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Hasseler Mord: Generalstaatsanwaltschaft verzichtet auf Kassation
Lokales 3 Min. 11.03.2015

Hasseler Mord: Generalstaatsanwaltschaft verzichtet auf Kassation

An Allerheiligen 2010 hatte der grausame Mord die Gemeinde erschüttert.

Hasseler Mord: Generalstaatsanwaltschaft verzichtet auf Kassation

An Allerheiligen 2010 hatte der grausame Mord die Gemeinde erschüttert.
Romain Schanck
Lokales 3 Min. 11.03.2015

Hasseler Mord: Generalstaatsanwaltschaft verzichtet auf Kassation

Die Generalstaatsanwaltschaft wird nach dem Freispruch im Hasseler Mordfall nicht in Kassation gehen. Damit ist das Urteil rechtskräftig, das Verbrechen bleibt ungeklärt. Der spektakuläre Fall in Fragen und Antworten.

(vb/DL) - Die Generalstaatsanwaltschaft wird nach dem überraschenden Freispruch im Hasseler Mordfall nicht in Kassation gehen. Damit ist das Urteil rechtskräftig, das Verbrechen bleibt ungeklärt. Das bedeutet: Der Mörder läuft frei herum. 

Gegenüber dem "Luxemburger Wort" erklärte die Generalstaatsanwaltschaft, nicht in Kassation zu gehen. Grund dafür sei, dass der Freispruch aufgrund der Faktenlage erfolgt sei und nicht wegen verfahrensrechtlicher Gegebenheiten. In dem Urteil würde festgehalten, dass ein Zweifel darin besteht, ob der Mann, der verdächtigt wurde, die Tat ausgeführt zu haben, dies tatsächlich getan hat. Automatisch gelte dieser Zweifel dann auch für die beiden anderen Beschuldigten, von denen angenommen worden war, dass sie die Tat in Auftrag gegeben hätten.

Der Fall in Fragen und Antworten:

Was war geschehen?

Die Tat selbst schockiert durch ihre Grausamkeit und ihre Inszenierung wie in einem Krimi: Das Opfer, ein 69-jähriger pensionierter Luxemburger, wird im Herbst 2010 erschlagen in seinem Bett aufgefunden. Der Täter hinterlässt das Tatwerkzeug, eine Axt, im Badezimmer. Auf einem Tisch liegt eine aufgeschlagene Bibel, in der ein Messer steckt.

Wer saß auf der Anklagebank?

Die Ermittler stoßen relativ schnell auf drei Verdächtige. Das homosexuelle Opfer war mit einem jüngeren Franzosen liiert, der ihn dazu gedrängt hatte, ihn zu adoptieren. Er hat einen Lebensgefährten, mit dem zusammen er die Mordpläne gegen den älteren Mann geschmiedet haben soll - so die Überzeugung der Ermittler. Dieses homosexuelle Paar habe dann einen Mörder beauftragt, der die Tat ausgeführt haben soll. Die drei Angeklagten werden alle in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt.

Was war die Linie der Staatsanwaltschaft?

Die Anklage unterstellt dem Liebhaber und Adoptivsohn des Opfers Geldgier als Tatmotiv. Da er auf großem Fuß lebte, soll er in dem Tod des älteren Mannes einen Geldsegen erwartet haben. Da er sein Adoptivsohn war, hätte er von dem Toten geerbt. Mit dem Geld, so weiterhin die Anklage, wollten der Adoptivsohn (48 Jahre) und sein neuer Partner (40) zusammen ein neues Leben in Kanada anfangen und ein Hotel gründen. Zur Tat kommt es, als der Luxemburger Pensionär sich mit dem 48 Jahre alten Liebhaber überwirft und die Adoption rückgängig machen will.

Was brachte die Verteidigung vor?

Die Angeklagten streiten ab, in den Mordfall verwickelt zu sein. Ihre Verteidiger weisen nach, dass das 69-jährige Mordopfer kein Vermögen, sondern Schulden angehäuft hat. Damit wird das Mordmotiv in Frage gestellt. Die Anwälte kritisieren die Polizei, die sich frühzeitig auf eine Spur festgelegt und andere mögliche Täter im Familienkreis des Opfers ausgeschlossen hätte. Beweise für die Tat gebe es nicht, nur Indizien. Folgerichtig forderte die Verteidigung Freispruch.

Wie sah das Berufungsgericht die Sache?

Die Richter sahen die Schuld der Angeklagten nicht eindeutig bewiesen. Wenn Richter Zweifel an der Schuld des Angeklagten haben, dürfen sie ihn nicht verurteilen (Grundsatz: in dubio pro reo). Deshalb müssen sie zwingend freigesprochen werden. Die Angeklagten verließen den Gerichtssaal als freie Männer.

Was passiert nun mit ihnen?

Nun wird sich wieder ein Untersuchungsrichter mit dem Fall befassen. Die drei inzwischen freigesprochenen Männer können in dieser Angelegenheit gemäß Artikel 443 jedoch nicht mehr angeklagt werden - auch dann nicht, wenn neue Beweise auftauchen würden. Die drei saßen vier Jahre in Untersuchungshaft. Dafür steht ihnen jetzt Haftentschädigung zu, die sich nach ihren Einkommensverhältnissen richtet. Als Richtwert können sie mit 100 Euro Entschädigung pro Tag rechnen. Ob der Adoptivsohn das Erbe des Mordopfers antreten kann, ist noch unklar.


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