über Jahre hinweg ein gefährlicher schwarzer Punkt im Luxemburger Verkehrsnetz.

Einen ersten Durchbruch brachte ein Urteil des Verfassungsgerichts vom 19. März 2013: Das hohe Gericht entschied, dass das Gesetz von 1967 nicht im Widerspruch zur Verfassung sei. Der Einwand der Grundbesitzer entbehre somit einer gesetzlichen Grundlage.

Die Enteignung der Besitzer erfolgte knapp zwei Wochen später, am 2. Mai 2013 durch eine Entscheidung des Bezirksgerichts Luxemburg.

Am 10. Dezember gab der Staatsrat grünes Licht für das entsprechende Gesetzesprojekt, das die Erhöhung des Budgets vorsieht.

Seit dem 23. April befasste sich der parlamentarische Nachhaltigkeitsausschuss mit dem Text.

Am vergangenen 3. Juli verfasste die Kommission ihren diesbezüglichen Bericht. Am 10. Juli wurde die Umsetzung abgesegnet. Im Frühjahr 2015 sollen die Arbeiten beginnen.