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Hat die Polizei einen Bandenkrieg verhindert?
Lokales 3 Min. 23.12.2013

Hat die Polizei einen Bandenkrieg verhindert?

Kein Rauschgift, kein Drogenhandel, keine Gewalt: Dieses Schild ziert die Eingangstür einer der beiden betroffenen Bars.

Hat die Polizei einen Bandenkrieg verhindert?

Kein Rauschgift, kein Drogenhandel, keine Gewalt: Dieses Schild ziert die Eingangstür einer der beiden betroffenen Bars.
Foto: Steve Remesch
Lokales 3 Min. 23.12.2013

Hat die Polizei einen Bandenkrieg verhindert?

Die Großrazzia in zwei Gaststätten im hauptstädtischen Bahnhofsviertel vor gut zehn Tagen war alles andere als eine Routinekontrolle. Tatsächlich hatte die Polizei einen heißen Tipp bekommen.

Die Großrazzia in zwei Gaststätten im hauptstädtischen Bahnhofsviertel vor gut zehn Tagen war alles andere als eine Routinekontrolle. Tatsächlich hatte die Polizei ein heißen Tipp bekommen, dass am Abend des 11. Dezember eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen zwei nigerianischen Banden stattfinden sollte. Um einer blutigen Fehde vorzubeugen, schlug die Polizei mit einem Großaufgebot zu.

Rund 60 Beamte waren im Einsatz – Kriminalbeamte, Streifenpolizisten und Hundeführer. Zeitgleich, um 22.35 Uhr, drangen die Beamten in zwei Gaststätten in der Rue de Hollerich und in der Rue de Strasbourg ein. 47 Personen konnten angetroffen werden. Eine Person wurde verhaftet – der Mann hielt sich illegal in Luxemburg auf. Waffen konnten keine sichergestellt werden.

Was war die Vorgeschichte? Am Vorabend wurden dem Polizeinotruf binnen einer Stunde vier gewalttätige Auseinandersetzungen in der Rue de Strasbourg und in der Rue de Hollerich gemeldet. Als Polizeipatrouillen vor Ort eintrafen, hatte sich die Lage jedes Mal beruhigt. Die Beteiligten hatten das Weite gesucht. Von den Zeugen wollte niemand etwas gesehen haben.

Drogenbanden aus Nigeria

Die Sicherheitskräfte hatten inzwischen die Information erhalten, dass es sich bei den Schlägereien im Bahnhofsviertel um eine Auseinandersetzung zwischen zwei konkurrierenden nigerianischen Gruppen handele. Wie das „Luxemburger Wort“ aus Polizeikreisen in Erfahrung bringen konnte, soll es sich bei den Banden um Drogenhändler handeln, die unter dem Deckmantel von religiösen Gruppen operieren.

Die Polizei erfuhr zudem, dass bereits am Nachmittag mehrere Männer in einer der Bars aufgetreten waren und mindestens eine Schusswaffe vorgezeigt hätten. Am folgenden Abend, dem 11. Dezember, sollten den Informationen zufolge weitere bewaffnete Männer aus dem Ausland eintreffen – daher auch der dringende Handlungsbedarf der Polizei.

Der Hintergrund für die geplante Auseinandersetzung: Eine Schlägerei drei Tage zuvor, bei der ein Mann schwer verletzt worden sei. Der Polizei war sehr wohl eine größere Schlägerei kurz nach 6 Uhr am Sonntagmorgen gemeldet worden, doch von einem Schwerverletzten war bislang nichts bekannt.

Kurz nach vier Uhr am Mittwochmorgen ging der Notruf eines Mannes ein, der in gebrochenem Englisch vorbrachte, er werde von mehreren Personen verfolgt. Man wolle ihn umbringen. Dann brach die Verbindung ab und das Mobiltelefon war nicht mehr zu erreichen. Kurz nach 5 Uhr gelang es der Polizei, den Kontakt wiederherzustellen. Der Mann erklärte, dass fünf Männer ihm in der Bar in der Rue de Strasbourg gedroht hätten, ihn zu töten. Einer davon habe eine Schusswaffe vorgezeigt. Ihm sei dann aber die Flucht gelungen. Nach wenigen Minuten brach das Gespräch erneut ab und der Mann war nicht mehr zu erreichen. Es gelang zunächst nicht, seine Identität festzustellen und den Wahrheitsgehalt seiner Angaben zu überprüfen.

Wie real die Bedrohung an jenem Mittwoch tatsächlich war, bleibt zu klären. Das herauszufinden ist die Aufgabe der Kriminalpolizei.

Causa Rue de Strasbourg

Das Bahnhofsviertel und insbesondere die Rue de Strasbourg, hatten in diesem Herbst Schlagzeilen gemacht, nachdem sich Anwohner gegen die Zustände im Viertel gewehrt hatten. Bei einer Bürgerversammlung machten sie ihrem Ärger Luft. Der Grundtenor: Die Rue de Strasbourg soll kein Paradies für Drogenhändler sein. Der damalige Hauptstadtbürgermeister Xavier Bettel erklärte bei der Versammlung, dass ihm den Hände weitgehend gebunden seien. Teil des Problems sei, dass verschiedene Bars im Viertel dem Drogenhandel positiv gesinnt seien.

In den Tagen nach der Versammlung, ließ Bettel den Platz vor der Grundschule in der Rue de Strasbourg umgestalten, um ihn für Drogenabhängige weniger attraktiv zu machen. Angekündigt wurde auch der verstärkte Einsatz eines privaten Sicherheitsdiensts und des städtischen Hygienediensts. Der damalige Innenminister Jean-Marie Halsdorf ließ zudem wissen, dass ein Gesetz zum Platzverbot in Vorbereitung sei. Die Polizei verstärkte ihrerseits die Fußpatrouillen im Viertel mit vier Mann. Zudem wurde eine sichtbare Polizeipräsenz zu Schulbeginn und -ende eingeführt.

Der Direktor der „jugend- an drogenhëllef“ Jean-Nico Pierre zeigte damals im LW-Interview Verständnis für Forderungen nach einem härteren Durchgreifen der Polizei. Eine rasche Entschärfung der Lage in der Rue de Strasbourg sei auch erforderlich. Dennoch warnte Jean-Nico Pierre vor einer Verlagerung und Getthoisierung des Problems. Dauerhafte Abhilfe könne nur eine enge Zusammenarbeit von Sozialarbeitern und Sicherheitskräften bringen.


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